Rotweiss erstmals Leader

Das hat es in der höchsten Schweizer Frauenliga noch nie gegeben: Rotweiss Thun führt die Tabelle an. Für Trainer Peter Bachmann ist die «schöne Momentaufnahme» kein Zufall.

Im Freudentaumel: Die Spielerinnen von Rotweiss Thun haben Historisches erreicht und sind erstmals Leader in der höchsten Spielklasse.

Im Freudentaumel: Die Spielerinnen von Rotweiss Thun haben Historisches erreicht und sind erstmals Leader in der höchsten Spielklasse.

(Bild: Patric Spahni)

Peter Berger@PeterBerger67

Um vier Treffer ist das Torverhältnis von Rotweiss Thun (152:106) besser als jenes von Brühl (181:139). Die beiden Teams weisen nach 5 Runden je 9 Punkte auf. Aber da die Thunerinnen eben eine Plus-46-Bilanz aufweisen, liegen sie in der Rangliste vor den St. Gallerinnen (+42). Und Rotweiss auf Platz 1 ist ein Novum in der höchsten Frauenliga.

«Das ist schön, aber nur eine Momentaufnahme», hält Peter Bachmann nüchtern fest. Der erfahrene Trainer ordnet den «Zwischenstand» jedoch durchaus historisch ein. Als am Sonntag beim ungefährdeten 39:25-Erfolg gegen Leimental (siehe Kasten) kurzfristig der Schlendrian einzog, mahnte Bachmann während eines Time-out die Spielerinnen an das Torverhältnis.

Da die Partie von Brühl gegen Winterthur (36:28) früher angepfiffen worden war, kannte Bachmann die Ausgangslage. «Wir wollten das Gefühl vom ersten Platz unbedingt erleben und konnten nochmals entsprechend zusetzen», lobt Bachmann.

Seit Jahren versuchten die Thunerinnen die Lücke zu den Topteams Spono Nottwil, Brühl und Zug zu schliessen. Nun scheint das definitiv gelungen. «Wir hatten eine sehr gute Saisonvorbereitung. Die Spielerinnen sind ehrgeizig, der Leistungssportgedanke ist bei allen präsent. Die Mannschaft hat auch einen anderen Groove als vergangene Saison, ist enger zusammengerückt», begründet Bachmann.

Das bestätigt auch Sibylle Peronino. Die Torhüterin verweist auf den unveränderten Rückraum: «Wir hatten wenig Veränderungen im Kader. Junge Spielerinnen wie Kira Zumstein oder Milena Kaeslin vollzogen zudem einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung.

Dadurch ist die Verantwortung nun auf mehrere Schultern verteilt.» Dass sie mit ihrem Stammclub erstmals auf dem Leaderthron sitzt, kommt für die 29-jährige Peronino deshalb «weniger überraschend als für die Gegnerinnen».

«Alle sind glücklich»

Die erfahrene Torhüterin spricht von einem sehr guten Gefühl. «Wir sind alle sehr glücklich, wissen jedoch, dass die Saison noch lange dauert. Aber das ist mal ein Anfang, und wir sind bereit für mehr», ergänzt sie im Wissen, dass Selbstvertrauen und Spielfreude derzeit gross sind.

Gefahr, dass die Rotweiss-Akteurinnen nun abheben, sieht Peronino nicht: «Wir verfügen über einen erfahrenen Trainer, der uns schon auf den Deckel geben wird, sollten wir in Versuchung kommen, überheblich zu werden.»

Oben, aber am Boden bleiben

Bachmann hebt schon jetzt den Mahnfinger. «Uns steht ein schwieriger Herbst bevor.» Bis Mitte November sind mit Liga, Schweizer und Europacup mehrheitlich zwei Spiele pro Woche im Programm, was für das kleine Kader eine grosse Belastung bedeutet.

Aber auch wenn die Thunerinnen in einem Monat nicht mehr Rang 1 belegen sollten, steht für den Coach ausser Frage: «Wir müssen uns vor niemandem mehr verstecken.»

Berner Zeitung

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