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Das Stehaufmännchen

Ex-Ski-alpin-Juniorenweltmeister Nils Mani nimmt nach dem im März erlittenen Kreuzbandriss einen weiteren Anlauf, den Durchbruch zu schaffen.

Adrian Horn
Das Kreuzband gerissen, mit einem Ski hinuntergefahren: Nils Mani.
Das Kreuzband gerissen, mit einem Ski hinuntergefahren: Nils Mani.
Keystone

Es war ein schöner Tag in Kvitfjell, und für Nils Mani schien scheinbar die Sonne. Der Berner Oberländer war Mitte März dabei, die Abfahrt in Norwegen unter den Top 20 zu beenden, wobei es sich um sein bestes Resultat der Saison gehandelt hätte.

Eine letzte Kurve im letzten Rennen, eine letzte Schwierigkeit – und da kam der Sturz, noch vor der letzten Zwischenzeit. Heftig fiel der Diemtigtaler, er rutschte meterweise und verdrehte das Knie, riss sich dabei das Kreuzband. Dass er sich was Schlimmeres getan hatte, registrierte er nicht gleich. Der 26-Jährige stieg die steilste Passage der Olympiastrecke von 1994 hoch, griff nach dem einen Ski und fuhr damit ins Ziel.

Seit 9 Wochen wieder auf den Skiern

Acht Monate später bereitet sich Mani mit dem Europacupteam in Österreich auf die ersten Speedrennen des Winters vor. Abfahrt und Super-G Ende Monat im kanadischen Lake Louise verpasst er, die Weltcupfahrer sind bereits nach Nordamerika geflogen. Seit neun Wochen steht der gelernte Landmaschinenmechaniker wieder auf den Skiern, und ein erstes Fazit fällt positiv aus: «Das Knie hält. Probleme habe ich keine.»

Der Abfahrtsjuniorenweltmeister von 2013 nimmt einen weiteren Anlauf, sich auf höchster Stufe durchzusetzen. Neunter war er 2016 in Gröden geworden, in derselben Saison klassierte er sich in der Kombination von Wengen auf dem 5. Rang, vergab in einem von unsteten Bedingungen geprägten Rennen bei vergleichsweise guten Verhältnissen aber im Grunde leichtfertig einen Podestplatz. Zu viele Fehler unterlaufen dem mit starkem Gleitvermögen und solider Technik ausgestatteten Speedfahrer zumeist, als dass er sich vorne einreihen könnte.

«Die Leute sorgten sich»

Dass der Durchbruch bislang ausblieb, dass er zwar unverändert jung, aber gewiss kein ganz Junger mehr ist, dass ihn eine schwere Verletzung zurückwirft – all das hätten Gründe sein können, die Laufbahn gleich zu beenden oder zumindest zu hinterfragen. Mani tat beides nicht. Nie habe er sich Gedanken in Bezug auf einen Rücktritt gemacht, erzählt er, er sei aber immer mal wieder darauf angesprochen worden, «die Leute sorgten sich wohl um mich». Während des Aufbautrainings sei es stets aufwärtsgegangen, das habe ihm Mut gemacht.

Mut machen darf dem Mitglied des Swiss-Ski-B-Kaders auch die Tatsache, dass gerade in den Speeddisziplinen nicht automatisch perspektivlos ist, wer in seinem Alter noch nicht die ganz grossen Erfolge gefeiert hat. Und so schuftet der bodenständige Diemtigtaler weiter. In Form kommen, sich in FIS- und Europacuprennen für die grosse Bühne aufdrängen und spätestens im Januar wieder auf höchster Stufe berücksichtigt werden: So lautet der Fahrplan. Spätestens am Lauberhorn soll für den Berner Oberländer nach düsteren Monaten wieder die Sonne scheinen. Und zwar nicht nur bis zur letzten Kurve.

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