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«Janka hat beim Riesenslalom nicht die volle Herzleistung»

Carlo Janka ist erst 24 Jahre alt und muss sich bereits einer Herzoperation unterziehen. Ärzte sprechen von einem Routineeingriff und sehen die Karriere des Skirennfahrers nicht in Gefahr.

Ausgepumpt: Carlo Janka fühlte sich nach dem Super-G in Garmisch-Partenkirchen kraftlos.
Ausgepumpt: Carlo Janka fühlte sich nach dem Super-G in Garmisch-Partenkirchen kraftlos.
Keystone

Einmal noch kehrt Carlo Janka diesen Winter zurück. Am Freitag bestreitet er in Garmisch-Partenkirchen den WM-Riesenslalom. Es ist sein letztes Rennen in dieser Saison – danach legt er sich wegen seiner Herzrhythmusstörungen unters Messer, wie er in seinem Blog auf «Skionline» nun definitiv bekannt gegeben hat.

Mit erst 24 Jahren unterzieht sich der Sportler damit einer Herzoperation. Was für den Laien auf den ersten Blick erschreckend tönen mag, ist für Sportärzte jedoch ein Routineeingriff. Es handle sich um die häufigste Herzkomplikation, die bei jungen Menschen auftreten würde, sagt Beat Villiger, ehemaliger Olympia-Chefarzt, gegenüber Redaktion Tamedia. Wenn sie einmal behoben sei, werde der Skirennfahrer nie mehr Probleme haben. Auch seine Sportkarriere sei nicht in Gefahr.

Eine bis zwei Stunden dauert in der Regel eine solche Operation, wie sie vermutlich auch dem Bündner bevorsteht. Beim Eingriff, der ambulant erfolgt, veröden die Ärzte entweder einen falschen Impulsgeber im Herzvorhof oder die Leitung zwischen Vorhof und Herzkammer, welche die Probleme auslöst. In der Regel verfüge der Mensch über nur eine Bahn zwischen Vorhof und Kammer, manche Personen hätten aber von Geburt an zwei oder drei Leitungen, was zu zusätzlichen Impulsen und Störungen führen könne, sagt der Arzt. Die Verödung einer solchen zusätzlichen Bahn sei die übliche Behandlungsmethode. «Der Eingriff wird sehr häufig und an allen Elektrophysiologie-Labors durchgeführt», sagt auch Corinna Brunckhorst, Herzspezialistin und Co-Leiterin für Rhythmologie am Universitätsspital Zürich, gegenüber der NZZ. Das Risiko sei gering, die Heilungschance betrage über 95 Prozent.

Eine Behandlung mit Medikamenten geht nicht

Herzrhythmusstörungen könne man zwar auch medikamentös behandeln, sagt Villiger. Weil aber Medikamente die Leistungsfähigkeit der Herzpumpe beeinträchtigen würden, komme bei Profisportlern nur die Operation infrage. Vier bis sechs Wochen dürfe der Sportler nach dem Eingriff keinen Sport treiben. «Deshalb müssen Profisportler bis nach der Saison mit der Operation warten», sagt Villiger.

Unklar ist indessen noch, was die Herzrhythmusstörungen bei Janka überhaupt ausgelöst hat. Möglicherweise handle es sich um die Spätfolgen des mysteriösen Virus, das den Skirennfahrer seit zwei Jahren plage, spekulierten die Medien in den vergangenen Tagen. Das Virus könnte zum Beispiel im Bereich der Vorkammer zu einer Veränderung geführt haben, erklärt Villiger. Unter Umständen könnte eine Narbe zurückgeblieben sein, die nun einen Impuls auslöse.

Janka will noch einmal alle Kräfte mobilisieren

Laut NZZ hatte man beim Olympiasieger bereits im vergangenen Frühling festgestellt, dass der Herzrhythmus rasch nach oben schnellte. Die Störungen habe man aber nicht erkannt, weil sie nur in wettkampfnahen Stresssituationen auftreten würden. Messungen Anfang Januar in Adelboden hätten dann Erstaunliches gezeigt, berichtet die Zeitung. Nach einem Lauf sei der Puls von Janka bis zu 40 Minuten lang bei 180 geblieben, danach habe er sich plötzlich normalisiert.

Dass er beim Riesenslalom in Garmisch-Partenkirchen gesundheitliche Probleme haben könnte, glaubt Janka dagegen nicht. «Ich bin zuversichtlich, dass ich das kräftemässig gut durchstehe. Schliesslich wird das nicht anstrengender sein als ein Weltcuprennen, und da hatte ich vor zehn Tagen in Hinterstoder ja auch keine Probleme», schreibt er auf seinem Blog.

Auch der ehemalige Olympia-Chefarzt Villiger erachtet Jankas Start als unbedenklich. «Carlo Janka hat zwar nicht die volle Herzleistung, doch der Riesenslalom ist völlig unbedenklich, zumal es sich um eine technische Disziplin handelt, die den Körper nicht so sehr fordert wie ein Super-G oder eine Abfahrt», sagt er.

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