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Dünne Helden der Ästhetik

Die jungen Skispringer bei der Junioren-WM in Kandersteg sind waghalsige Typen, weil sie sich über Schanzen wagen, die allein durch ihre Steilheit Angst einflössen. Der Gstaader Sandro Hauswirth überzeugt mit Rang 13.

Ästhet in der Luft: Der Gstaader Sandro Hauswirth bei der Junioren-WM in Kandersteg.
Ästhet in der Luft: Der Gstaader Sandro Hauswirth bei der Junioren-WM in Kandersteg.
Daniel Teuscher

Skispringer sind waghalsige und mutige Kerle. So richtig gewahr wird dies dem Laien jedoch erst, wenn er eine Grossschanze aus nächster Nähe be­äugen kann. Allein der Anlauf mutet höchst beeindruckend an. Diese Neigung, diese brutale Steilheit. Und die enge, eisige Anlaufspur in luftiger Höhe: Wer da freiwillig runterdonnert, ist per se ein kleiner Held.

So wie das 17-jährige Gstaader Talent Sandro Hauswirth, das bei der Junioren-WM in Kandersteg unweit von seinem Zuhause auf einer Schanze, die er gut kennt, insgeheim auf einen Exploit im Nachtspringen hofft. Doch die Konkurrenz ist äusserst stark und teilweise auch erprobt im Weltcup. Mit dem Slowenen Domen Prevc steht sogar ein vierfacher Weltcupsieger am Start.

Kurz bevor es eindunkelt, lugt in Kandersteg die Sonne hervor, taucht die Winterlandschaft in ein wunderbar kitschiges Licht. Keine zehn Minuten zuvor hatte noch dichter Nebel geherrscht, der die Sicht einschränkte. «Hier in Kandersteg und in den Bergen allgemein kann das Wetter schnell wechseln», erklärt die Medienverantwortliche Doris Kallen.

Die Einheimische kennt die Wetterkapriolen aus dem Effeff. Der Beweis: Nur kurze Zeit später umhüllen erneut dicke Nebelschwaden den Zielbereich, ehe wenig später unmittelbar vor dem Start der Knabenkonkurrenz wie von Zauberhand doch wieder klare Sicht herrscht.

Die besten Skispringer der Welt sind dünne Kerle, die das Wort Fett wohl nur vom Hörensagen kennen. «Je weniger Gewicht, desto besser», erklärt ein finnischer Betreuer im Zielbereich salopp. Böse Zungen bezeichnen die Flieger deshalb mitunter auch etwas despektierlich als «Milchbubis».

Kurz nach 18 Uhr begeben sich die ersten Nachwuchsathleten zum Probedurchgang an den Start. Und obgleich sie nach der Landung im Zielbereich in ihren engen Skianzügen wie Striche in der Landschaft wirken: Der Respekt und die Hochachtung des Laien vor den Fliegern ist gewachsen. Wie die jungen Männer furchtlos und mit einer tollen Ästethik in die Winternacht springen, nötigt Respekt ab. Grosses Kino, das die dünnen Kerle da abliefern.

Lokalmatador Hauswirth geht beim Probesprung über die Lötschbergschanze kein Risiko ein. Sicher landet Hauswirth seinen Flug, belegt den 15. Rang, der auch seinen Trainingsleistungen entspricht. Der Gstaader, der in dieser Saison im Alpencup, einer Wettkampfserie für U-20-Athleten, ausnahmslos Top-10-Plätze belegte, aber noch nie im Weltcup gestartet ist, strahlt Zuversicht aus. Martin Rolli, Chef Skisprung beim Berner Oberländischen Skiverband, dämpft jedoch zu grosse Erwartungen: «Ein Platz in den Top 15 wäre ein gutes Resultat, ein Rang in den Top 10 wäre sehr gut.»

Als es für Hauswirth, der zu den jüngsten Teilnehmern gehört, ernst gilt, werden im Zielraum Schweizer Flaggen geschwenkt. Die Motivation wirkt, Hauswirth gelingt mit 93 Metern ein guter Sprung, der ihm wie im Probedurchgang Zwischenrang 15 von über 60 Athleten einbringt. Auch im zweiten Durchgang halten die Nerven, Hauswirth springt auf 97 Meter, verbessert sich auf Rang 13. Sieger wird der Norweger Marius Lindvik, der sich be­reits im Weltcup einen Namen machte, Favorit Prevc landet auf Rang 10.

«Ich bin zufrieden, auch wenn ich im ersten Durchgang zu spät absprang und einige Meter verlor.» Als einer der Jüngsten im Feld bot der Gstaader einen sehr passablen Wettkampf. Ein kleiner Held ist er schon per se – er besitzt aber sogar das Potenzial, dereinst ein grosser Held seiner Zunft zu werden.

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