«Kann nicht runtergurken»

Fabienne Suter hat im ersten Abfahrtstraining die zweitbeste Zeit realisiert. Die 32-jährige Schwyzerin ist im Weltcup 20-mal aufs Podest gefahren – an einem Grossanlass noch nie. Sie spricht über Knie, Ski und ihre Zuschauerrolle im Super-G.

Fabienne Suter: «Es ist gut zu wissen, dass ich mithalten kann.»

Fabienne Suter: «Es ist gut zu wissen, dass ich mithalten kann.»

(Bild: Keystone)

Wie schmal der Grat zwischen Euphorie und Ernüchterung im Skisport sein kann, lässt sich am Beispiel von Fabienne Suter illustrieren. Im Weltcup hält die 32-jährige Schwyzerin bei vier Siegen und 20 Podestplätzen, an Grossanlässen steht sie nach acht Teilnahmen ohne Medaillengewinn da. Ganz bitter verliefen die Olympischen Spiele 2010 in Vancouver, Suter belegte die Ränge 4, 5 und 6. Vergangenen Winter kehrte sie nach einer Baisse an die Weltspitze zurück, wurde 5-mal Zweite; der erhoffte Sieg blieb aus. Im November erlitt sie in Lake Louise einen Meniskusriss, im Januar erfüllte sie in Garmisch-Partenkirchen mit Rang 7 in der Abfahrt auf den letzten Drücker die WM-Norm.

Am Mittwoch liess sie sich im ersten Abfahrtstraining auf der Engiadina die zweitbeste Zeit notieren, danach sprach sie über Gemütslage und Aussichten.

Wie haben Sie die Fahrt erlebt?Fabienne Suter: Einzelne Abschnitte sind mir gut gelungen, bei der Einfahrt in den Steilhang jedoch habe ich einen grossen Fehler gemacht.

Trotzdem sind Sie vorne dabei.Das ist beruhigend. Blöd wäre gewesen, wenn ich nun das Gefühl hätte, voll am Limit gewesen zu sein. Es ist gut zu wissen, dass ich mithalten kann.

Am letzten Weltcupfinal wurden Sie in der Abfahrt Zweite......das war aber auf der Männerpiste, ein cooles Rennen. Als ich hörte, dass wir nicht dort fahren werden, war ich enttäuscht. Aber die St. Moritzer haben gut gearbeitet, aus der früher nicht sonderlich anspruchsvollen Frauenstrecke viel herausgeholt. Es macht Spass, hier zu fahren.

Ist der zweite Rang vor allem fürs Selbstvertrauen wichtig?Gewiss, ich muss die Qualifikation fahren, vier Frauen kämpfen um drei Plätze – ich kann nicht einfach runtergurken. Ich musste mehr Gas geben als die Gesetzten und werde das Ergebnis deshalb sicher nicht überbewerten.

Es war zu vernehmen, Sie hätten Probleme mit der Skiwahl.Der Servicemann und ich sind immer noch auf der Suche. In ­Lake Louise war nicht nur der Meniskus, sondern auch mein Rennski kaputtgegangen. Das Knie haben die Ärzte wunderbar hingekriegt, den neuen Ski haben wir noch nicht gefunden.

Drei Ihrer vier Weltcupsiege ­realisierten Sie im Super-G, am Dienstag waren Sie nicht dabei. Wie fühlte es sich in der ­Zuschauerrolle an?Scheisse.

Demnach haben Sie das Rennen gesehen.Ich hatte lange überlegt, wie ich das angehen soll. Am Morgen war ich auf dem Berg, fuhr auf der Aufwärmpiste. Danach ging ich zurück ins Hotel, setzte mich auf den Hometrainer.

Und dann......sass ich im Zimmer, Mittagessen gab es erst um 12.30 Uhr. Ich hatte die Wahl, im 2-Minuten-Rhythmus über das Handy auf den Liveticker zu schauen oder halt den Fernseher anzustellen. Was ich dann auch tat – nur schon, damit ich Eindrücke von der Piste erhielt. Aber es war kein gutes Erlebnis.

Sie standen in St. Moritz viermal auf dem Podest, haben sieben Top-5-Plätze vorzuweisen. Sie hätten gute Argumente ­gehabt, einen Startplatz zu ­fordern.Natürlich hatte ich mir das im Herbst anders vorgestellt. Aber nun, Ende Januar, war ich im Super-G weit weg von der Norm, daher kam das für mich nicht infrage. Ich bin froh, wenn ich die Abfahrt bestreiten kann.

Das klingt sehr defensiv.Logisch will ich nicht einfach nur dabei sein. Aber ich muss zuerst einmal durch die Qualifikation. Ziel ist, mir ein Ticket zu sichern. Sollte dies gelingen, werde ich mir ein anderes Ziel setzen.

Es gibt in der Szene nicht wenige, welche die Ansicht vertreten, Suter sei für den Skisport zu lieb; es würden ihr die nötigen Ecken und Kanten fehlen. In der Abfahrt vom Sonntag werden die meisten Augen auf Lara Gut gerichtet sein. Was Suter entgegenkommt, Druck von aussen mag sie nicht. Spätabends teilte ihr Cheftrainer Hans Flatscher mit, dass sie sich dank ihrer Trainingsfahrt für das Rennen vom Sonntag qualifiziert hat. Wie Suters neue Zielsetzung aussieht, ist ungewiss. Klar ist, dass sie über das Potenzial verfügt, die ersehnte Medaille zu ­gewinnen.

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