Abplanalp kehrt zurück

Stefan Abplan­alp wird Cheftrainer im Leistungszentrum Haslital-Brienz. Im Interview äussert er sich über seine Motivation und seine Zukunftspläne.

Stefan Abplanalp zieht es zurück in die Heimat.

Stefan Abplanalp zieht es zurück in die Heimat. Bild: John G. Mabangelo (EPA)

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Haben Sie genug vom ­Weltcupzirkus?
Stefan Abplanalp: Nach über 20 Jahren, in denen ich weltweit unterwegs war, ist vielleicht der Zeitpunkt dafür gekommen, etwas mehr daheim zu sein. Doch das war nicht der Hauptgrund. Ich habe mich nicht gegen eine weitere Weltcupherausforderung, sondern für die Arbeit mit der Basis entschieden. Das Projekt mit dem RLZ Haslital-Brienz ist spannend. Es gibt hier Leute, die etwas bewegen wollen, und mit den Bergbahnen und dem Skirennzentrum gute Partner.

Wie sind Sie auf den Job, quasi vor Ihrer Haustüre, gestossen?
Dres Zenger und Heinz Anderegg (der Präsident und der sportlicher Leiter im RLZ Haslital-Brienz; die Red.) sind Kollegen von mir. Nach dem Abgang meines Vorgängers sind sie auf mich zugekommen, jedoch ohne grosse Erwartungen zu haben. Weil ich wegen der Verletzung von Edit Miklos nicht den ganzen letzten Winter im Weltcup unterwegs war, half ich ab und zu bereits im RLZ aus. Da begann mich die Sache zu reizen.

Weshalb?
Ich möchte meine Erfahrung an die Basis zurückgeben. Einerseits will ich den Kindern die Begeisterung für diesen Sport vermitteln. Andererseits handelt es sich um die erste Leistungssportstufe, ich möchte ihnen zeigen, was Leistungssport bedeutet, und ihnen helfen, diesen mit der Ausbildung zu vereinbaren.

Zuletzt betreuten Sie die für Ungarn startende Edit Miklos. Das Projekt sah den Gewinn einer Olympiamedaille vor, was nach mehreren schweren Knieverletzungen verpasst wurde. Wie sehr schmerzt Sie das?
Das hat mich getroffen, weil der Wiederaufbau nach ihrem Kreuzbandriss im Januar 2017 gut verlief. Wir hatten das Gefühl, dass der Fahrplan stimmte, zumal noch etwas Zeit bis Südkorea blieb. Dass sie sich kurz vor den Olympischen Spielen wieder verletzte, tut weh. Edit ist ein grosser Pechvogel.

Sie hat nun ihre Karriere beendet. Was nehmen Sie von den zwei Jahren als Coach in einem kleinen Team mit?
Ich habe eine andere Kultur kennen gelernt. Und manchmal ist es viel wichtiger, die Kultur als die Sprache zu verstehen. Als kleines Team waren wir sehr flexibel, mussten nicht immer auf einen ganzen Tross schauen. In der ersten Saison holte Edit im zweiten Rennen einen Podestplatz, es hat alles super angefangen. Wir haben gesehen, dass mit zielorientierter Arbeit und Disziplin auch in einer kleinen Skination etwas bewegt werden kann.

Hatten Sie eigentlich mit Swiss-Ski Kontakt, als es um die Nachfolge von Frauen-Cheftrainer Hans Flatscher ging?
Nicht in diesem Zusammenhang. Aber ich habe über all die Jahre, in denen ich im Ausland war, ­immer ein gutes Verhältnis zu Swiss-Ski gepflegt. Im Moment ist kein Posten frei, der für mich in Frage käme. Aber nun sind Brücken geschlagen. Und ich bin als Cheftrainer des RLZ ja wieder im System von Swiss-Ski tätig. Das wäre anders gewesen, hätte ich ein Angebot aus dem Ausland angenommen.

Gab es denn Angebote?
Ja, auch reizvolle. Dann wäre ich aber wieder viel unterwegs gewesen. Momentan möchte ich die Zeit zu Hause geniessen, doch ich schliesse nicht aus, später nochmals im Weltcup anzugreifen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.04.2018, 13:05 Uhr

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