SRG baut 250 Stellen ab – und streicht «Aeschbacher»

Der Medienkonzern will 100 Millionen Franken einsparen. Davon ist auch das SRF-Programm betroffen.

Sparkurs: 20 Millionen Franken werden beim SRF eingespart – unter anderem wird der Talk mit Kurt Aeschbacher eingestellt. (Archiv)

Sparkurs: 20 Millionen Franken werden beim SRF eingespart – unter anderem wird der Talk mit Kurt Aeschbacher eingestellt. (Archiv)

(Bild: Keystone Michele Limina)

In den nächsten vier Jahren sollen bei der SRG SSR rund 250 Stellen wegfallen. Das kündigte die nationale Rundfunkanstalt am Donnerstag an. Angestrebt werde ein Abbau über natürliche Abgänge. Entlassungen will die SRG aber nicht ausschliessen.

Bis Ende September arbeite die SRG an der Detailplanung, anschliessend werde sie die Sozialpartner und die Mitarbeitenden anhören, heisst es weiter im Communiqué. Die Umsetzung erfolgt ab 2019. Für die betroffenen Mitarbeitenden soll ein Sozialplan zur Anwendung kommen.

SSM: Hohe Zahl von Stellen

Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) nannte die Zahl der betroffenen Stellen in einer Reaktion «hoch». Der angekündigte Abbau treffe den Arbeitsmarkt empfindlich, besonders im arg gebeutelten Medienbereich.

Von Kündigungen sei abzusehen, forderte die Gewerkschaft in ihrer Mitteilung. Sie will im Rahmen der Konsultation zusammen mit den Angestellten Alternativen zum Stellenabbau präsentieren. Diese müssten von der SRG-Führung seriös geprüft werden.

Wo gespart werden soll

Schon nach der Ablehnung der No-Billag-Initiative im März kündigte die SRG an, rund 100 Millionen Franken sparen zu wollen. Nun gab die SRG SSR auch an, wo gespart werden soll: 20 Millionen Franken entfallen auf SRF, 15 Millionen auf RTS, 15 Millionen auf die Generaldirektion, 10 Millionen auf RSI, 1 Million auf RTR und 1 Million auf SWI.

Hinzu kommen übergeordnete Einsparungen – vor allem in den Bereichen Infrastruktur und Distribution. Diese belaufen sich auf 40 Millionen Franken. In allen Regionen sollen die Immobilienkosten deutlich sinken. 20 Millionen Franken will die SRG reinvestieren.

Beim Angebot wolle die SRG nur geringfügig sparen, kritisierte das SSM. Zu befürchten sei deshalb, dass die verbleibenden Mitarbeiter noch mehr produzieren müssten und die Belastung am Arbeitsplatz zunehme. Schon jetzt gebe es Bereiche, in denen die Arbeit mit immer weniger Personal nicht in gewohnter Qualität geleistet werden könne.

Der Journalistenverband Impressum äusserte sich bestürzt über den massiven angekündigten Abbau. Da die privaten Informationsmedien zum Sparen gezwungen seien, fordert Impressum in einer Mitteilung, dass die demokratierelevanten journalistischen Informationsleistungen bei der SRG ausgebaut und die notwendigen Ressourcen beibehalten werden.

Das klare Ergebnis gegen «No-Billag» habe deutlich gezeigt, dass die Bevölkerung von der SRG starke, unabhängige Informationsleistungen verlange. Die journalistische Information sei nach wie vor die wichtigste Daseinsberechtigung des medialen Service Public.

Auch das SRF-Programm betroffen

Zum Sparziel beitragen soll auch eine neue Programmstrategie. Die Fernsehmacher wollen nach eigenen Angaben künftig auf Show-Produktionen in Kreuzlingen verzichten. Dafür sollen weniger aufwendige Produktionen im Studio Leutschenbach produziert werden.

Unter anderen wird die Sendung «Aeschbacher» nur noch bis Ende Jahr laufen. Aus dem Programm gestrichen werden «nachtwach» und «Tacho» sowie auf die Eigenproduktion am Sonntag. Die zweite Staffel von «Wilder» wird auf 2020 verschoben.

Auch das Sommerprogramm ist von den Einsparungen betroffen, das Budget wird reduziert. Die Sommerserie von «Schweiz aktuell» wird zurückgefahren und im Sommer zeigt SRF «sportaktuell» anstelle von «sportpanorama». Das Quiz am Mittwoch sowie die trimediale Umsetzung von «Jeder Rappen zählt» wird in der heutigen Form nicht weitergeführt.

Admeira-Anteil verkauft

Der Verwaltungsrat SRG habe am Mittwoch den Rahmen des von der Generaldirektion vorgeschlagenen Spar- und Effizienzsteigerungsplanes gutgeheissen, heisst es weiter. Die Sparübung wird mit der bundesrätlichen Plafonierung der Gebühreneinnahmen und rückläufigen Werbeeinnahmen begründet.

Ausserdem gab die SRG bekannt, dass am Dienstag der Kaufvertrag für die Veräusserung der Admeira-Anteile unterzeichnet worden sei. Wie schon im April bekannt gegeben, übernehmen die anderen Admeira-Aktionäre Ringier und Swisscom das SRG-Aktienpaket. Der Vollzug sei «demnächst» geplant.

nag/sda

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