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Herr der Lüfte

Der Brienzer Freeskier Jonas Hunziker blickt auf seine bislang beste Saison zurück. Aufgefallen ist der 23-Jährige während der Olympischen Spiele auch abseits der Piste.

Posieren? Wie banal! Jonas Hunziker legt während des Fototermins rasch einen ­Salto hin.
Posieren? Wie banal! Jonas Hunziker legt während des Fototermins rasch einen ­Salto hin.
Patric Spahni
Der 23-jährige Brienzer machte mit dem Rolltreppen-Video von Teamkollege Fabian Bösch während der Olympischen Spiele von sich reden.
Der 23-jährige Brienzer machte mit dem Rolltreppen-Video von Teamkollege Fabian Bösch während der Olympischen Spiele von sich reden.
Patric Spahni
Stilvoll im Slopestyle-Parcours: Hunziker in Aktion.
Stilvoll im Slopestyle-Parcours: Hunziker in Aktion.
Keystone
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Darum dürfte ihn so manch renommierter hiesiger Filmemacher beneiden. Jonas Hunziker hat ein Video gedreht, das sich weit über eine Million Menschen angeschaut haben. Der im Feb­ruar an den Olympischen Spielen in Südkorea entstandene Clip, der seinen Teamkollegen Fabian Bösch dabei zeigt, wie er sich am Geländer einer Rolltreppe hält, während diese hochfährt, stammt vom Berner Oberländer.

Viel Fun neben der Piste: Schweizer Freestyler wissen sich selber zu unterhalten. (Video: Tamedia)

Die Aufnahme ging sogenannt viral, sie wurde also im Nu verbreitet, und in der Skifahrerin Lindsey Vonn gewannen die Schweizer Freestyler mit der Einlage eine prominente Anhängerin. Sie müsse diesen Typen unbedingt kennen lernen und den Stunt ausprobieren, schrieb die ausgesprochen Social-Media-affine US-Amerikanerin. Auf Instagram hatte Bösch das Dokument platziert, allein dort ist es in­zwischen 930 000-mal angeklickt worden. Auf der Foto- und Videoplattform vervierfachte sich die Followerzahl des Aargauers, seine Gefolgschaft zählt mittlerweile über 80 000 Leute. Freilich profitierte auch der im Clip erwähnte und verlinkte Hunziker vom Hype; um rund 33 Prozent ist die Anzahl Personen, welche regelmässig sehen, was er tut, gestiegen.

Ein Profil zu haben auf Kanälen wie Instagram, ist ja unumgänglich geworden für Sportler, Musiker, Models und Menschen, die gleichfalls berühmt werden möchten. Als potenzieller Werbeträger allein durch Ergebnisse zu punkten, reicht längst nicht mehr, seit sich derlei Player etabliert haben. Hunziker weiss das. Er sagt, ihm und seinen Teamkollegen sei sehr wohl bewusst gewesen, dass die Olympischen Spiele gewissermassen eine Plattform böten.

Der 23-Jährige bezeichnet sich als Vertreter einer Randsportart, und er sagt, mit Aktionen wie diesen könne man auf sich aufmerksam machen. Dem Brienzer geht es dabei nicht so sehr um ihn, sondern vielmehr um die Szene, die er mitrepräsentiert und die zwar zunehmend grosse Beachtung erfährt, aber nicht jenen Stellenwert besitzt, den sie verdiente.

«Oft fällt uns spontan etwas ein»

Die Schweizer Freestyler werden spätestens seit besagtem Video gerne auf ihre aufregenden Filme reduziert. Hunziker erzählt, dies störe ihn nicht. Er hält aber fest, dass das Drehen der Clips im Alltag maximal eine Randerscheinung sei, keinesfalls im Zentrum stehe. «Oft fällt uns spontan etwas ein. Ein Konzept haben wir nicht.» In seinen Sponsorenverträgen existierten auch keine Inhalte, nach denen er dazu verpflichtet sei, regelmässig bestimmte Aufnahmen zu machen.

Der 23-Jährige wirkt entspannt, als er Anfang Woche in einem Restaurant am Thunersee Auskunft gibt. Die Wettkampfsaison 2017/2018 des Profisportlers ist eben zu Ende gegangen, hinter dem Slopestyle- und Big-Air-Athleten liegt der wohl bisher beste Winter seiner Karriere. Hunziker erreichte zig Topklassierungen, er qualifizierte sich für die Olympischen Spiele, womit er sich einen Kindheitstraum erfüllte, und belegte in Pyeongchang Rang 10. Aus Platzierungen mache er sich nicht viel, erzählt der Brienzer. «Im Vordergrund steht, dass ich mit dem, was ich dargeboten habe, ­zufrieden bin. Und das war in Südkorea der Fall.»

«Probieren wir einen Trick aus, tasten wir uns heran, sodass es sich nicht wie ein Wagnis anfühlt, wenn wir ihn machen.»

Jonas Hunziker

Das sind bemerkenswerte Worte eines Leistungssportlers. Sie passen zu Hunziker, einem bodenständigen, vielschichtigen Menschen, dessen Horizont weit über den Parcours hinausreicht. Der Maturand ist belesen, er beschäftigt sich mit der psychologischen Komponente des Athletendaseins und nimmt Hilfe eines Mentalcoachs in Anspruch. Er war schon bungee- und klippenspringen, er ist leidenschaftlicher Gleitschirmflieger und tut auf den Skiern Dinge, die verblüffen. Als besonders mutig bezeichnet er sich trotz all dem nicht. «Es ist zentral, das Risiko managen zu können. Probieren wir einen Trick aus, tasten wir uns heran, sodass es sich nicht wie ein Wagnis anfühlt, wenn wir ihn machen.»

Der Berner Oberländer geniesst nach einer strapaziösen Saison ein paar ruhige Tage. Im Fall des Bewegungsmenschen bedeutet dies: draussen sein, in die Berge gehen, Skitouren machen. Ein Überflieger braucht eben ­Höhenluft.

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