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Fehlende Wertschätzung: Swiss-Ski fliegt der Cheftrainer davon

Die Ära von Martin Rufener als Cheftrainer der Schweizer Skifahrer geht im Frühling zu Ende, da er sich mit dem Verband nicht einigen konnte.

Heu nicht mehr auf der gleichen Bühne: Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann und Cheftrainer Martin Rufener.
Heu nicht mehr auf der gleichen Bühne: Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann und Cheftrainer Martin Rufener.
Keystone

Der 51-jährige Berner Oberländer Martin Rufener hat sich mit Swiss-Ski nicht über eine Vertragsverlängerung einigen können und wird Geschäftsführer des Flugunternehmens Swiss Jet.

Eine Rückkehr in die Privatwirtschaft war für Rufener schon länger eine Zukunftsoption. Nach der äusserst erfolgreichen Olympia-Saison hatte der Familienvater zwar für einen weiteren Winter zugesagt, alles andere aber offengelassen. In den letzten Wochen und Monaten verhandelten Swiss-Ski und Rufener erfolglos über eine Ausdehnung des Engagements bis zu den nächsten Winterspielen 2014 in Sotschi.

Fehlende Wertschätzung

«Ich wollte, dass schon Ende Oktober klar ist, wie es nach dieser Saison weitergeht», sagte Rufener gestern Abend. «Ich hatte vom Verband aber erst einen Monat später ein Angebot auf dem Tisch.» Gemäss Rufener bot ihm Swiss-Ski einen Vertrag mit nur noch drei statt sechs Monaten Kündigungsfrist an. Rufener interpretiert das als fehlende Wertschätzung. «Es ist aber nicht der einzige Punkt, der den Ausschlag gegeben hat. Letztlich haben sich einige Details summiert.»

Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann stellt den Fall ganz anders dar. «Martin Rufener hat einen befristeten Arbeitsvertrag, der am Ende dieser Saison ausläuft. Wir haben schon vor zwei Jahren zusammen abgemacht, dass danach auch er einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit drei Monaten Kündigungsfrist erhalten soll.» Zudem habe die neue Offerte im Gegensatz zum alten Kontrakt einen Kündigungsschutz in den Monaten August bis November enthalten. Gemäss Lehmann ist Rufener der mit Abstand teuerste Angestellte des Skiverbandes. Wenn Lehmann sagt, die drei Monate würden 60'000 Franken ausmachen, heisst das, dass Rufener pro Jahr rund 240'000 Franken verdient.

Uneinigkeit zwischen Trainer und Präsident

Das Dossier Rufener wurde auf der Ebene Präsidium behandelt. Ansonsten gehören solche Vertragsverhandlungen in den Aufgabenbereich der operativen Führung. Doch dass Rufener das Heu mit Lehmann nicht mehr auf der gleichen Bühne hat, merkte man spätestens am Ende der letzten Saison. Rufener stellte finanzielle Forderungen, um die Betreuung seiner Teams optimieren und eine zusätzliche Trainingsgruppe bilden zu können. «Wir haben sämtliche Forderungen Rufeners für die Mannschaft erfüllt. Doch er wollte den Fünfer und das Weggli», sagte Lehmann. Sprich: Zu persönlichen Zugeständnissen soll Rufener nicht bereit gewesen sein.

Rufener hat sich seinen Sonderstatus im Skiverband verdient. Nachdem er 2004 die Nachfolge von Karl Frehsner angetreten hatte, erlebte er in der ersten Saison zwar die Schmach medaillenloser Weltmeisterschaften in Bormio. Danach ging es mit den Schweizer Männern aber stetig bergauf, bis zur vorläufigen Krönung im letzten Winter mit zwei Olympiasiegen (Didier Défago und Carlo Janka) sowie dem Weltcup-Gesamtsieg von Janka als Highlights.

Nun kehrt Rufener zu seiner zweiten beruflichen Liebe zurück, bleibt in seinem neuen Job aber mit dem Skisport verbunden. Das private Flugunternehmen Swiss Jet, für das er als Geschäftsführer arbeiten wird, ist vor dieser Saison einen Deal mit der Sportmanagement-Agentur GFC (die zur Hälfte Urs Lehmann gehört...), eingegangen. Swiss Jet bietet Cracks wie Carlo Janka bei Bedarf Lufttransporte an, damit sie beim dichten Rennprogramm nicht unnötig Energien mit langen Autofahrten verschwenden.

Bevor Rufener Swiss-Ski-Cheftrainer wurde, war er als Betriebsleiter der Berner Oberländer Helikopter AG tätig. Als Trainer hatte der gelernte Automechaniker zuvor vorwiegend in Nordamerika gearbeitet. Nach der Rückkehr in die Schweiz Anfang der Neunzigerjahre liess sich Rufener zum Helikopter-Piloten ausbilden. Ein Engagement bei Swiss Jet war gemäss Rufener schon vor den Winterspielen in Vancouver ein Thema. «Nachdem sich die Verhandlungen mit dem Skiverband immer mehr in die Länge zogen, wollte ich meinen neuen Arbeitgeber nicht länger hinhalten.» So muss sich Swiss-Ski nun auf die Suche nach jenem Mann machen, der die erfolgreiche Arbeit von Rufener weiterführt.

si

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