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Weltmeisterlicher Entscheid in Bern

So etwas hat es in Bern noch nie gegeben: Mit Markus Rogan springt am Samstag ein amtierender Weltmeister und Weltrekordhalter ins Wasser. Sein Abschneiden an der Sprintnacht ist entscheidend in Bezug auf die Fortsetzung seiner Karriere.

Es klingt fast unglaublich: Der Einsatz am Samstagabend im Hallenbad «Muubeeri» (ab 21 Uhr) soll «entscheiden», ob Markus Rogan seine Karriere fortsetzt oder mit dem Schwimmsport aufhört. «Ich habe mir keine spezielle Zeit vorgenommen», sagt der Wiener. «Ich werde mich auf mein Gefühl verlassen und dann einen Entscheid fällen.» Es ist sein erstes Rennen seit den Olympischen Spielen in Peking.

Nun, Markus Rogan ist nicht irgendeiner. Der 26-Jährige ist seit April Kurzbahn-Weltmeister und -Rekordhalter über 200 Meter Rücken. Der telegene und eloquente Schwimmstar, gemäss letzten Erhebungen nach Hermann Maier zweitprominentester Sportler Österreichs, wurde heuer in Eindhoven zudem Europameister über 100 und 200 m Rücken. Eigentümlich zu verstehen ist die hohe Gewichtung seines Starts in Bern auch deswegen, weil die 50 Meter Rücken, nur diese stehen an der 5.Sprintnacht auf dem Programm, nie die Paradedisziplin Rogans war. Allein der Zürcher Flori Lang, EM-Zweiter 2008 über 50 Meter Rücken, wird dem zweifachen Olympia-Silbermedaillengewinner von Athen 2004 (100/200 Rücken) auf dieser Kurzstrecke das Leben schwer machen. Ganz zu schweigen vom deutschen Doppelmeister (100/200 m Rücken) Helge Meeuw (24).

20-Minuten-Olympiasieger

Apropos Athen: 20 Minuten war Markus Rogan in der griechischen Metropole vor vier Jahren Olympiasieger. Gewinner Aaron Peirsol wurde nach einem Beinschlagfehler nach dem Rennen disqualifiziert und Rogan zum Sieger erklärt. Nach einem Protest der Amerikaner wurde der Entscheid allerdings rückgängig gemacht. Durch seine Reaktion in diesem Moment, Rogan bestand darauf, dass Peirsol der bessere Schwimmer sei und Gold verdient habe, wurde der 27-fache Medaillengewinner bei internationalen Titelkämpfen in seiner Heimat und weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Im September 2004 erhielt er unter anderem den Special Fair Play Award des European Fair Play Movements. Vor sämtlichen einheimischen Skiassen wurde Markus Rogan 2004 Sportler des Jahres.

Nie mehr 200 m Rücken

Dann sagt Markus Rogan das: «Ich werde keinen Wettkampf mehr über die 200 Meter Rücken bestreiten.» Nie mehr? «Nein.» Warum nicht? Als amtierender Weltmeister und mit 1:47,49 Weltrekordhalter auf dieser Strecke, was eine enorme Zeit bedeutet. Nur Dominik Meichtry und ganz knapp Karel Novy waren in der Geschichte des Schweizer Schwimmsports, notabene crawlend auf dem Bauch, schneller. Hat es damit zu tun, dass Rogan an den Olympischen Spielen in Peking mit Rang 4 das lange zuvor klar als Ziel deklarierte Gold trotz persönlicher Bestzeit schmerzlich verpasst haben? «Was will ich mehr als Weltrekord und Weltmeister zu sein», lautet die Antwort des Mannes, der sagt: «Eitelkeit verhält sich indirekt proportional zum Selbstbewusstsein.» Der Frust von Peking scheint bei dieser Absage an seine Paradestrecke ein bisschen mitzuschwimmen.

Rückwärts schwimmt Markus Rogan nicht deswegen am liebsten, weil Wolfgang Amadeus Mozart auch rückwärts sprechen konnte. «Es hat sich einfach so ergeben», klärt Rogan auf. Selbst wenn er Mozart «sehr mag» und gern auch ein «sehr guter Klavierspieler» geworden wäre. Vor allem am Morgen schätzt Österreichs Sport-Werbe-Ikone die Klänge seines genialen Landsmanns. «Es grenzte an Hochverrat, würde man Mozart als Österreicher nicht lieben.»

Für Überraschungen gut

Und was passiert nun am Samstag im Hallenbad Hirschengraben in Bern? Sorgt der Austria-Express für einen Weltrekord über 50 Meter Rücken? Dieser wird vom Deutschen Thomas Rupprath mit 23,27 Sekunden gehalten. Rogans Bestzeit steht bei 24,80. Der Schweizer Rekord von Flori Lang bei 24,41. Bei seinem Weltrekord im April an der Kurzbahn-WM in Manchester pulverisierte Rogan jedoch seine Bestzeit um über 2 Sekunden. «Ich denke nicht, dass es so weit kommt», meint er, der Diplomatie und Wirtschaft studiert hat.

Aber: Markus Rogan ist zuletzt von Rom, wo er gewohnt und mit der italienischen Nationalmannschaft trainiert hat, nach Wien übersiedelt. In seiner Heimat trainiert er inzwischen bei Paul Eder. Und zwar «experimentell», wie er betont. Konkret: «Viel ausserhalb des Schwimmbeckens.» Als Stichworte seien Treppenlaufen, Schnellkraft und Koordination angefügt. Just weil er, wenn überhaupt, seine Zukunft mit der Weltmeisterschaft 2009 in Rom nur noch auf den Sprintstrecken sieht. So oder so plant Rogan, der mit der Miss Austria 2007, Christine Reiler, liiert ist (Reilers Mutter stammt aus dem Berner Oberland), den Einstieg ins Investment- und Privatbanking. Auch da sind Topleute sehr gefragt.

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