«Die Spontanität ist verloren gegangen»

Momentan trainiert Kombinationsweltmeister Luca Aerni mit der Slalomgruppe auf den Walliser Gletschern, im August fliegt er ins Sommercamp nach Neuseeland. Der 24-Jährige aus Grosshöchstetten spricht über die Folgen seines Triumphs und einen Abstecher nach Südkorea.

«In Bern drehen sich die Leute nicht um, wenn sie mir begegnen», so Luca Aerni.

«In Bern drehen sich die Leute nicht um, wenn sie mir begegnen», so Luca Aerni.

Wie fühlt sich der erste Sommer als Weltmeister an?Luca Aerni: Das Konditionstraining ist nicht angenehmer geworden, die Termine haben zu­genommen. Das ist zwar schön, aber auch etwas gewöhnungs­bedürftig.

Wie meinen Sie das?Ich muss präziser planen, damit nichts zu kurz kommt. Das gilt vor allem für die Regeneration, aber auch für das Privatleben. Nehmen wir als Beispiel meine Freundin: Ich sehe sie nicht weniger als früher, aber wir müssen nun jeweils im Voraus abmachen. Die Spontanität ist verloren gegangen.

Weil Sie von einem guten Skifahrer zu einer in der Öffentlichkeit stehenden Persönlichkeit geworden sind?Eher wegen der Sponsoren- und Medientermine. Ich glaube nicht, dass sich bei der Bekanntheit sehr viel verändert hat. In Bern jedenfalls drehen sich die Leute nicht um, wenn sie mir begegnen. Oder ich merke es zumindest nicht.

Gehen Ihnen die Bilder und Emotionen von St. Moritz gelegentlich durch den Kopf?Sie kommen schon hin und wieder hoch. Das ist schön – und kann auch hilfreich sein.

Inwiefern?Wenn im Intervalltraining dreiminütige Sequenzen anstehen, du dich nach zwei Minuten völlig platt fühlst und an St. Moritz denkst, dann wird dir sofort bewusst, warum es sich lohnt, eine weitere Minute lang auf die Zähne zu beissen.

Haben Sie sich für Ihren Triumph belohnt?Ja, ich habe mir Surfferien gegönnt und eine Drohne gekauft.

Drehen Sie Filme?Nur zum Vergnügen. Es gibt wirklich gute Aufnahmen, vor allem vom Skifahren, das ist eine coole Sache. Die Drohne ist aber vor allem ein Spielzeug . . .

. . . für den grossen Buben?Genau.

Sie haben bewiesen, dass man Weltmeister werden kann, ohne auf einem Weltcuppodest gestanden zu sein. Gibt es sonst noch eine Erkenntnis, die Sie aus dem letzten Winter ge­wonnen haben?Ich wäre lieber nach ein paar Podestplätzen Weltmeister geworden. (überlegt) Die Erkenntnis ist: Ich muss es nehmen, wie es kommt – nicht hadern, sondern immer weiterkämpfen. Ohne die Fehler in der Kombinationsabfahrt hätte ich den Slalom nicht als Erster bestreiten dürfen; die Ausgangslage wäre kaum so gut gewesen.

Nach der WM-Saison ist vor dem Olympiawinter – wie bereiten Sie sich vor?Ähnlich wie im letzten Sommer; es gibt keinen Grund, vieles zu verändern. Die Anzahl der Riesenslalom- und der Slalom-Schneetage sind gleich hoch geblieben und halten sich die Waage. Dazu kommen ein paar Tage auf den Abfahrtsskiern, damit ich vor der ersten Kombination nicht mehr ganz unten beginnen muss.

Ende März, nach dem Weltcupfinal in den USA, reisten Sie mit Ihren Kollegen aus der Slalomgruppe direkt nach Pyeongchang. Wie haben Sie das Olympiagelände in Südkorea erlebt?Wir waren nur drei Tage lang dort, bestritten dabei zwei FIS-Slaloms (Aerni wurde einmal Zweiter und schied einmal aus; die Red.). Die Unterkünfte für die Sportler waren noch im Bau, rundherum stand ebenfalls noch nicht allzu viel.

Wie beurteilen Sie die Strecke?Der Slalomhang ist oben steil und unten flach; anspruchsvolle, wellige Übergänge gibt es keine. Wer das Olympiarennen gewinnen will, muss angreifen und darf sich keinen Fehler erlauben.

Was haben Sie am dritten Tag gemacht?Wir besichtigten die Abfahrtsstrecke. Es handelte sich zwar nur um freies Skifahren inmitten von Touristen, die Erkenntnisse sind für mich aber fast noch ­wichtiger als jene aus den beiden Slaloms. Ich habe gesehen, dass es auf dieser Piste Sprünge, aber keine technischen Höchstschwierigkeiten gibt. Das kommt mir entgegen.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt