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«Nun gehöre ich richtig dazu»

Die 25-jährige Fabienne Suter, Siegerin dreier Weltcup-Rennen, spricht über Olympia, Selbstvertrauen und Idol Vreni Schneider.

Auf den Skiern draufgängerisch, abseits der Pisten zurückhaltend: Fabienne Suter möchte in St.Moritz ein gutes Bauchgefühl erlangen.
Auf den Skiern draufgängerisch, abseits der Pisten zurückhaltend: Fabienne Suter möchte in St.Moritz ein gutes Bauchgefühl erlangen.
Keystone

Je näher Olympia rückt, desto schneller scheinen Sie zu werden. Teilen Sie diesen Eindruck? Fabienne Suter: Im Super-G hatte ich von Beginn weg das Gefühl, es laufe gut. Das einzige, was bis am letzten Wochenende fehlte, war ein Podestplatz. In der Abfahrt ist die Entwicklung logisch, weil ich im Sommer kaum Trainingsmöglichkeiten habe und die ersten Rennen benötige, um mich heranzutasten.

Die Spiele in Vancouver sind Ihre ersten – was erwarten Sie von sich? Es ist das Ziel jedes Athleten, eine Medaille zu gewinnen. Voraussetzung dazu ist, dass es mir gelingt, das Drumherum auszublenden, die Lockerheit zu bewahren und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Darauf bin ich gut vorbereitet.

Der Sieg dürfte in Abfahrt und Super-G über Lindsey Vonn führen. Worauf beruht die Überlegenheit der Amerikanerin in den schnellen Disziplinen? Sie fährt gefühlvoll, macht kaum Fehler und ist in der Lage, von oben bis unten jene Linie zu halten, welche sie als schnellste betrachtet. Zudem profitiert sie vom Selbstvertrauen der Seriensiegerin. Sie weiss, dass sie ganz vorne dabei ist, wenn ihr ein durchschnittlicher Lauf gelingt.

Apropos Selbstvertrauen: Wie sieht es bei Ihnen aus? Im letzten Winter bin ich im Weltcup angekommen. Zuvor hatte ich oft das Gefühl gehabt, die Besten seien unantastbar. Wenn man dann ein oder zwei Rennen gewinnt, merkt man schnell, dass man sich nicht zu verstecken braucht. Nun gehöre ich richtig dazu.

Wie äussert sich das? Dominierende Fahrerinnen wie Lindsey und Maria (Riesch) kennen mich. Das fühlt sich schon anders an als früher – auch weil ich weiss, dass ich mir diesen Respekt im Schnee erarbeitet habe.

Lara Gut ist verletzt; ob Dominique Gisin schon wieder fähig sein wird, ihr Potenzial auszuschöpfen, steht in den Sternen. Ist der Druck im Hinblick auf Olympia grösser geworden? Nein, in diesem Winter haben wir trotz der Ausfälle mehrere Trümpfe in der Hand. Der Druck ist schön verteilt; jede, die in Whistler am Start steht, kann auf das Podest fahren.

Ehe Ihnen der Durchbruch gelang, waren Sie drei Jahre lang fast pausenlos verletzt gewesen. Was löst es in Ihnen aus, wenn eine Teamkollegin nach der andern im Spital landet? Wir wissen alle, auf was wir uns einlassen, aber im Moment spielt das Schicksal schon ein bisschen komisch mit uns. Verletzt sich eine, denkt man immer, es werde nun schwieriger, sich ans Limit zu begeben. Vor dem Start schaltet man diese Gedanken jedoch aus, dieser Prozess ist automatisiert.

Vreni Schneider bezeichnen Sie als Idol. Was fasziniert Sie an ihr? Ihre Menschlichkeit, diese hat mich schon als Kind beeindruckt. Und sie ist trotz all ihrer Erfolge sich selbst geblieben.

Stehen Sie mit ihr in Kontakt? Nein, ich kenne sie nicht persönlich. Einmal schrieb sie mir eine SMS, das hat mich enorm gefreut. Zu Ovo-Grand-Prix-Zeiten war sie einmal mit unserem Skiklub auf die Besichtigung mitgekommen. Ich war hin und weg, von der Strecke bekam ich so gut wie nichts mit. Vreni übergab damals auch die Medaillen, ich war Dritte geworden. Diesen Moment werde ich nie vergessen.

Schneider war in Slalom und Riesenslalom Weltklasse, für die Abfahrt fehlte ihr der Mut. Sie waren die Erste, die an einem Sommerevent Ihres Teams in Einsiedeln über die Skisprungschanze geflogen ist. Gibt es zwischen Schneider und Ihnen auch Parallelen? Als Kind hatte ich oft Heimweh, wenn wir unterwegs waren. Vreni war es ebenso ergangen, so steht es jedenfalls in ihrem Buch. Diese Erkenntnis war für mich enorm wichtig, weil ich fortan wusste, dass sie den Kampf gewonnen hatte und ich das Problem auch in den Griff kriegen würde.

Neben der Piste zurückhaltend bis bescheiden, auf der Strecke draufgängerisch – so könnte man Sie beschreiben. Gefällt Ihnen dieses Bild? Ich erkenne mich wieder (lacht). Der schönste Moment in unserem Sport ist jener, in dem man das Starthäuschen verlässt – das ist wie eine Erlösung. Nach dem ganzen Trubel ist man zwei Minuten auf sich gestellt, steckt die ganze Energie in den Lauf und erfährt im Ziel, wie gut man gewesen ist. Das ist Skifahren.

Ihr Freund, der Berner Schwinger Matthias Siegenthaler, ist im Sommer oft unterwegs, für Sie gilt das Gleiche im Winter... ...wir sehen uns nicht oft, das stimmt. Aber es ist schön und interessant, einen Partner zu haben, der weiss, wie ein Spitzensportler tickt. Gemeinsam trainieren können wir nur im Kraftraum und im Ausdauerbereich, doch wenn es dem einen nicht läuft, ist der andere in der Lage, die richtigen Worte zu finden.

Ihnen läuft es sehr gut. Was haben Sie sich für die drei Rennen in St. Moritz vorgenommen? Prognosen sind in St.Moritz heikel, weil der Wind immer mal wieder das Bild verzerrt. Für die Super-Kombination hält sich die Zuversicht in Grenzen, weil ich in diesem Winter den Rhythmus im Slalom noch nicht gefunden habe. In der Abfahrt würde ich gerne die Fahrt von Cortina (Suter belegte Platz 5; die Red.) bestätigen. Und im Super-G möchte ich dafür sorgen, dass ich mit einem guten Gefühl im Bauch nach Vancouver fliegen kann.

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