Zum Hauptinhalt springen

Der Kopf kaschiert die körperlichen Schwächen

Sportredaktor Micha Jegge zum WM-Abfahrtssieg von Beat Feuz.

Micha Jegge

Erfolg im Sport beruht auf Kopf und Körper. Im Fall von Beat Feuz lässt sich nicht von einer ausgewogenen Mischung sprechen. Der Körper ist lädiert, das linke Knie elffach operiert. Sitze er länger als fünf Stunden am Stück im Auto, fühle sich das Knie «wie bei einem 90-Jährigen» an, hielt er vor ein paar Monaten fest.

Die Ursachen finden sich in der Jugend respektive der fehlenden Bereitschaft, dem physischen Training die nötige Beachtung zu schenken. Ein Teamkollege aus Regionalkaderzeiten liess unlängst verlauten, Feuz sei während des Krafttrainings in der Regel im Hotelzimmer geblieben und habe «seine Haribos» gegessen.

Was der Kopf zu leisten vermag, ist phänomenal. Rückschläge steckt Feuz weg, in dem er das Negative ausblendet, immer das halb volle Glas sieht, sich am nächstmöglichen Ziel orientiert und seinem Instinkt vertraut. Nach dem WM-Super-G in St. Moritz sagte er mit der ihm eigenen Gelassenheit, «die Abfahrt könnte zu einem Schweizer Höhepunkt werden».

Gold für die Schweiz: Beat Feuz gewinnt die WM-Abfahrt in St. Moritz.
Gold für die Schweiz: Beat Feuz gewinnt die WM-Abfahrt in St. Moritz.
JOE KLAMAR, AFP
Abfahrts-Krimi: Den Schweizer Fans stockt bei der Fahrt von Erik Guay der Atem. Letztlich fehlen ihm aber 12 Hundertstel auf den Schweizer.
Abfahrts-Krimi: Den Schweizer Fans stockt bei der Fahrt von Erik Guay der Atem. Letztlich fehlen ihm aber 12 Hundertstel auf den Schweizer.
Alexandra Wey, Keystone
Podestplatz: 37 Hundertstel Rückstand bringen dem Österreicher Max Franz den Bronze-Platz.
Podestplatz: 37 Hundertstel Rückstand bringen dem Österreicher Max Franz den Bronze-Platz.
Julian Finney/Getty Images
Toller Support: Rund 40'000 Zuschauer freuen sich über den Schweizer Titel.
Toller Support: Rund 40'000 Zuschauer freuen sich über den Schweizer Titel.
Gian Ehrenzeller, Keystone
1 / 6

Er schürte dadurch zusätzliche Erwartungen, manövrierte sich in die Favoritenrolle. Weil er gespürt hatte, dass es keinen Grund gab, tief­zustapeln. Womit wir bei seinem aussergewöhnlichen Gefühl für den Schnee wären und registrieren, dass der Körper mehr zum Erfolg beiträgt, als man auf den ersten Blick annehmen könnte.

Beat Feuz lässt sich trotz seiner Schwächen als Vorbild für die Jugend betrachten. Er verkörpert den Beweis, dass es sich lohnt, nie aufzugeben.

micha.jegge@bernerzeitung.ch

Dieser Artikel wurde automatisch auf unsere Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch