Schwitzen, kämpfen, hoffen

Mike Schmid, Skicross-Olympiasieger 2010, bereitet sich nach seinem fünften Kreuzbandriss in Magglingen auf sein Comeback vor. Schon bald soll ein Training auf Schnee möglich sein.

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Stephan Dietrich

Mike Schmid schwitzt. Der 30-Jährige schwingt in der Turnhalle in Magglingen am Barren hin und her. Später gibt es für den 193 Zentimeter grossen und 100 Kilogramm schweren Brocken Übungen im Schulterstand. Krafttraining ist angesagt. In den letzten Jahren hat der Skicross-Olympiasieger mehr Trainings in Turnhallen absolviert als auf Schnee. Im Moment bastelt er nach seinem fünften Kreuzbandriss im Knie an seinem x-ten Comeback herum.

Schmid hat Erfahrung mit Rehabilitation. Aus der Ruhe bringen lässt er sich sowieso nicht. Statt mit dem Schicksal zu hadern, äussert er sich positiv über den letzten Monat. Seit Mitte November trainiert er in Magglingen, vorher ist er seinem Beruf als Strassenbauer nachgegangen. Zum ersten Mal wird der Frutiger beim Aufbautraining von einem Konditionstrainer begleitet. Christian Szepessi ist seit dieser Saison bei Swiss-Ski angestellt und für die Skicrosser zuständig. Der 37-Jährige war bis zu seinem 12. Lebensjahr Kunstturner und bringt neue Elemente ins Krafttraining hinein.

«Am Barren kann Mike den Oberkörper trainieren, ohne sein Knie zu belasten»,sagt er. Gefördert würden zudem die Körperkontrolle, die Stabilisation des Oberkörpers und der Umgang mit Fliehkräften. «All diese Komponenten sind auch in einem Skicross-Rennen von Bedeutung.» Schmid hat Spass an den neuen Impulsen, als angehender Kunstturner sieht er sich dennoch nicht. «Als Alternative zum Skicross würde ich immer noch dem Fussball den Vorzug geben», sagt er lachend.

Für Mike Schmid ist der neue Konditionstrainer mit ein Grund, warum er überhaupt noch aktiv ist. «Christian hat ein grosses Wissen, er bringt Abwechslung ins Training. Und er gibt mir die Zuversicht, dass ich mein nächstes Comeback in optimaler Verfassung werde geben können.» Noch in diesem Monat möchte Schmid erstmals auf Schnee trainieren. Für einen Renneinsatz will sich der Oberländer hingegen Zeit lassen. Die Gesundheit geht vor.

Für Schmids fünften operativen Einsatz am Knie liessen sich die Ärzte Neues einfallen.Statt das Kreuzband mit körpereigenen Substanzen zu reparieren, setzten sie dem Rennfahrer ein Band eines Spenders ein. «Bis jetzt fühlt sich das Knie super an», lobt Schmid und hofft, dass es diesmal hält. Die Frage ist schon erlaubt, warum ein Athlet nach dermassen viel Verletzungspech nicht klein beigibt – und die Karriere beendet. «Vielleicht bin ich ein Spinner», antwortet Mike Schmid und schmunzelt.

Beweisen müsste der Olympiasieger von 2010 niemandem mehr etwas. Die Spekulation, dass er die Skicross-Szene als gesunder Fahrer dominiert hätte, sei erlaubt. Zumindest geben die Resultate der spärlichen Weltcupeinsätze in den letzten vier Jahren Anhaltspunkte in diese Richtung. Bei jedem Comeback konnte sich Mike Schmid jeweils auf Anhieb wieder in den vorderen Positionen einreihen. Im letzten Jahr zum Beispiel stieg er bereits in seinem zweiten Rennen wieder aufs Podest.

Mit Rang 3 in Kreischberg (Ö) konnte sich der Modellathlet in extremis für die Olympischen Spiele von Sotschi qualifizieren, wo er sich dann im Training den fünften Kreuzbandriss zuzog. «Ohne das Wissen, dass ich vorne mitmischen kann, würde ich mir das hier bestimmt nicht mehr antun. Aber so bleibt die Hoffnung, dass ich nochmals zurückkehren werde.»

Mike Schmid steht am Start, gleich wird er sich gegen seine drei Kontrahenten behaupten müssen. Wuchtig stösst er sich beim Starttor ab. Mit Stockeinsatz sorgt er für ideale Beschleunigung. Die Wellen auf der Piste schluckt er mit Leichtigkeit. In den Steilwandkurven ist er sowieso der Beste. Am wichtigsten aber ist, dass sein Knie auch die Belastung der weiten Sprünge aushält.

Noch ist dieses Szenario Wunschtraum, noch ist der Berner Oberländer für einen Renneinsatz nicht bereit. Geduld ist gefragt. Die Leistungswerte von Schmids Körper seien aber schon jetzt besser, als sie je waren, attestiert Konditionstrainer Christian Szepessi. Die Zuversicht ist bei Athlet und Betreuer gleichermassen gross. Die Schweisstropfen von Magglingen sollen nicht umsonst gewesen sein.

Berner Zeitung

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