FIS-Präsident Kasper: Flapsig und unsensibel

Gian Franco Kasper unterhält in Gesprächen mit viel Ironie. Das Problem des FIS-Präsidenten: Er merkt nicht, wann Ernsthaftigkeit gefordert wäre.

FIS-Präsident Gian Franco Kasper bei der Eröffnung der Skiweltmeisterschaft in Are. Foto: Leonhard Foeger (Reuters)

FIS-Präsident Gian Franco Kasper bei der Eröffnung der Skiweltmeisterschaft in Are. Foto: Leonhard Foeger (Reuters)

René Hauri@tagesanzeiger

Mit Gian Franco Kasper zu reden, kann ein Vergnügen sein. Der 75-Jährige ist entgegen vielen Behauptungen wach im Kopf, schlagfertig, witzig, gescheit. Er ist ein Meister der Ironie, plaudert für einen Spitzenfunktionär verblüffend ehrlich, unbekümmert, während er in seinem Büro in Oberhofen am Thunersee eine Zigarette nach der anderen anzündet. Das grosse Problem beim Präsidenten des internationalen Skiverbandes (FIS): Mit dieser Unbekümmertheit geht er nicht nur Nebenthemen an, die seine ironischen Spitzen durchaus vertragen, sondern auch die ganz ernsten Fragen der Gegenwart. Wie etwa den Klimawandel oder Olympische Spiele in Diktaturen.

Dazu hat Kasper erst noch eine ganz eigene Sicht der Dinge. Einen Beweis für den Klimawandel gebe es nicht, sagte er am Montag gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Oder: Grossanlässe in Diktaturen durchzuführen, sei einfacher als in Demokratien. Das mag sogar stimmen, weil es anstrengend sein kann, das Volk zu befragen, anstatt einfach zu handeln und sich keinen Deut um Auswirkungen und Umwelt zu scheren. Nur müsste es auch für Kasper wünschenswert sein, dass Olympia nicht nur in Ländern wie China, sondern auch in Demokratien stattfindet. Diesen Wunsch erkennt man bei ihm nicht.

Klammert man seine spezielle Meinung aus, bleibt die Art und Weise, wie er mit diesen diffizilen und hoch emotionalen Themen umgeht. Mit einer Flapsigkeit, die nicht nur seiner Position nicht gerecht wird, sondern auch reichlich unsensibel ist. Mit seiner sarkastischen Grundhaltung wird er der Ernsthaftigkeit dieser Probleme nicht gerecht. Und das schlägt ihm nun in diesen Tagen entgegen. Weit über die Landesgrenze hinaus ist der Aufruhr gross. «Wie Trump: Erderwärmung einfach mal anzweifeln.» – «Der Herr des Skisports fädelt wieder ein.» – «Auf zum Diktator!» Das waren nur einige der Schlagzeilen.


Video: «Solches Ausmass an Dummheit braucht keinen Kommentar»

Aksel Svindal äussert sich zu den Aussagen von FIS-Präsident Kasper: «Ein solches Ausmass an Dummheit braucht keinen Kommentar.» (Video: SRF)


Die Welle, die gegen ihn rollt, überrascht Kasper. Dabei müsste er nach über 20 Jahren als Präsident der FIS wissen, welche Macht das geschriebene Wort haben kann. Dass ihn die Reaktionen verblüffen, passt irgendwie zu ihm. Seine Haltung legt die Vermutung nahe: Er ist in der Vergangenheit stehen geblieben. Dass die Medien anders funktionieren, dass die Verbreitung von Aussagen rasant geschieht, scheint ihm entgangen zu sein. Genauso wie die Tatsache, dass die Sportler und Sportlerinnen sich mehr trauen als einst und nicht nur abnicken, was der Präsident sagt. So kann ein Aksel Svindal, der Athletensprecher ist, umgekehrt auch solche Dinge über Kasper sagen: «Jeder mit etwas Taktgefühl auf diesem Planeten merkt, dass es komplettes Geschwafel ist.» Oder: «Wenn Leute ein solches Ausmass an Dummheit zeigen, muss niemand mehr etwas sagen.»

Sportfunktionäre neigen dazu, sich von ihrer Basis immer weiter zu entfernen, je länger sie im Amt sind. Das ist auch bei Kasper so. Und nun sehen seine Gegner den Moment gekommen, ihn zu stürzen. Dass sich der Skisport in den letzten 20 Jahren kaum weiterentwickelt hat, stösst ihnen längst sauer auf. Kasper schiebt die Untätigkeit auf das System des Verbandes, auf diesen Koloss mit 132 Landesverbänden, in dem Prozesse nur sehr schleppend vorankommen. Nur hat das auch viel mit ihm selber zu tun, der am liebsten hätte, es würde sich gar nichts ändern. Deshalb ist für ihn wohl auch das Negieren des Klimawandels nicht mehr als der verzweifelte Versuch, sich das romantische Bild seines Sports zu wahren.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt