Weltklasse im Haslital

Permanent nutzbare Trainingspisten mit Weltcupstandard gibt es hierzulande nur wenige, eine findet sich im Rennzentrum Hasliberg. Dank einheimischer Trainer weht ein Hauch von Weltklasse durchs Haslital.

Illustre Runde im Schneegestöber: Stefan Abplan­alp, Edit Miklos, Kjetil Jansrud, Hanspeter Wenger, Aleksander Aamodt Kilde und Reto Nydegger (von links).<p class='credit'>(Bild: Markus Grunder)</p>

Illustre Runde im Schneegestöber: Stefan Abplan­alp, Edit Miklos, Kjetil Jansrud, Hanspeter Wenger, Aleksander Aamodt Kilde und Reto Nydegger (von links).

(Bild: Markus Grunder)

Die Vision des Initianten ist noch nicht Realität geworden. Wo­möglich würden sich Fahrer des Schweizer Nationalteams dereinst im Rennzentrum Hasliberg auf die Weltcuprennen in Adelboden und Wengen vor­bereiten, liess Osi Inglin vor drei Jahren verlauten, als er den Vertrag mit den lokalen Bergbahnbetreibern unterzeichnete.

Der Schwyzer, seit letztem Frühling in den Bergen des US-Bundesstaates Colorado als Ausbildner tätig, wirkte damals für Swiss-Ski als Entwicklungshelfer, nachdem er während seiner Amtszeit als Männerchef moniert hatte, die Schweiz sei be­züglich Trainingsinfrastruktur ein Entwicklungsland.

Hinter der Aussage stand der Fakt, dass es hierzulande für die Zeit von Ende Oktober bis Ende März keine permanent nutzbaren Pisten gab, auf de­nen sich dank moderner Bewässerungstechnik Weltcupverhältnisse simulieren liessen.

Gänzlich falsch lag Inglin jedoch nicht, wie der Besuch im Hasliberg offenbart. Unter den Gästen des schmucken Hotels Reuti, welches gleich neben der Seilbahnstation steht, finden sich zwar keine Swiss-Ski-Vertreter, aber sehr wohl Weltklasseathleten.

Kjetil Jansrud – der Norweger hat in diesem Winter vier der bisherigen fünf Speedrennen für sich entschieden – und sein zweimal aufs Podest gefahrener Landsmann Aleksander Aamodt Kilde wissen die Annehmlichkeiten des Rennzentrums sowie die kurzen Wege ebenso zu schätzen wie die für Ungarn startende Edit Miklos, ihres Zeichens Dritte in der zweiten Abfahrt von Lake Louise.

Die Präsenz der Genannten ist eng mit der Herkunft ihrer Betreuer verbunden. Reto Nydegger, in der zweiten Saison für die norwegischen Abfahrer verantwortlich, lebt in Iseltwald am Brienzersee. Stefan Abplanalp, welcher mit der gebürtigen Rumänin Miklos einen WM-Medaillen-Gewinn anstrebt, ist Meiringer. «Die Piste ist perfekt, wie im Weltcup. Wir haben hier alles, was wir brauchen», hält der 43-Jährige fest.

Aussagen wie diese freuen Hanspeter Wenger. Gemeinsam mit einem Bauunternehmer aus der Region rettete der Garagist vor fünf Jahren die Meiringer Bergbahnen vor dem Konkurs, heute amtet er als Verwaltungsratspräsident. Das Rennzentrum ist nicht zuletzt dank seines En­gagements entstanden.

Wenger liess unter anderem das erwähnte Hotel errichten, Inglin bezeichnete die Zusammenarbeit mit ihm und seiner Crew als beispielhaft. Als Haslitaler liege ihm der Skisport am Herzen, sagt Wenger, welcher Abplanalp direkt unterstützt, indem er ihm einen Dienstwagen zur Verfügung stellt.

Im Ge­genzug trägt Abplanalp das Logo der Bergbahnen auf seiner Mütze – er ist wahrscheinlich der erste Skitrainer mit Kopfsponsor.

Als Leiter des Rennzentrums fungiert Reto Schläppi – wie Nydegger und Ab­planalp ein Einheimischer, wie die Ge­nannten mit Weltcuperfahrung ausge­stattet. Ein Super-G, zwei Riesenslaloms oder sechs Slaloms könnten auf der Piste namens Standard ausgeflaggt werden, hält der ehemalige Chef der Schweizer Slalomspezialisten fest. «Pro Tag können bis zu 150 Athleten auf der Strecke trainieren».

Die Auslastung ist ausgezeichnet, die Piste in dieser Saison nur am 26. und am 31. De­zember frei geblieben. Genutzt wird das Angebot in erster Linie vom Regionalen Leistungszentrum Haslital, von den Re­gionalverbänden aus dem Berner Oberland und der Zentralschweiz sowie von den Kaderathleten des Nationalen Leistungszentrums Mitte. «Gelegentlich trainiert das C-Kader von Swiss-Ski bei uns», sagt Schläppi.

Dass sich die Schweizer Nationalteams vor und zwischen den Rennen lieber in Österreich aufhalten, ist für den Meiringer nachvollziehbar. «Die meisten Trainer gehen an Orte, die sie gut kennen», meint Schläppi, auf den Fakt hinweisend, dass die Swiss-Ski-Gruppen derzeit von Österreichern (Sepp Brunner, Helmut Krug) und einem Italiener (Matteo Joris) betreut werden.

Thomas Stauffer, Cheftrainer der Schweizer, erwidert auf die Frage «Warum nicht in der ­Heimat?», das Pistenangebot sei auf der Reiteralm breiter, die Wetteranfälligkeit geringer. Was mit der Höhenlage zusammenhängt. Wird im Hasliberg über der Waldgrenze gefahren, bieten die Bäume in den österreichischen Stationen Schutz vor dem Wind und bei prekären Sicht­verhältnissen stärkere Kontraste.

Das im Vergleich zur Schweiz kontinentalere Klima sorgt in der östlichen Hälfte Österreichs für tiefere Temperaturen, was die Schneeproduktion vereinfacht.

Aufgrund dieser Vorteile nehmen die Schweizer Rennfahrer sechsstündige An­fahrten nach Adelboden und Wengen in Kauf, derweil Jansrud und Kilde die Weltcupdestination in einer Stunde erreichen. Stauffer jedoch betont, das Rennzentrum in Hasliberg sei «eine sehr gute Sache, für unseren Nachwuchs enorm wichtig».

Osi Inglins Vision mag nicht real geworden sein, jene von Hanspeter Wenger schon. In seinem Skigebiet findet sich eine kleine, aber feine Trainingsstätte, welche den Ta­lenten aus dem Berner Oberland den steinigen Weg nach oben etwas erleichtert. Hin und wieder weht sogar ein Hauch von Weltklasse durch das Haslital.

Berner Zeitung

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