Zwischen Meeting und Polo-Feld

Polo

Jobst Wagner ist nicht nur Unternehmer, sondern auch Polospieler. An der Schweizer Meisterschaft in Wichtrach verpasste er mit seinen Teamkollegen vom Polo Club Bern den Titel nur knapp.

Jobst Wagner (links) behauptet den Ball.

Jobst Wagner (links) behauptet den Ball.

(Bild: Andreas Blatter)

Die Frisur sitzt, das grüne Poloshirt mit der Nummer 4 ist einem hellblauen Hemd gewichen. Als Jobst Wagner auf einem Plastikstuhl sitzt, erinnert nichts daran, dass er eine ziemlich intensive Stunde hinter sich hat; dass aus dem Unternehmer aus Muri für eine Stunde ein leidenschaftlicher Sportler geworden ist.

«Es hat mich sofort gepackt.»

Wagner ist nämlich nicht nur Verwaltungsratspräsident der Rehau-Gruppe und somit Vorsitzender einer Firma, die an über 170 Standorten weltweit mehr als 20 000 Mitarbeiter beschäftigt. Wagner ist auch passionierter Polospieler im Polo Club Bern, den er vor zehn Jahren mitgegründet hat und dem er als Präsident vorsteht.

Dass er zum Polo gekommen sei, sei dem Zufall geschuldet, erzählt Wagner. Er wurde von Freunden auf den Sport aufmerksam gemacht und entschloss sich, ihn in Rubigen auszuprobieren. «Es hat mich sofort gepackt», sagt Wagner und erwähnt das Zusammenspiel von Mensch und Tier, Technik und Taktik, gepaart mit einer hohen Geschwindigkeit, was ihn bis heute fasziniere. «Polo verlangt einem eine Vielzahl verschiedener Fähigkeiten ab, damit ein Team Erfolg haben kann. Diese Vielfalt findet man sonst in keiner Sportart», sagt Wagner, der schon als Kind gerne auf dem Pferd sass und diese Leidenschaft fürs Reiten nun in einer der ältesten Sportarten der Welt auslebt (siehe Kasten).

Strikte Regeln

Die Polosaison wird während fünf Monaten von Mai bis September ausgetragen. In dieser Zeit treffen sich die Spieler vom Polo Club Bern drei- bis viermal wöchentlich zum Training. «Das ist nötig, denn sonst würden wir konditionell nicht mit den Gegnern mithalten können», sagt Wagner. Ein Spieler müsse schon schauen, dass er fit sei. «Wenn man unbeweglich ist wie ein Kartoffelsack, macht das keine Freude», ergänzt er mit einem Schmunzeln.

In den Wintermonaten ist Erholung angesagt – für Pferd und Reiter, wobei Wagner dann gerne auf den Skiern steht. Wagner lobt den Sportsgeist, der in der Poloszene wichtig sei, denn obwohl es auf dem Feld bisweilen intensiv zur Sache gehe, sei Fairness immer oberstes Gebot. Beim kleinsten Regelverstoss schreitet der Schiedsrichter ein und stellt so sicher, dass in den Zweikämpfen weder dem Reiter noch dem Pferd etwas passiert. Diese strikte Linie sei nötig, sagt Wagner, denn er hält fest: «Polo ist kein ungefährlicher Sport.»

Nicht nur ein gemütlicher Ausritt

Dass Polo in der Tat nichts mit dem gemütlichen Ausritt zu tun hat, den der gemeine Pferdeliebhaber in seiner Freizeit zu machen pflegt, wurde am Wochenende schnell ersichtlich. Sechs Teams aus der ganzen Schweiz kämpften in Wichtrach in intensiven Partien um den Schweizer-Meister-Titel. Jobst Wagner und seine Teamkollegen vom Polo Club Bern spielten sich mit zwei Siegen bis in den Final, wo sie schliesslich dem Club aus Veytay am Genfersee unterlagen.

Er wäre schon gerne Schweizer Meister geworden, sagt Wagner. Nach 2010 wäre es der zweite Titel in der Clubgeschichte gewesen. Aber für den 58-Jährigen ist etwas anderes noch viel wichtiger. «Ich möchte einfach noch möglichst lange Polo spielen.» Dann verabschiedet er sich mit einem freundlichen Händedruck. Schliesslich steht schon bald der nächste Geschäftstermin auf dem Programm.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt