Zwischen Nervosität und Gelassenheit

WM

Schweizer Nationalteam Ottmar Hitzfelds Auswahl startet am Sonntag gegen Ecuador ins Turnier. Die Spieler sind angespannt, aber zuversichtlich.

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Vor dem Abflug am Freitag in den Spielort Brasília hatte Ottmar Hitzfeld für seine Spieler noch eine Denksportaufgabe auf Lager. Der Nationaltrainer verteilte im Hotel Computersticks. Darauf sind jede Menge laufender Bilder von Ecuador abrufbar: Spielzüge, Standardsituationen, Einwürfe, Dribblings der Stürmer. Eine Einstimmung auf den WM-Start am Sonntag (18 Uhr, SRF2 live) in elektronischer Form. «Ich schaue mir die Bilder frühestens am Samstag an», kündigt Reto Ziegler schon mal vorsorglich an. Der Reservist scheint nicht allzu viel Lust auf diese Hausaufgaben zu haben. Und Xherdan Shaqiri sagt: «Zu viel müssen wir über den Gegner gar nicht wissen.»

Wie schon die ganze Woche verströmen die Schweizer vor dem Start gegen die Südamerikaner Zuversicht. Und doch muss Shaqiri zugeben: «Die Nervosität steigt.» Noch einmal schlafen, dann gehts endlich los. Shaqiri meldet «einhundert Prozent» Einsatzbereitschaft. Die lädierte Muskulatur ist kein Thema mehr, und der Flügelflitzer des FC Bayern München findet: «Wir sind bereit. Es kann losgehen.»

Für einmal nicht Aussenseiter

Im Vergleich zu 2006 und 2010 ist die Ausgangslage anders. In den letzten Turnieren trafen die Schweizer zu Beginn auf die jeweiligen Gruppenfavoriten. Vor acht Jahren war das 0:0 in Stuttgart gegen Frankreich ein sehr gutes Resultat; gar phänomenal las sich der 1:0-Sieg 2010 in Durban gegen Spanien. In beiden Spielen waren die Schweizer krasse Aussenseiter gewesen und hatten nichts zu verlieren gehabt. Morgen in Brasília ist das anders. Der Topfavorit in der Poule kommt aus Frankreich. Sollten die Schweizer gegen Ecuador, die Nummer 3 der Gruppe, nicht gewinnen, droht bereits die Schieflage; und die zweite Aufgabe führt die Eidgenossen dann am Freitag gegen Frankreich.

«Wir haben drei Endspiele in dieser Gruppe», sagt Ottmar Hitzfeld. Der Nationaltrainer hat sich in den Tagen von Porto Seguro rargemacht. Am Mittwoch hielt er eine Pressekonferenz ab, wo er viel redete und durchaus locker wirkte – aber nichts sagte. Bis auf den letzten Sonntag wurde die ganze Woche hinter verschlossenen Türen trainiert. Glaubt man den Beteiligten, ist Rot-Weiss in WM-Form. «Was in der Schweiz noch nicht geklappt hat, klappt jetzt hier in Brasilien», sagt Shaqiri. Und Assistent Michel Pont ergänzt mit treuherzigem Blick: «Die letzten drei Trainingseinheiten waren qualitativ sehr gut.»

Was das heisst für Sonntag? Gar nichts. Der mitentscheidende Faktor werden die Nerven sein. Es ist WM, es ist erstes Spiel, es geht um viel – da kann dem einen oder anderen schnell mal das Herz in die Hosen rutschen, selbst wenn er sogar bei Bayern München kickt. Vor einem Bundesligaspiel hat Shaqiri noch nie aufkommende Nervosität zugegeben. Jedenfalls sicher nicht in der Öffentlichkeit.

Der Basler hat sein perfektes WM-Drehbuch zusammen. «Wir gehen auf den Platz, gewinnen und bleiben gesund. Und wenn wir irgendwann von Brasilien nach Hause in die Schweiz zurückkommen, sollen alle aus ihren Häusern gehen – und stolz auf uns sein.» Der erste Schritt dafür: morgen in Brasília. Gegen Ecuador.

Berner Zeitung

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