Der Kopf kaschiert die körperlichen Schwächen

Sportredaktor Micha Jegge zum WM-Abfahrtssieg von Beat Feuz.

Erfolg im Sport beruht auf Kopf und Körper. Im Fall von Beat Feuz lässt sich nicht von einer ausgewogenen Mischung sprechen. Der Körper ist lädiert, das linke Knie elffach operiert. Sitze er länger als fünf Stunden am Stück im Auto, fühle sich das Knie «wie bei einem 90-Jährigen» an, hielt er vor ein paar Monaten fest.

Die Ursachen finden sich in der Jugend respektive der fehlenden Bereitschaft, dem physischen Training die nötige Beachtung zu schenken. Ein Teamkollege aus Regionalkaderzeiten liess unlängst verlauten, Feuz sei während des Krafttrainings in der Regel im Hotelzimmer geblieben und habe «seine Haribos» gegessen.

Was der Kopf zu leisten vermag, ist phänomenal. Rückschläge steckt Feuz weg, in dem er das Negative ausblendet, immer das halb volle Glas sieht, sich am nächstmöglichen Ziel orientiert und seinem Instinkt vertraut. Nach dem WM-Super-G in St. Moritz sagte er mit der ihm eigenen Gelassenheit, «die Abfahrt könnte zu einem Schweizer Höhepunkt werden».

  • loading indicator

Er schürte dadurch zusätzliche Erwartungen, manövrierte sich in die Favoritenrolle. Weil er gespürt hatte, dass es keinen Grund gab, tief­zustapeln. Womit wir bei seinem aussergewöhnlichen Gefühl für den Schnee wären und registrieren, dass der Körper mehr zum Erfolg beiträgt, als man auf den ersten Blick annehmen könnte.

Beat Feuz lässt sich trotz seiner Schwächen als Vorbild für die Jugend betrachten. Er verkörpert den Beweis, dass es sich lohnt, nie aufzugeben.

micha.jegge@bernerzeitung.ch

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt