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Ungeduld im Abfahrtsland

Österreichs Speedspezialisten haben in dieser Saison kein Rennen gewonnen. Was sich mit Stürzen respektive Verletzungen von Weltklassefahrern erklären lässt.

So nah?und doch so fern: Vom Gipfel trennt die österreichischen Abfahrer um Hannes Reichelt derzeit ein gutes Stück.
So nah?und doch so fern: Vom Gipfel trennt die österreichischen Abfahrer um Hannes Reichelt derzeit ein gutes Stück.
Keystone

Es rumort im Gebälk. Österreichs Speedspezialisten, seit der Ära von Hermann Maier und Stephan Eberharter Stolz der führenden Skination, haben in diesem Winter noch kein Rennen gewonnen. Wäre da nicht Marcel Hirscher, Sieger des Super-Gs von Beaver Creek. Wobei sich der «Wunderwuzzi», wie Alleskönner östlich des Rheins genannt werden, beim besten Willen nicht als Speedspezialist bezeichnen lässt.

Eher, jedenfalls dieser Tage, als Kühlelement für erhitzte Gemüter. Geduld ist nicht die Stärke der ÖSV-Funktionäre. So wurde im letzten Winter die Slalomkrise ausgerufen, weil Hirscher als Alleinunterhalter fungierte. Vorschnell, wie sich herausgestellt hat, ist doch die junge Garde um Marco Schwarz, Manuel Feller und Marc Digruber in dieser Saison auf der Überholspur unterwegs.

Nun ist Peter Schröcksnadel neuerlich erbost. Nach düsterem Auftritt in Chamonix sprach der Verbandspräsident im Interview mit einer Nachrichtenplattform von «inakzeptablen Leistungen» der Abfahrer, betonte «das viele Geld», welches in diese Mannschaft gesteckt werde, kündigte Konsequenzen an. Die Frage ist nur, was er damit meinte.

Walchhofers Kritik

Sportdirektor Hans Pum liess verlauten, Cheftrainer Andi Puelacher stehe nicht zur Diskussion. Puelacher wiederum hielt unlängst fest, Florian Winkler werde Speedverantwortlicher bleiben – «wenn es nach meinem Willen läuft». In Kvitfjell, zwei Wochen nach Chamonix, belegte Klaus Kröll als bester ÖSV-Vertreter Rang 15; es handelte sich um den schwächsten Auftritt seit sieben Jahren. Worauf Michael Walchhofer monierte, es bewegten sich «einige aus dem Team in der Komfortzone. Ich meine damit, dass sie nicht an ihre Grenzen gehen.»

Reichelts Reaktion

Walchhofer wurde 2003 in St. Moritz Abfahrtsweltmeister, fiel als Athlet nie durch Wortmeldungen auf. Nun ist der Hotelier als Vizepräsident des Verbandes offensichtlich zum Lautsprecher mutiert. Was bei seinen Nachfolgern nicht gut ankommt. «Gescheiter wäre, wenn die alten Herren, die auf uns draufhauen, vernünftige Kritik äussern würden», liess Hannes Reichelt über eine Tageszeitung ausrichten.

Der Super-G-Weltmeister verkörperte bis zu seinem Abflug von der Hausbergkante Weltspitze. Wie durch ein Wunder blieb der Lauberhornsieger 2015 nahezu unverletzt, verarbeitet scheint der Sturz aber nicht zu sein. Am Weltcupfinal in St. Moritz belegte der 35-Jährige als drittbester seiner Equipe Rang 13. Vor ihm reihten sich Aufsteiger Vincent Kriechmayr (9.) und Romed Baumann (12.) ein; Otmar Striedinger (18.) und Klaus Kröll (20.) verpassen die Weltcuppunkte. Die Bilanz ist durchzogen; es fehlt das Spitzenergebnis.

Olympiasieger Matthias Mayer hatte sich beim Sturz in Gröden Brustwirbelbrüche zugezogen. Routinier Georg Streitberger erlitt in Kitzbühel einen Kreuzbandriss, Draufgänger Max Franz ist nach seinem Trainingsunfall auf der Streif eben erst zurückgekehrt. Wer die Situation analysiert und sich Walchhofers Aussagen vor Augen hält, kommt zum Umkehrschluss. Es scheint, als habe der eine oder andere seine Grenzen überschritten.

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