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«Vor dem Sieg kamen alle Erinnerungen an meinen Sturz hoch»

Silvan Zurbriggen spricht am Tag nach dem Abfahrts-Triumph in Gröden über seine Ängste, seine Prioritäten und die Schwierigkeiten eines Allrounders.

Erst schlaflos, dann siegreich: Silvan Zurbriggen.
Erst schlaflos, dann siegreich: Silvan Zurbriggen.
Keystone

Silvan Zurbriggen, wie lange haben Sie am Samstag Ihren Abfahrtssieg gefeiert?Ich bin beim Abendessen gemütlich mit Vater, Freundin, Serviceleuten und Fanklub-Mitgliedern, zusammengesessen. Ein Glas Rotwein habe ich mir auch genehmigt, das habe ich mir schliesslich verdient. Danach gings dann bald einmal ins Bett, wo ich schnell einschlief und vor allem auch gut schlief.»

In der Nacht zuvor hatten Sie nicht so leicht Schlaf gefunden.In der Nacht auf Samstag habe ich tatsächlich nicht gut geschlafen. Ich bin dann schon um fünf Uhr morgens aufgestanden. Das kommt daher, dass ich mich jedes Mal, wenn ich nach Val Gardena komme, intensiv mit den Kamelbuckeln beschäftige.

Dann wird Ihnen der Sturz des Franzosen Poisson an dieser Stelle kaum geholfen haben.Ich habe mir noch die Fahrten der ersten Athleten angeschaut. Dann sah ich, wie Poisson unkontrolliert in die Luft abhob. Da habe ich mich sofort umgedreht. Dennoch hat sich da mein dumpfes Gefühl im Bauch verstärkt. Natürlich sind da alle Erinnerungen an den Sturz vor drei Jahren wieder aufgekommen.

Sie haben dann aber rechtzeitig vor Ihrem Start wieder die nötige Ruhe gefunden.Dafür war eine unglaubliche Konzentration nötig. Doch ich konnte im richtigen Moment meine absolut beste Leistung abrufen und meinen schlimmen Sturz ausblenden. Unglaublich, dass es ausgerechnet auf der Saslong mit dem ersten Abfahrts- und zweiten Weltcupsieg klappte. Eigentlich kann ich die Leistung noch gar nicht richtig fassen.

Tatsächlich sah man Sie gar nicht gross jubeln und feiern. Weshalb nicht?Ich bin sehr glücklich, aber auch furchtbar müde. Doch ich kann allen versichern, dass ich innerlich eine wahnsinnige Genugtuung verspüre und momentan einer der glücklichsten Menschen bin. Val Gardena war ein Wahnsinnstag für mich.

Didier Cuche meinte nach der Abfahrt, dass man Sie nun auch für den Gesamtweltcup auf der Rechnung haben muss.Ach, da will Didier wohl nur den Druck ein bisschen weitergeben. Mir ist es noch zu früh in der Saison, um mich mit dem Gesamtweltcup zu befassen. Ausserdem gibt es ganz viele andere Top-Athleten mit guten Chancen auf den Gewinn. Es ist für mich bereits eine Herausforderung, in allen Disziplinen zu starten. Am besten ist, ich nehme Rennen für Rennen und gebe in jedem Rennen das Beste. Dann kommt es schon gut.

Am Sonntag im Riesenslalom von Alta Badia lief es Ihnen gar nicht. Was war da los?Ich hatte gar keine Chance. Mir fehlte von Anfang an der Grip. Auf einer solch eisigen Piste bin ich wohl gar noch nie gefahren. Trotzdem dieser extremen Verhältnisse und meiner Müdigkeit wollte ich es versuchen. Nun ging es halt nicht. Doch das ist kein Weltuntergang. Der Riesenslalom ist immer noch meine schwächste Disziplin.

Wie sieht Ihr Programm in den nächsten Wochen aus? Bestreiten Sie die Abfahrt in Bormio?Ohne dass ich genau erklären könnte, weshalb, läuft es mir im Moment hervorragend. Doch ich darf jetzt nicht zu viel wollen. Deshalb setze ich hinter den Start in Bormio noch ein grosses Fragezeichen. Es ist nötig, zwischendurch eine Pause einzuschalten. Ich muss schliesslich schauen, dass ich auch im Januar und Februar noch fit bin. Nun freue ich mich aber erst einmal auf Weihnachten.

si

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