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Heinzelmännchen und Heisssporn

Ein ernster Sieger aus Slowenien, ein gefeierter Heilsbringer aus Österreich und ein nimmermüder Stangenakrobat aus Frankreich – etwas andere Geschichten aus zwei Rennen in Adelboden.

Philipp Rindlisbacher, Marco Oppliger

Zan Kranjec, der stille Geniesser

Zan Kranjec fährt im Riesenslalom allen davon. (Bild: Christian Pfander)
Zan Kranjec fährt im Riesenslalom allen davon. (Bild: Christian Pfander)

Er sitzt da und verzieht kaum eine Miene. Doch dann sagt Zan Kranjec nach seinem Sieg im Riesenslalom am Chuenisbärgli: «Vielleicht zeige ich es nicht, aber ich bin sehr glücklich.» Der Erfolg des Slowenen ist irgendwie logisch. Weil kein anderer in dieser Saison so konstant fährt wie er. Im vierten Rennen feiert er den dritten Podestplatz – und den ersten Sieg. Kranjec ist einer jener Fahrer, die das Vakuum füllen wollen, das mit dem Rücktritt von Dominator Marcel Hirscher entstand. Er sagt: «Nun gelingt es mir fast in jedem Rennen, mein Bestes abzurufen. Das war vorher nicht immer der Fall.»

Hans Pieren, der König von Adelboden

Seine Leute haben die Piste bestens präpariert: Hans Pieren. (Bild: Sven Thomann/freshfocus)
Seine Leute haben die Piste bestens präpariert: Hans Pieren. (Bild: Sven Thomann/freshfocus)

Im Prinzip lässt sich alles, was bereits über ihn geschrieben oder gesagt wurde, auf eine Aussage reduzieren: ohne Hans Pieren keine Weltcup-Rennen in Adelboden. Trotz Dauersonne bekam der Rennleiter mit seinem Team einmal mehr eine tadellose Piste hin. Wahrscheinlich war die Unterlage so gut wie noch nie. Im Riesenslalom schafften es fünf Athleten mit Startnummern über 50 in den 2. Lauf. Im Slalom gelang Atle Lie McGrath gar das Kunststück, mit der 75 (!) auf Rang 14 vorzudrängen – ehe er im zweiten Lauf ausscheiden sollte. Das ist Beleg für Pierens Arbeit. Und ein Schlag ins Gesicht für Justin Murisier. Der grippegeplagte Walliser beklagte sich vor dem Riesenslalom über die Unterlage. «Wenn ich sehe, was unsere Trainer manchmal in zwei Tagen für eine Piste hinkriegen, denke ich, es wäre mehr möglich gewesen.»

Henrik Kristoffersen, der vermeintliche Nachfolger

Henrik Kristoffersen hadert wieder einmal. (Bild: Christian Pfander)
Henrik Kristoffersen hadert wieder einmal. (Bild: Christian Pfander)

Wie haderte Henrik Kristoffersen doch mit der Dominanz von Marcel Hirscher. Egal wie gut der Norweger fuhr, der Österreicher war meistens einen Tick besser. In Adelboden sagte Kristoffersen einmal, man könne mit ihm über alles sprechen – ausser über Hirscher. Nun wäre der Weg im Prinzip frei gewesen für Kristoffersen. Aber mit der neuen Rolle konnte sich dieser noch nicht so recht anfreunden. In Adelboden patzt er in beiden Rennen, «weil wir während des ganzen Wochenendes Mühe hatten, das richtige Setup zu finden». Und darüber regt sich der Heisssporn fürchterlich auf. Trotzdem steht Kristoffersen zweimal auf dem Podest – und ist Leader im Gesamtweltcup.

Daniele Sette, der Mann für alles

Daniele Sette holt mit 27 erstmals Weltcup-Punkte. (Bild: Christian Pfander)
Daniele Sette holt mit 27 erstmals Weltcup-Punkte. (Bild: Christian Pfander)

Keiner hatte das erwartet, nicht mal er selbst. Mit Nummer 51 fuhr Daniele Sette im ersten Riesenslalom-Lauf auf Rang 13. Der Sohn eines aus Italien eingewanderten Tennislehrers, der infolge eines Sturzes in zwei Fingern kein Gefühl hat, der den einen Daumen kaum drücken kann. Der mit 27 erstmals in einem Kader von Swiss-Ski steht, zuvor 12 Jahre lang auf sich gestellt war. Das ging so: Sette buchte die Reisen, besorgte die Verpflegung, präparierte die Ski, steckte Tore für Trainingsläufe, machte Videoanalysen, gab Skiunterricht. Statt Ski zu testen, suchte er Sponsoren. Und schlief auf dem Sofa von Konkurrenten, um Geld zu sparen. Er sagt: «Ich war mein eigenes Heinzelmännchen.»

Um in den Startlisten etwas vorzurücken, fuhr der 168 Zentimeter kleine Bündner Rennen in Australien und Neuseeland. Und immer mal wieder fragte er sich: «Was mache ich hier eigentlich?» Nach Platz 19 und den ersten Weltcup-Punkten weiss er: «Mein Kampf hat sich gelohnt.»

Julien Lizeroux, der junge Alte

«Jung im Geist»: Der 40-jährige Julien Lizeroux (Bild: Archiv/Christian Pfander)
«Jung im Geist»: Der 40-jährige Julien Lizeroux (Bild: Archiv/Christian Pfander)

Vor 20 Jahren gab er sein Weltcup-Debüt, vor 10 Jahren gewann er den Adelbodner Slalom. Nun ist Julien Lizeroux 40 – und 21 Jahre älter als einige Konkurrenten. Halbwegs mithalten kann er noch immer, gestern wird er 25. Und sagt: «Ich bin jung im Geist. Ich bin kein Opa.»

Lizeroux, mit der zweifachen Riesenslalom-Weltmeisterin Tessa Worley liiert, hat nicht nur gute Erinnerungen ans Oberland: Sein älterer Bruder verstarb in der Jungfrau-Region bei einem Basejumping-Unfall. Der Oldie im Skiweltcup denkt noch nicht ans Aufhören. «Zusammengerechnet war ich wohl fünf Jahre lang verletzt. Ich habe noch einiges aufzuholen.»

Marco Schwarz, der Erlöser

Neuer Österreichischer Hoffnungsträger: Marco Schwarz. (Bild: Alexis Boichard/Getty Images)
Neuer Österreichischer Hoffnungsträger: Marco Schwarz. (Bild: Alexis Boichard/Getty Images)

Das muss man sich mal vorstellen: Im Winter 1992/1993 blieben die Österreicher letztmals ohne Sieg im Riesenslalom, in der Saison davor gingen sie letztmals im Slalom leer aus. Doch nun scheint die Krise ausgebrochen zu sein. Natürlich, Marcel Hirscher hat Adieu gesagt, der Adelbodner König und Dauersieger mit neun Erfolgen. Die Untertanen aber tun sich schwer, aus den ersten acht Technik-Rennen in diesem Winter resultierte kein Podestplatz. Im gestrigen Slalom jedoch wird Marco Schwarz Dritter. Er spricht von einer «Erlösung für alle». Und sagt: «Die heftige Kritik wird uns nicht fertig, sondern stärker machen!»

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