Exotin hier, Star da

Mit der Hilfe des Oberländers Stefan Abplanalp will Edit Miklos Geschichte schreiben, für Ungarn eine Olympiamedaille gewinnen. Vorerst aber muss sich die 29-Jährige nach einem schweren Rückschlag zurückkämpfen.

Gemeinsam mit ihrem Oberländer Coach Stefan Abplanalp wertet Edit Miklos eine Fahrt aus.

Gemeinsam mit ihrem Oberländer Coach Stefan Abplanalp wertet Edit Miklos eine Fahrt aus. Bild: Markus Grunder

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Zwei silberne Kleeblätter zieren die Ohrläppchen von Edit Miklos. Ein Glücksbringer? «Nein, ein Geschenk einer Freundin», sagt sie. «Aber klar, Glück könnte ich schon brauchen.» Denn genau dieses ist der ungarischen Skifahrerin zuletzt nicht eben hold gewesen. Für Laien dürfte es schwer verständlich sein, kann sie in diesen Tagen in St. Moritz bereits wieder um Weltcuppunkte fahren; für die Athletin selbst ist es zumindest überraschend, kann sie dies beschwerdefrei tun.

Vom Grossen ins Kleine

Im Januar stürzte sie im Training zur Abfahrt von Altenmarkt-Zauchensee schwer. Schon nur das Lesen des Verletzungsbulletins von damals bereitet Schmerzen. In beiden Knien rissen die hinteren Kreuzbänder, rechts überdies das vordere an. Ebenso wurden im rechten Knie die Aussenbänder sowie der Meniskus in Mitleidenschaft gezogen.

«Der Arzt und wir mit der Physiotherapie und dem Konditionstraining haben gute Arbeit geleistet», meint Miklos nüchtern. Nun also ist sie in St. Moritz, dort, wo sie eigentlich vor zehn Monaten an der Weltmeisterschaft hätte Geschichte schreiben, als erste Skifahrerin für Ungarn eine WM-Medaille gewinnen wollen.

Miklos war stark in die Saison gestartet, hatte im Dezember 2016 in Lake Louise Rang 3 erreicht, zählte zu den Top-6-Abfahrerinnen im Weltcup. Ihr Trainer Stefan Abplanalp sagt: «Ich hätte ihr einen Podestplatz zugetraut.»

Miklos und Abplanalp – das ist eine spezielle Geschichte. Die gebürtige Rumänin, welche seit sechs Jahren für Ungarn fährt, zählt zu den Exotinnen im Ski­zirkus. Schliesslich geniesst der alpine Skisport in ihrer Heimat kaum Bedeutung; Miklos ist die einzige Athletin, welche auf höchster Ebene fährt.

Abplanalp sah in ihr jedoch Potenzial, deshalb entschied er sich vor eineinhalb Jahren, in dies Projekt einzusteigen. Das Ziel war von Anfang an klar definiert: 2018 eine Olympiamedaille gewinnen. Der Meiringer war zuvor stets in grossen Equipen (Schweiz, Norwegen, USA) tätig gewesen, er wagte mit dem Engagement Neuland. Denn zum Team Miklos zählen neben ihm und der Athletin nur noch ein Physiotherapeut, ein Servicemann und ein Co-Trainer.

Die finanziellen Mittel sind vorhanden, wenn auch nicht im Überfluss. Als Winterbasis dient das Rennzentrum Hasliberg, was beiden entgegenkommt. Der Job gefalle ihm nach wie vor, sagt der 43-Jährige, nicht zuletzt des grossen Ziels wegen: «Wir können in Ungarn Geschichte schreiben, holen wir eine Olympia­medaille.»

Die Athletin und der Coach wollen sich durch die Verletzung und die dadurch bedingte Pause nicht von ihrem Plan abbringen lassen, sie sehen sie als Chance. «Du kannst körperlich und mental noch stärker werden. Und vielleicht wissen wir im nächsten Februar, für was diese Verletzung gut war», hält Abplanalp fest.

Kein Gepäck, viel Resonanz

In Lake Louise erlebte Miklos vergangene Woche ein turbulentes Comeback. Erst ging ihr Gepäck verloren, dann musste sie in der ersten Abfahrt zweimal antreten, weil sie nach dem Sturz von Lindsey Vonn abgewinkt worden war. Schliesslich wurde sie im Super-G wegen einer zu hohen Bindungsplatte disqualifiziert.

Als Lichtblick aber gilt der 14. Rang, den sie dazwischen in der zweiten Abfahrt erreichte. Und die Tatsache, dass ihr Knie hält, auch bei hoher Belastung nicht reagiert.

In Ungarn übrigens wird ganz genau registriert, wie es Miklos läuft, was angesichts der geringen Bedeutung der Sportart überrascht. Als die 29-Jährige im Herbst in Györ zu einer Pressekonferenz bat, erschienen sechs TV-Stationen und insgesamt rund 40 Journalisten. Läuft Miklos durch die Strassen, wird sie öfters angesprochen. «Am Anfang war das speziell, mittlerweile ist das für mich aber in Ordnung», sagt sie.

Gewiss dürfte sich ihr Bekanntheitsgrad nochmals markant steigern, sollte sie im Februar auf der Olympiaabfahrt in Jeongseon reüssieren. Die Hauptprobe im März konnte sie zwar nicht bestreiten, dafür jedoch war Abplanalp vor Ort, um sich ein genaues Bild zu machen. Drei bis vier Sprünge, kurvig, wenig Gleiterpassagen – die Topografie der Piste im koreanischen Niemandsland komme der kleinen, leichten Athletin entgegen, sagt er. Und vielleicht werden die Ohrstecker ja irgendwann doch noch helfen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.12.2017, 17:51 Uhr

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