Was sich Beat Feuz mit dem Preisgeld leisten will

Am Tag nach dem Sieg am Lauberhorn lädt der Berner zum Gespräch. Der passionierte Pokerspieler äussert sich zu seinen Gefühlen, seinem Kontostand und seiner Zukunft.

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Es wirkt, als hätte Beat Feuz alles schon ein paarmal erlebt. Der Emmentaler bewältigt den Marathon nach seiner zweieinhalbminütigen Grosstat am Lauberhorn im Stil eines Routiniers. Der Abfahrtssieger bleibt gelassen – egal, wie gross der Trubel um seine Person gerade ist; er findet für jeden ein freundliches Wort, auf jede Frage eine halbwegs passende Antwort. In sportlicher Hinsicht erinnert sein Aufstieg an jenen seines Trainingskollegen Carlo Janka, abseits der Piste lassen sich die beiden Charaktere jedoch kaum vergleichen. Feuz lässt die Massen an seinen Emotionen teilhaben, nimmt den Ball auf, wenn dieser ihm zugespielt wird. An der abendlichen Siegerehrung auf dem überfüllten Wengener Marktplatz überträgt sich seine Freude auf die Zuschauer. Der am 11.Februar 25 Jahre alt werdende Schangnauer animiert das Publikum, lobt es und bedankt sich für die «unglaubliche Unterstützung» – besser könnte die Stimmung kaum sein.

Tags darauf, ehe er nach Zürich ins «Sportpanorama» geflogen werden wird, lädt der Berner die Medienschaffenden im «Schweizer» Hotel Belvédère zum Gespräch. Feuz spricht dabei unter anderem über...

...den ersten Gedanken nach dem Aufwachen: «Es nervte mich, dass schon Morgen war. Es wäre mir lieber gewesen, wenn ich hätte weiterschlafen können. Dann waren die Glücksgefühle jedoch gleich wieder da. Die Bilder werden noch jahrelang in meinem Kopf bleiben.»

...seine Emotionen im Zielraum: «Es ist unglaublich, dass ich das erleben darf. Ich habe als Berner im Berner Oberland die längste Abfahrt im Weltcup gewonnen. Da ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.»

...seine Siegesfahrt: «Es gab zwei suboptimale Passagen. Über die Minschkante ging es mit mir nicht dort durch, wo ich geplant hatte; das hätte gefährlich werden können. Und bei der Ausfahrt aus Langentrejen erwischte ich die Ideallinie nicht. Den Rest kann ich wahrscheinlich nicht besser fahren.»

...den Helikopterflug vom Zielgelände an die Pressekonferenz: «Ich liebe das Fliegen. Deshalb bat ich den Piloten, noch eine Zusatzrunde zu drehen; er hat das dann zum Glück auch gemacht. Man hat schliesslich nicht jeden Tag die Möglichkeit, vor der Eigernordwand durchzufliegen.»

...die schönste Gratulation: «An einem SMS hatte ich besonders Freude. Es kam von Felix Neureuther. Wir kennen uns schon langer Zeit und haben es immer lustig, wenn wir uns treffen.»

...Dinge, die er sich mit dem vielen Preisgeld leisten wird: «Die Reise nach Las Vegas, von der ich schon lange spreche, ist nun sicherlich etwas näher gerückt. Ich werde aber nur einen bestimmten Betrag aufs Spiel setzen und wieder nach Hause kommen, wenn nichts mehr übrig geblieben ist. Wenn ich primär gewinne, bleibe ich dann vielleicht auch gleich dort (lacht).»

...seinen Kontostand: «Ich habe keine Ahnung, wie der aussieht.»

...den Stand im Weltcup: «In der Abfahrt liege ich in Führung. Das weiss ich, weil sie mir im Ziel das rote Trikot übergestreift haben. Wie es im Gesamten aussieht, weiss ich nicht genau.»

...über die Kristallkugel für den besten Abfahrer: «Ich bin in einer guten Ausgangslage und werde versuchen, so lange wie möglich mitzukämpfen.»

...sein körperliches Befinden: «Es geht mir gut, aber ich habe schon ein bisschen Muskelkater – aber nur Muskelkater, so heftig haben wir dann auch wieder nicht gefeiert (grinst).»

...seine Vorgehensweise im Materialbereich: «Im Sommer tüftle ich ganz gerne herum. Dann suche ich mir jedoch mein Material aus, bin davon überzeugt und fahre das dann auch. Zwischen den Rennen stelle ich nichts um, das würde mich nur verunsichern. Ich bin noch nicht so weit wie andere, die das problemlos tun können.»

...seine Heimat: «Es hat auch Vorteile, wenn man abgelegen wohnt. Treffe ich mich in Schangnau mit meinen Kollegen, werde ich nicht gleich von allen Seiten belagert. Und ich muss dann auch nicht stundenlang über den Skisport sprechen.»

...eine mögliche Karriere als Langläufer (weil die Infrastruktur in der Region Schangnau/Marbach den Langläufern mehr bietet als den Alpinen): «Das war nie ein Thema. Langlaufen wäre viel zu anstrengend. Ich fahre lieber mit dem Lift nach oben und auf den Skiern runter. Ich kann nicht verstehen, dass man freiwillig auf die Langlaufskier steht.»

...seine private Zukunft: «Meine Freundin (die ehemalige Weltcupfahrerin Katrin Triendl; Anm.d.Red.) und ich überlegen uns schon zusammenzuziehen, werden das aber frühestens im Sommer tun – auch weil ich im Moment keine Zeit habe, eine Wohnung zu suchen (schmunzelt). Weil Katrin in Innsbruck studiert und die Stadt auf den Weltcup bezogen sehr zentral liegt, werden wir uns wohl auch in dieser Region niederlassen.»

...die am nächsten Samstag anstehende Abfahrt in Kitzbühel: «Auf der Streif spielt die Risikobereitschaft eine grössere Rolle als am Lauberhorn. Ich hoffe, dass mir mein Gefühl auf den Skiern noch ein wenig erhalten bleibt. Ist dies der Fall, sollte ich fähig sein, ein Wörtchen um den Sieg mitzureden – oder zumindest ums Podest.»

Berner Zeitung

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