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Deal zwischen Alstom und BombardierSpuhlers neuer Mega-Konkurrent ist auf der Zielgeraden

Die EU gibt wohl grünes Licht für Übernahme unter Zugbauern. Davon betroffen ist auch Bombardier in der Schweiz. Und vor allem: Stadler Rail.

In Villeneuve werden derzeit die neuen Doppelstöcker für die SBB gebaut. Ein Kapitel der Firmengeschichte, das Bombardier viel Schelte eingebracht hat. Kein Wunder: Die Züge haben Jahre Verspätung und wackeln noch immer deutlich mehr als andere Züge der SBB-Flotte.
In Villeneuve werden derzeit die neuen Doppelstöcker für die SBB gebaut. Ein Kapitel der Firmengeschichte, das Bombardier viel Schelte eingebracht hat. Kein Wunder: Die Züge haben Jahre Verspätung und wackeln noch immer deutlich mehr als andere Züge der SBB-Flotte.
Foto: Keystone

Der letzte Versuch scheiterte. Eigentlich wollten sich Alstom und Siemens zusammentun, um im Zugbau gemeinsam zu einer neuen Macht zu werden. Doch die Wettbewerbsbehörde der EU sagte: Non und Nein zu den französischen und deutschen Ambitionen. Nur Monate später stehen die Chancen gut, dass ein anderer Deal durchkommt. Jener zwischen den Franzosen von Alstom und dem kanadischen Zugbauer Bombardier. Die Nachrichtenagentur Reuters meldet mit Verweis auf Insider, dass die zuständige EU-Kommission der Übernahme der Zugsparte von Bombardier durch Alstom zustimmt.

Die Übernahme ist bis zu 6,2 Milliarden Euro teuer. Nach den Chinesen von CRRC würde so der zweitgrösste Zugbauer der Welt entstehen. Und der Schweizer Stadler Rail erwächst damit wohl schon bald ein neuer Konkurrent. Um das Placet der EU-Kommission zu erhalten, müssen Alstom und Bombardier allerdings Zugeständnisse machen. Ansonsten wäre die Gefahr gross, dass die Behörde zum Schluss kommt, dass die Marktmacht des neuen Konzerns zu gross sei. Und die Übernahme verbietet.

So sollen Geschäftsteile an zwei Standorten mit rund 1000 Mitarbeitenden in Deutschland und Frankreich verkauft werden. Ebenfalls Teil des Deals sollen Zugeständnisse in der Signaltechnik sein. Dort gewährt der neue Riese der Konkurrenz Zugang zu bestimmten Schnittstellen und Produkten der Signaltechnik.

Peter Spuhler hat bei Stadler Rail schwierige Zeiten hinter sich. Erst musste die Firma nicht zufriedenstellende Zahlen präsentieren, danach verliess auch noch der CEO seinen Posten. Nun ist Spuhler beim Bahnbauer Verwaltungsratspräsident und operativer Chef in einem.
Peter Spuhler hat bei Stadler Rail schwierige Zeiten hinter sich. Erst musste die Firma nicht zufriedenstellende Zahlen präsentieren, danach verliess auch noch der CEO seinen Posten. Nun ist Spuhler beim Bahnbauer Verwaltungsratspräsident und operativer Chef in einem.
Foto: Keystone

Doch der letzte Teil könnte auch Chancen für den Schweizer Zugbauer Stadler bieten. Denn in der Signaltechnik sieht das Unternehmen von Peter Spuhler eine Wachstumschance. Erst kürzlich erhielt Stadler eine Zulassung für das eigene System in den Niederlanden, Polen, Deutschland und Belgien. Ein Meilenstein für die Ostschweizer.

Die Hoffnungen darauf, dass Stadler in diesem Bereich gar durch einen Zukauf wachsen könnte, sind wohl klein. Die offiziellen Vorschläge von Alstom bezüglich Zugeständnissen enthalten keinen Hinweis, dass Teile der Signaltechnik verkauft werden sollen. Reuters schreibt, dass Alstom die angebotenen Zugeständnisse an einigen Stellen angepasst habe, um Bedenken der EU bezüglich Wettbewerb auszuräumen. Wie diese aussehen, ist allerdings offen. An der Marktmacht in diesem Bereich scheiterte zuletzt die mögliche Fusion von Siemens und Alstom.

«Da prallen Unternehmens­­philosophien aufeinander, die erst einmal unter einen gemeinsamen Nenner gebracht werden müssen.»

Remo Rosenau, Analyst der Helvetischen Bank

Doch für Remo Rosenau, Leiter Finanzanalyse bei der Helvetischen Bank, ist klar: Solch grosse Übernahmen würden immer Gefahren bergen. «Da prallen Unternehmensphilosophien ehemaliger Konkurrenten aufeinander, die erst einmal unter einen gemeinsamen Nenner gebracht werden müssen», sagt Rosenau. Das Unternehmen würde in einer ersten Phase sehr mit sich selber beschäftigt sein, Integration leisten müssen – und vermutlich auch Personal abbauen.

Das führe oft zu Verunsicherungen, sowohl intern wie bei den Kunden. In dieser Zeit könnte ein agiler Konkurrent wie Stadler durchaus seine Chancen haben. Doch auf lange Sicht erwachse durch die Übernahme ein starker Player mit entsprechender Marktmacht. Jedoch müsse dafür die anspruchsvolle Integration gut über die Bühne gebracht werden.

Stadler selbst will sich nicht zum Thema äussern.

Einen Entscheid muss die EU-Kommission bis am Freitag fällen. Vonseiten Alstom und Bombardier gibt es keinen Kommentar zur Meldung von Reuters.

Bedenken zur Übernahme von Bombardier gab es aus Gewerkschaftskreisen. Die Syna und andere Gewerkschaften gelangten mit einer kurzen Mitteilung vor zwei Wochen an Bombardier und Alstom. Sie wollten wissen, was die Übernahme für die Angestellten bedeute. Betroffen von der Übernahme sind in Europa rund 55’000 Mitarbeitende bei Alstom und Bombardier. Davon auch 775 bei Bombardier in der Schweiz in Villeneuve und Zürich-Oerlikon. In Villeneuve werden derzeit die neuen Doppelstöcker für die SBB gebaut.

Die Gewerkschaften fordern, dass «alle Arbeitsplätze und alle europäischen Standorte zu sichern» seien und sich die Unternehmen «zu echten Garantien verpflichten». Also vor allem auch zu Geschäftsteilen, die als Zugeständnisse verkauft werden sollen.

Vonseiten Bombardier heisst es dazu: Prinzipiell seien Bombardier und Alstom im guten und engen Dialog mit dem europäischen Betriebsrat und den Gewerkschaften. «Die zur Disposition stehenden Aktivitäten würden auf einen qualitativ hochwertigen Käufer übertragen, der den Wettbewerb aufrechterhalten kann», sagt ein Sprecher der Kanadier. Dies werde von der EU sehr genau beobachtet. «Wir gehen davon aus, dass unsere Mitarbeiter mit ihrem Know-how sehr gute Chancen haben, von einem potenziellen Käufer übernommen zu werden, um entsprechend wettbewerbsfähige Produkte anbieten zu können», so der Sprecher weiter.