Wie Tag und Nacht

Morgen Sonntag kommt es im Slalom von Levi zum Vergleich zwischen Marcel Hirscher und Henrik Kristoffersen. Die Ausgangslage der Kontrahenten könnte kaum unterschiedlicher sein.

Schnelle Rivalen: Marcel Hirscher (links) und Henrik Kristoffersen sind die besten Slalomfahrer der Gegenwart.

Schnelle Rivalen: Marcel Hirscher (links) und Henrik Kristoffersen sind die besten Slalomfahrer der Gegenwart.

(Bild: Imago)

Wunder dauern etwas länger – es sei denn, man lese die «Kronen Zeitung». «Wunder perfekt» steht im Partnerblatt des Skiverbandes; die Schlagzeile dreht sich um das kurzfristig angekündete Comeback von Marcel Hirscher. Am Sonntag, 87 Tage nach dem Bruch seines linken Fussknöchels, wird der 28-Jährige aus ­Annaberg den Slalom von Levi bestreiten; am Freitag soll er von Salzburg direkt nach Kittilä geflogen sein. Es liegt kaum falsch, wer davon ausgeht, dass es von der Mozartstadt ins 6000-Einwohner-Dorf im Norden Lapplands keine reguläre Verbindung gibt.

In Hirschers Fall spielen derartige Fakten jedoch keine Rolle. Weil das Männerteam als Kollektiv den hohen Erwartungen in den letzten Jahren selten gerecht geworden ist, hat der sechsfache Gesamtweltcupgewinner zumindest innerhalb des Österreichischen Skiverbandes eine Art Heilsbringerstatus erlangt. Wobei unklar ist, ob die Maschine von ÖSV-Präsident ­Peter Schröcksnadel aufgetrieben oder von Sponsor Red Bull zur Verfügung gestellt wurde.

Der Streit um die Stirn

Für den Dosengiganten ist Hirscher einer von sehr vielen Botschaftern. Der Konzern unterstützt auch die Konkurrenz, den vielseitigen Franzosen Alexis Pinturault beispielsweise. Und die Verantwortlichen sind bestrebt, das Logo auf der Stirn des Norwegers Henrik Kristoffersen zu platzieren. Was in dessen Heimat kontrovers diskutiert wird respektive zu einem noch immer nicht gelösten Konflikt geführt hat.

Im Unterschied zu den andern Nationen beansprucht der norwegische Verband das Kopffeld seit ein paar Jahren für sich; das Ensemble wird im Kollektiv vermarktet. Die Skandinavier sprechen nicht nur vom Teamgeist, sie leben ihn. Der Zusammenhalt bilde die Basis des Erfolgs, pflegt der Iseltwalder Reto Nydegger zu sagen, welcher die Speedgruppe um Aksel Svindal und Kjetil Jansrud betreut. Wobei erwähnte Regel für Svindal nicht gilt, weil dessen Vertrag schon vor dem Strategiewechsel unterzeichnet worden war – der Vertrag mit Red Bull notabene.

Kristoffersen pocht auf Chancengleichheit, ist damit eher Störenfried als Heilsbringer. In Levi tritt der Stangenakrobat gegen Hirscher an, hinter den Kulissen streiten die Juristen. Der Athlet hat Klage gegen den Skiverband eingereicht, der Ausgang des Prozesses ist ungewiss. Klar geworden ist: Nicht überall wird erfolgreichen Skifahrern der rote Teppich ausgerollt.

Berner Zeitung

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