Cleverer als die Konkurrenz

Lara Gut fuhr in diesem Winter mit Köpfchen statt mit der Brechstange. Der Geamtweltcup ist der verdiente Lohn.

Mit dem Gelassenheit zur grossen Kristallkugel: Lara Gut.

Mit dem Gelassenheit zur grossen Kristallkugel: Lara Gut. Bild: Keystone

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Jetzt ist es fix, nach dieser Kombination auf der Lenzerheide. Lara Gut gewinnt als erste Schweizerin seit Vreni Schneider 1995 den Gesamtweltcup. Die letzte Woche des Ski-Winters, das Finale in St. Moritz, wird für die Tessinerin zum Schaulaufen vor Heimpublikum. Zum verdienten Schaulaufen, ohne Frage.

Dass Tina Maze pausiert, sich Anna Fenninger vor dem Saisonstart verletzte, dasselbe Mikaela Shiffrin kurz darauf und Lindsey Vonn schliesslich vor dem Endspurt widerfuhr, dafür kann sie nichts. Es schmälert ihren Erfolg nicht. Denn neben der beeindruckenden Konstanz, die Gut in dieser Saison auszeichnete, ist es auch eine Kunst, verletzungsfrei durch den Winter zu kommen. Gerade auf dem Niveau, auf dem sie sich derzeit bewegt.

Vonn bewies das einmal mehr. Bereits bei ihrem Sturz in der Abfahrt von Val-d’Isère Mitte Dezember befürchteten ihre Betreuer ein vorzeitiges Saisonende. Ein etwas mulmiges Gefühl umschlich sie bei jeder ihrer Fahrten in den schnellen Disziplinen. Die 31-Jährige sucht das Limit nicht nur, sie überschreitet es auch ab und an. Top oder Flop also. Dass es dann in Soldeu tatsächlich zum Unfall kam, der ihren Winter frühzeitig beendete, mochte nicht erstaunen.

Diese Schweizer gewannen vor Lara Gut den Gesamtweltcup

Lara Gut wirkte da weitaus cleverer, weniger anfällig. Sie fuhr nie mit der Brechstange, tat das, was sie kann, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mal für Mal zog sie ihre Kurven wie auf Schienen in den Schnee – vom Andriften, das sie schon viele Siege gekostet hatte, war fast nichts mehr zu sehen. Auch der Materialwechsel im Frühling, von Rossignol zu Head, hatte ihr die dafür nötige Sicherheit gegeben. Gut wartete auf ihre Chancen, blieb geduldig, wusste, dass Vonn auch in den Speedrennen nicht unschlagbar ist, und nutzte die Möglichkeiten, als die US-Amerikanerin verwundbarer wurde – je länger die Saison dauerte, desto mehr.

Das hat aber nichts mit taktieren zu tun. Das ist in den schnellen Disziplinen ohnehin kaum möglich und passt auch gar nicht zum Charakter von Lara Gut. Vielmehr hatte sie dieses gute Gefühl, vor jedem Start zu wissen, dass sie gewinnen kann. Das ihr Gelassenheit gab.

Dieses hatte sie schon damals, 2013/14, als sie zu Beginn des Winters dominierte und auf bestem Weg zum Sieg im Gesamtweltcup schien. Dann aber strauchelte sie auch deshalb, weil die Situation für sie neu war, die Diskussionen um die grosse Kristallkugel sie verunsicherten. Das gute Gefühl, es war weg. Das war nun anders. Auch, weil sie dieses Thema gezielt von sich fernhalten wollte, und ihr das auch oft gelang. Seit heute kann sie über den Gesamtweltcup wenigstens ein bisschen befreiter reden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.03.2016, 14:12 Uhr

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