«Wir haben eine eindrückliche Antwort gegeben»

Der 32-jährige Südtiroler Roland Platzer, Speed-Trainer bei Swiss-Ski, zollt seinen Athleten Respekt und sagt, er sei in der Öffentlichkeit zuletzt falsch verstanden worden.

Philipp Rindlisbacher

2. Didier Cuche, 3. Carlo Janka – sind Sie mit dem Abfahrtsergebnis rundum glücklich, oder trauern Sie dem knapp verpassten Sieg nach? Roland Platzer: Es wäre unverschämt, wenn ich nach zwei Podestplätzen mit grantigem Gesicht herumlaufen würde. Cuche dank seiner Aufholjagd und Janka mit seiner risikofreudigen Fahrweise haben den Massen ein Spektakel geboten. Aber nach den vielen Klassikersiegen in den letzten Jahren sind die Ansprüche natürlich riesig. Ein kleines bisschen Wehmut ist da.

Weshalb? Weil keiner der Konkurrenten die perfekte Fahrt zeigte. Auch Klaus Kröll beging im Schlussteil einen zeitraubenden Fehler, selbst er war nicht unschlagbar. Grundsätzlich bin ich aber sehr stolz auf unsere Athleten. Oftmals wird unterschätzt, wie belastend der Druck in einem derart wichtigen Heimrennen vor 35'000 Zuschauern ist. Janka und Cuche haben ihm standgehalten. Das verdient grossen Respekt.

Cuche hatte unter der Woche zuweilen angespannt gewirkt. Fehlte ihm im Rennen das letzte Quäntchen Lockerheit? Cuche wollte den Sieg unbedingt; er ist der ehrgeizige Typ, der sich extrem auf ein Ziel fokussiert. Ich denke aber nicht, dass er zu verkrampft fuhr. Vor dem Rennen hatte er überaus relaxt gewirkt, sogar noch Witze erzählt.

Angesichts der weichen Unterlage war erwartet worden, dass Fahrer mit tiefen Startnummern einen erheblichen Vorteil hätten. Wie entwickelten sich die Pistenverhältnisse? Die Piste präsentierte sich in einem überraschend guten Zustand. Für Cuche wäre der Sieg auch mit Nummer 21 möglich gewesen. Kröll (Nummer 11/die Red.) dürfte zwar etwas profitiert haben; es wäre aber falsch, solche Ausreden heranzuziehen. Zudem haben die jungen Schweizer mit Nummern über 30 bewiesen, dass die Strecke nicht allzu langsam geworden ist.

Die zweite Garde enttäuschte. Wenn man die nackten Fakten betrachtet, mag das stimmen. Ich habe aber positive Ansätze gesehen. Grünenfelder fuhr engagiert, leider riskierte er zu viel. Die jungen Feuz und Gisin waren bis zum Ausscheiden sehr schnell unterwegs. Beide machten Flüchtigkeitsfehler; auf dem Weg zum arrivierten Rennfahrer können solche Rückschläge aber einen wichtigen Lerneffekt haben.

Wie stark präsentiert sich die Schweizer Speed-Equipe im Vergleich zur Vorsaison? Wir brauchen uns vor niemandem zu verstecken. Dass die vergangene Saison kaum zu übertreffen ist, war klar. Zudem haben die Österreicher mindestens einen Schritt aufgeholt. Nach den Querelen der vergangenen Wochen haben wir aber eine eindrückliche Antwort gegeben.

Hinter den Kulissen wird über die Nachfolge von Cheftrainer Martin Rufener diskutiert. Haben Sie Mitspracherecht? Meiner Meinung nach ist es sinnvoller, wenn ich mich um die sportlichen Belange kümmere. Mit den Rennen in Kitzbühel und der Weltmeisterschaft folgen mehrere Highlights. Die Trainerwahl ist Sache des Präsidiums.

In einer Boulevardzeitung machten Sie zuletzt Ihren Unmut über die Lohnschere zwischen Chefcoach und Gruppentrainern deutlich. Der Unterschied sollte Ihrer Meinung nach nicht mehr als 40'000 Franken betragen... ...so deutlich habe ich das nicht gesagt, ich wurde falsch verstanden. Derzeit werden viele Unwahrheiten verbreitet, viele Dinge falsch interpretiert. Ich will keine Polemik machen und akzeptiere meinen Vertrag.

Mit der Veröffentlichung von Martin Rufeners Salär hat das Präsidium jedoch auch in Trainerkreisen für Unruhe gesorgt. Ob dieser Schachzug geschickt war, sei dahingestellt. Die Verantwortlichen müssen ihn rechtfertigen. Meiner Meinung nach soll der Cheftrainer anständig entlöhnt werden, schliesslich trägt er die Hauptverantwortung. Doch auch die Gruppentrainer leisten ihren Beitrag.

Berner Zeitung

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