Beat Feuz: Der Triumph nach der Goldfahrt

Beat Feuz gewinnt am Tag nach seinem 30. Geburtstag den WM-Titel in der Abfahrt. Urs Lehmann erzählt vom Schnösel mit dem «unglaublichen Feingefühl», Roger Federer sorgt in der Athletenzone für ungewohnte Nervosität.

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Das Stadion auf Salastrains wird zum Tollhaus. 20 Athleten haben die WM-Abfahrt absolviert, Beat Feuz steht in der Leaderbox, strahlt Gelassenheit aus. Die Sonne scheint, die Tribüne scheint zu beben.

«Sensationell», sagt Hans Feuz im Gespräch mit dem Moderator. Er habe seinen Sohn «in Rueh glah», vor dem Rennen keinen Kontakt mit ihm gehabt. «Beat weiss, was er zu tun hat, er braucht mich nicht», sagt der Landwirt und Skiliftbetreiber aus dem Schangnauer Weiler Bumbach.

Und erwidert auf die entsprechende Frage, während Beats Auftritt ziemlich viele Kalorien verbraucht zu haben. «Wobei ich nichts dagegen hätte, wenn es noch mehr gewesen wären.» Feuz’ Freundin Kathrin Triendl ist völlig aus dem Häuschen, dankt dem Servicemann Sepp Kuppelwieser für dessen Präzisionsarbeit und den johlenden Fanklubmitgliedern für die Unterstützung. Und dann sagt die 30-Jährige noch, sie sei am Morgen vor dem Rennen auf den Langlaufskiern gewesen.

Ihr Partner, im Emmental und damit eher in einer Langlauf- als in einer Alpinregion aufgewachsen, liess vor 5 Jahren verlauten, Langlauf sei für ihn nie ein Option gewesen. «Das wäre viel zu anstrengend. Skier sind zum Herunterfahren da.» Der Kontrast offenbart, von welch hoher Relevanz Triendl für ihren Partner ist. Als diplomierte Physiotherapeutin kümmert sie sich um das elffach operierte linke Knie, wenn die Zeit knapp ist und der Weg zum angestammten Therapeuten die Regeneration beeinträchtigen würde.

Als trainingsfleissige Ex-Weltcupfahrerin wirkt sie falls nötig als Antreiberin und erinnert ihn an jene elementaren Komponenten des Leistungssports, die ihm nicht sonderlich behagen. Mittlerweile haben 30 Athleten das Pensum absolviert, und Feuz steht immer noch in der Leaderbox. Gelassenheit ausstrahlend, aber immerhin die Faust ballend.

Ein paar Meter entfernt, in der Athletenzone, ist ungewohnte Nervosität zu spüren. Roger Federer, welcher sich das Rennen mit seiner Frau Mirka und seiner Bewunderin Lindsey Vonn im VIP-Bereich angeschaut hat, gesellt sich zu den Sportlern. Und wird vorab von den Frauen, die ihre Abfahrtsweltmeisterin am Vormittag ermittelt haben, um Selfies gebeten.

«Fast in Ohnmacht» sei sie gefallen, als ihr Federer zu ihrem Silbermedaillengewinn im Super-G gratuliert habe, wird Tina Weirather später über die sozialen Medien verkünden. Der Baselbieter sagt, er sei von Mentalität und Risikobereitschaft der Protagonisten tief beeindruckt, gesteht, sich erstmals ein Skirennen live anzuschauen, lobt die «wunderbare Ambiance» und den Schweizer Sieger Beat Feuz. Mittlerweile befinden sich nur noch Exoten am Start. Das Verdikt steht fest, Feuz ballt beide Fäuste.

Federer begibt sich zu Feuz, Erik Guay und Max Franz, die auf die Blumenzeremonie warten. Der 18-fache Grand-Slam-Gewinner gratuliert, und es wirkt, als würde der König des Sports dem neuen König des Skisports die Ehre erweisen. Feuz’ Mama Hedi steht derweil beim Moderator, ist sichtlich gerührt, bringt ausser einem lauten «Heja Beat» keine Wortmeldung zustande. Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann gibt TV- und Radiostationen Auskunft.

Im Medaillenspiegel liegt die Schweiz auf Position 1; nach fünf von elf Entscheidungen ist klar, dass die Heim-WM sportlich als Erfolg verbucht werden kann. Schlitzohrigkeit und Coolness hätten Feuz zum Goldmedaillengewinn verholfen, meint der Aargauer, welcher vor 24 Jahren in Morioka in der Königsdisziplin triumphiert hatte. Und erinnert sich an die erste Begegnung mit dem neuen Weltmeister; «es muss Ende der Neunzigerjahre gewesen sein.»

Daniel Mahrer, Daniel Caduff und er hätten Bernhard Russis Abfahrtsschule in Laax übernommen. «Da erschien Beat, ein Schnösel mit einem unglaublichen Feingefühl für den Schnee. Uns war sofort klar, dass hier ein begnadeter Skifahrer heranwächst.»

Feuz’ Mentor Sepp Brunner, ausserordentlich erfolgreicher Chef der Abfahrtsgruppe, spricht von einer «aussergewöhnlichen Leistung». Der Österreicher erzählt, wie sie morgens gemeinsam auf dem Sessellift gewesen seien und Feuz geflucht habe, weil der Start witterungsbedingt nach unten versetzt worden war.

«Er hat das abgehakt – und dann schlicht gezeigt, was er kann.» Brunner lobt auch Patrick Küng, den Titelverteidiger, welcher die Bronzemedaille nur um zwei Hundertstel verpasst hat, ex aequo mit Kjetil Jansrud Vierter geworden ist. «Patrick hat sich extrem gesteigert, das hätte ich ihm nicht zugetraut. Hut ab vor seiner Darbietung.»

Zu den geschätzten 70 bis 80 Fanklub-Mitgliedern, die auf der Tribüne feiern, gehört der Schangnauer Fabian Haas. «Beätu hat es runtergebracht – Wahnsinn», sagt der 31-Jährige, welcher zu Feuz’ engstem Freundeskreis gehört, einmal pro Jahr mit ihm und zwei Kollegen Golfferien macht. Geplant war gewesen, am Samstagabend gemeinsam mit Feuz anzustossen, im Minimum dessen 30. Geburtstag.

Die Abfahrt jedoch musste wegen Nebel auf Sonntag verschoben werden. Selbiges gilt für das Abendprogramm, dafür gibt es nun das Maximum zu feiern. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass auch das Swiss House zum Tollhaus werden wird. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2017, 08:06 Uhr

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