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Rätseln im Davoser Schnee

Nathalie von Siebenthal (14.) und Dario Cologna (15.) bleibt nach dem Heim-Weltcup nur die Suche nach Antworten, warum sie den Konkurrenten hinterherlaufen.

Ratlos und enttäuscht: Nathalie von Siebenthal.
Ratlos und enttäuscht: Nathalie von Siebenthal.
Keystone

Bis zum Weltcup in Davos galt bei Dario Cologna: Es ist wie beim Leiterlispiel. Mal rauf mit der Form, dann wieder runter. Ausgerechnet in den letzten beiden Weltcups und damit auch daheim gehts in seinem Leiterlispiel aber nur noch abwärts: Über die 15 km Skating startete der Bündner für seine Verhältnisse defensiv, legte stark zu und baute dann noch stärker ab, womit ihm bloss der 15. Platz blieb. Dabei fehlten drei Grössen aus Norwegen, was sein Ergebnis noch schönte. Dass er darum sagte, «ich bin unzufrieden, habe mehr von mir erwartet», war so logisch wie konsequent.

Schliesslich kann es nicht sein Anspruch sein, sich von Athleten wie dem Briten Andrew Musgrave (10.), dem Schweden Jens Burman (12.) oder dem Franzosen Clément Parisse (14.) schlagen zu lassen. Sie sind zwar gute, aber keineswegs exzellente Langläufer ? wie Cologna eigentlich einer ist.

Dass er nun praktisch bei ­jedem Rennen zum Schluss hin abbaute, teilweise stark, ist das eine. Dass er im Davoser Schnee aber gar rätselte, warum die Form nicht stimmt, ist der andere, weitaus beunruhigendere Teil.

Die Wende an der Tour?

Denn wie soll Cologna im Training auf die Baisse reagieren, wenn er sie letztlich nicht erklären kann? Dass er sich in den vergangenen Wintern immer wieder in ähnlicher Situation befand, hilft ihm immerhin, relativ gelassen zu bleiben ? und darauf zu hoffen, dass die Formsteigerung schon noch kommt. Wobei ihm bis zum nächsten Highlight, der Tour de Ski, bloss knapp zwei Wochen bleiben. Ob er sich wie letzten Winter in dieser sehr kurzen Zeit in eine Siegerverfassung trainieren kann?

Damals war er ebenfalls dezent in den Weltcup gestartet und hatte just auf die Tour hin zu einer fast schon mirakulösen Gleitfähigkeit zurückgefunden. Wenn man Cologna am Sonntag reden hörte, war der Zweifel unschwer herauszuhören, ob ihm dieser Coup wirklich ein weiteres Mal gelingen kann. Im Vergleich zum Vorjahr scheint er den Gegnern nämlich noch ein Stück weiter hinterher zu sein als damals.

Die trostlose Schweiz-Bilanz

Während Cologna im Rückschlag zumindest äusserlich cool blieb, kämpfte Nathalie von Siebenthal nach ihrem 14. Platz mit den Tränen. Das 10-km-Rennen von Davos hätte für die Bernerin zum grossen Seelentröster werden sollen, nachdem sie mit Rängen teilweise fern der Top 15 in den Winter gestartet war.

Zumal Davos zu den Lieblingsrennen der 25-Jährigen zählt. Auf der Flüela-Strecke klassierte sie sich zuletzt als Fünfte (2017) und Sechste (2016). Verunsichert missriet ihr nun primär der Start. Auf Siegerin Therese Johaug büsste sie nach bloss 2,2 km bereits 40 Sekunden ein. Auf die «katastrophale erste Runde» reagierte sie mit einer ansprechenden zweiten, womit sie sich noch vom 37. Zwischen- auf den 14. Schlussplatz vorarbeitete.

Von Siebenthal aber denkt viel ambitiöser, möchte endlich erstmals in die Top 3 vorstossen. Schliesslich hatte sie sich in den letzten zwei Wintern den Besten sukzessive genähert. Ihr Auftritt liess sie darum schlicht ratlos und enttäuscht zurück. Im Gegensatz zu Routinier Cologna kennt sie solche Situationen noch nicht.

Insofern werden die nächsten Wochen zeigen, wie sie mit ­dieser Unberechenbarkeit des Spitzensports wird umgehen können. Denn Von Siebenthal kam gut über den Sommer und die Vorbereitung, war weder von Verletzungen noch Krankheiten geplagt ? und auch das Material stimmte bislang.

Für das beste Schweizer Ergebnis am Davoser Wochenende war darum Nadine Fähndrich besorgt. Die Sprinterin klassierte sich am Samstag als Siebte. Ein einziger Top-10-Platz der heimischen Mannen und Frauen ist dürftig und offenbart, wie bescheiden das Gesamtniveau mitunter ist, wenn es Dario Cologna nicht mit Erfolgen veredelt.

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