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Das grosse Herz der Champions

Der ZSC fand gegen Davos die Spielweise und Emotionen, die es im Playoff braucht. Das weckt Hoffnungen.

Schwungvoll: Roman Wick weckt die Entschlossenheit im Team.
Schwungvoll: Roman Wick weckt die Entschlossenheit im Team.
Keystone

Es ist wieder einmal Zeit, an den legendären Spruch des NBA-Coaches Rudy Tomjanovich zu erinnern. «Unterschätze nie das Herz eines Champions! », sagte dieser triumphierend, nachdem er 1995 mit den Houston Rockets zum Erstaunen aller Beobachter den Titel verteidigt hatte. Sein Team war von Rang 10 aus ins Playoff gestartet und hatte als Erstes das Kunststück fertiggebracht, nacheinander die vier punktbesten Teams zu eliminieren. Die Rockets weigerten sich schlicht und einfach, sich entthronen zu lassen. So wie die ZSC Lions in der vergangenen Woche. Sie wendeten ihre intensive Viertelfinalserie gegen den HC Davos nach einem 1:3 und zeigten, dass sie nicht nur spielerisch hochstehendes Eishockey zelebrieren können, sondern eben auch ein grosses Herz haben.

Wick als Verkörperung

Wenn es am Samstag eine Szene gab, welche die Zürcher Leidenschaft veranschaulichte, dann jene von Roman Wick kurz vor Ende des zweiten Drittels. Die Sekunden liefen ab, der Flügel wollte den Puck unbedingt nochmals aufs Tor bringen, wuchtete in der Ecke 101-Kilo-Brocken Mathias Joggi um und spielte in die Mitte, wo Andres Ambühl zum 2:0 ablenkte. Die Zürcher hatten im Viertelfinal mit dem HCD den schwierigsten Gegner, den sie bekommen konnten. Doch sie fanden im Verlaufe der Serie die Emotionen und die Spielweise, die es im Playoff braucht. So entschlossen wie am Samstag hat man beispielsweise Wick, der vor allem als spielerisch versiert gilt, noch selten erlebt.

Man hatte sich schon fast daran gewöhnt, dass der Meister im Playoff des Folgejahrs im Viertelfinal scheitert. Viermal in sechs Jahren war dies zuletzt passiert. Die ZSC Lions gewannen 2009, kurz nach ihrem Triumph in der Champions League, gegen Gottéron nicht einmal ein Spiel. Doch diesmal stemmten sie sich erfolgreich gegen das drohende Aus und verhinderten damit, dass die Halbfinals erstmals seit 1998 ohne Zürcher Beteiligung stattfinden.

Ein Lob gebührt dabei Coach Marc Crawford, der mit dem Rücken zur Wand die richtigen Schlüsse zog. In dieser Situation kam dem Mann, der in der NHL schon über 1200 Spiele gecoacht hat, sein Gespür zugute. Der Kanadier versetzte den enttäuschenden Mikko Lehtonen, der im Paradeblock eher ein Störfaktor gewesen war, zurück in die vierte Linie, nominierte ihn aber weiter im Powerplay. Und dort bewies der Finne seine Abschlussstärke. Zudem liess Crawford ab Spiel 5 freiwillig mit nur drei Ausländern spielen, verzichtete darauf, seinen Landsmann Alexandre Tremblay zu nominieren – etwas, was nicht mancher kanadische Coach getan hätte. Er habe Vertrauen in jene Spieler, die in diesem Winter den ganzen Weg mitgemacht hätten, begründete Crawford seinen Entscheid, der Signalwirkung hatte. Kämpfertypen wie Cyrill Bühler und Chris Baltisberger zeigten, wie man den HCD besiegen kann: indem man ihn vom Eis arbeitet.

Ein seltenes Spektakel

Das Schweizer Eishockey erlebte am Samstagabend das seltene Spektakel von vier siebten Spielen. Über 42 000 fanden in Freiburg, Bern, Zug und Zürich den Weg ins Stadion – und die meisten von ihnen traten zufrieden den Heimweg an. Denn wie schon 1998 resultierten vier Heimsiege. SCB und ZSC komplettierten ihre Comebacks nach einem 1:3, eine Finalreprise zwischen den beiden Grossclubs ist also immer noch möglich. So weit vorausdenken werden die Zürcher aber nicht, jetzt steht zuerst einmal der Halbfinal gegen Fribourg an. Der Qualifikationssieger ist favorisiert, doch der ZSC hat in der jüngeren Vergangenheit stets eine positive Eigendynamik entwickelt, wenn er erfolgreich ins Playoff gestartet ist. Erst zum 3. Mal in den letzten 8 Jahren hat er den Viertelfinal überstanden. 2008 und 2012 war er danach nicht mehr zu stoppen.

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