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Im AltenbergStadt Bern passt Hochwasserschutzprojekt nach Bürgerprotest an

Im Berner Altenbergquartier werden die Massnahmen zum Hochwasserschutz abgeändert. Am Klösterlistutz wird keine Schutzmauer errichtet. Im Altenberg wird die Ufermauer tiefer als bisher geplant.

Im Altenbergquartier musste die Feuerwehr in den vergangenen Jahren bei Aare-Hochwasser Schläuche auslegen.  (Archivbild Hochwasser im Berner Altenbergquartier)
Im Altenbergquartier musste die Feuerwehr in den vergangenen Jahren bei Aare-Hochwasser Schläuche auslegen. (Archivbild Hochwasser im Berner Altenbergquartier)
Foto: Susanne Keller

Die Stadt Bern passt ihr grosses Hochwasserschutzprojekt für die Gebiete entlang der Aare an zwei Stellen an. Am Klösterlistutz wird nach Protest aus der Bevölkerung gar keine Schutzmauer errichtet. Im Altenberg wird die geplante Ufermauer tiefer als bisher geplant.

Wie die Stadtregierung am Donnerstag mitteilte, sollen nun am Klösterlistutz im Fall von Hochwasser mobile Elemente eingebaut werden. Auch im Altenberg ist bei hoher Aare der Einsatz solcher Elemente vorgesehen, zusätzlich zum Bau einer tieferen Mauer.

Im Altenberg hat die Stadt zudem das Schutzziel angepasst: Statt dass die Massnahmen das Quartier bis zu einer Aare-Abflussmenge von 600 Kubikmeter pro Sekunde schützen sollen, muss das Quartier bis zu einer Menge von 550 Kubikmetern pro Sekunde sicher sein. Dies entspricht dem Schutzziel fürs Dalmaziquartier.

Zudem soll am Altenberg der Uferweg weniger abgesenkt und weniger breit ausgestaltet werden. Etwas über 600 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führte die Aare in Bern bei den Jahrhunderthochwassern von 1999 und 2005.

Die Schutzmauer im Altenberg wird weniger hoch gebaut als  geplant. (Im Bild die ursprünglich geplante Mauer. Visualisierung aus der Ausstellung zum Projekt Hochwasserschutz im Altenberg.)
Die Schutzmauer im Altenberg wird weniger hoch gebaut als geplant. (Im Bild die ursprünglich geplante Mauer. Visualisierung aus der Ausstellung zum Projekt Hochwasserschutz im Altenberg.)
Foto: Stadt Bern/zvg

Petition mit 6000 Unterschriften

Die Stadt Bern hatte im Jahr 2013 ihren Einwohnern das Hochwasserschutzprojekt «Gebietsschutz Quartiere an der Aare» an der Urne vorgelegt. Mit einer Mehrheit von 88 Prozent sagte das Volk Ja und gab damit grünes Licht für die Ausarbeitung eines Wasserbauplans. Dieser wurde 2018 öffentlich aufgelegt.

Gegen das Projekt gingen insgesamt 52 Einsprachen ein – fast die Hälfte davon betrafen die Massnahmen im Altenbergquartier und am Klösterlistutz. Insbesondere die Höhe der geplanten Ufermauer, die Breite des Uferwegs sowie der Umgang mit dem Baumbestand stiessen auf Kritik.

Zudem wurde dem Gemeinderat wenig später die Petition «Save our Aare: Für Natur und Lebensqualität im Altenberg – Nein zur Mauer!" überreicht, in deren Fokus ebenfalls die geplanten Massnahmen im Altenbergquartier standen. 6000 Personen unterzeichneten diese.

Darauf reagierte die Stadt Bern und überarbeitete die Pläne zusammen mit Kanton Bern und Berufsfeuerwehr Bern. Auch führte sie zahlreiche Gespräche mit Vertretern des Quartiers.

Neue öffentliche Auflage

Berns Gemeinderat hat die Anpassungen des Hochwasserschutzprojekts in den Abschnitten Klösterlistutz und Altenberg am Mittwoch genehmigt. Weil die erwähnten Änderungen als wesentlich gelten, müssen sie aufgelegt werden. Die öffentliche Auflage des überarbeiteten Projekts findet ab Mitte Januar statt.

Während die Einsprachen gegen die Massnahmen im Dalmaziquartier, im Marzili und in der Matte bereits behandelt worden sind, konnten jene gegen die Pläne am Klösterlistutz und im Altenberg noch nicht bearbeitet werden. Sie bleiben somit aufrecht. Eine Verhandlung zu diesen Einsprachen erfolgt erst nach der Auflage des überarbeiteten Projekts, und zwar zusammen mit allfälligen Einsprachen gegen die angepassten Massnahmen.

Ein 132-Millionen-Projekt

Nach Abschluss der öffentlichen Auflage und allfälligen Einspracheverhandlungen werden – vorbehältlich der Zustimmung durch den Stadtrat – die Stimmberechtigten der Stadt über den Baukredit zu befinden haben. Der Kostenvoranschlag für die Massnahmen zum langfristigen Hochwasserschutz beläuft sich unverändert auf 132,5 Millionen Franken.

Der genaue Kostenteiler zwischen den am Projekt beteiligten Partnern wird noch erarbeitet; der Kostenanteil der Stadt Bern beträgt voraussichtlich 50 bis 60 Millionen Franken. Die Bauarbeiten beginnen frühestens im Winter 2023/2024 und dauern rund fünf Jahre.

sda/tag