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Gladiator im Glück

Sportredaktor Micha Jegge zum Rennen in Kitzbühl.

Dominik Paris ist nicht nur ein gemütlicher, sondern auch ein aufrichtiger Zeitgenosse. Die Aussage, wonach sein Glück das Pech von Beat Feuz gewesen sei, spricht für sich. Wäre die verflixte kleine Welle nach der Hausbergkante nicht gewesen, hätte der Emmentaler den Klassiker für sich entschieden – er war an diesem Samstag der Beste.

Aus neutraler Perspektive hingegen fällt es schwer, Feuz als Pechvogel zu bezeichnen. Die Streif gilt als gefährlichste Abfahrtsstrecke im Weltcup, das Rennen ist mehr als ein Wettkampf. Offiziell will niemand Stürze sehen, effektiv ist das Interesse just wegen der Sturzgefahr exorbitant hoch. Der Mythos Kitzbühel ist eng mit den Unfällen von Scott Maccartney, Daniel Albrecht, Hans Grugger und Konsorten verbunden. Die Rennfahrer, verwegene Draufgänger, stellen sich dem grenzwertigen Kampf mit dem Berg; Millionen schauen hin. Was vermutlich nicht mehr der Fall wäre, wenn die prekären Stellen ­allesamt entschärft würden. Es liegt nicht grundfalsch, wer Parallelen zum Gladiatorentum der Antike zu erkennen glaubt.

Axel Naglich, in Kitzbühel als Rennleiter im Einsatz, plädiert im Zusammenhang mit den Stürzen seit Jahren für einen ehrlicheren Umgang. «Eigentlich ist es erstaunlich, dass es hier noch nie einen Toten gegeben hat», hielt er am Donnerstag im Gespräch mit einem österreichischen Journalisten fest. Feuz, der Leidgeprüfte, welcher an seiner Geschichte längst zerbrochen wäre, wenn er sich als Pechvogel betrachten würde, darf sich einmal mehr als Glückspilz fühlen. Weil er ohne erwähnenswerten Schaden davongekommen ist.micha.jegge@bernerzeitung.ch

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