Gstaad

Wann kommt die Welle?

GstaadAnouk Vergé-Dépré und Joana Heid­rich haben letztes Jahr auf ­Anhieb überzeugt. Doch diese Saison tun sich die beiden zuweilen schwer. Das soll sich ab Mittwoch am Gstaad-Major ändern.

Zurück am Ort des grossen Glücks: Letztes Jahr stiessen Anouk Vergé-Dépré (links) und Joana Heidrich am Gstaad-Major  als erstes Schweizer Team seit 2012 bis in den Halbfinal vor.

Zurück am Ort des grossen Glücks: Letztes Jahr stiessen Anouk Vergé-Dépré (links) und Joana Heidrich am Gstaad-Major als erstes Schweizer Team seit 2012 bis in den Halbfinal vor. Bild: Keystone

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Es tönt simpel, eigentlich. Auf eine Welle wollen sie aufspringen, einfach ins Spielen kommen. Gelingt das, dann können Joana Heidrich und Anouk Vergé-Dépré losgelöst von allen Zweifeln und Überlegungen ihr bestes Beachvolleyball abrufen. Bloss: Diese Welle zu erfassen, ist verdammt schwer.

Auf die letzte Saison hin spannten die Zürcherin und die Bernerin zusammen, Vergé-Dépré liess sich dafür zur Defensivspielerin umfunktionieren. Obwohl dieser Schritt extrem viel Detailarbeit verlangt, gelang den beiden die Umstellung scheinbar mühelos. In Gstaad liefen sie zur Hochform auf, schafften es als erstes Schweizer Team seit 2012 in den Halbfinal.

Oder, um eingangs erwähntes Bild aufzunehmen: Sie sprangen auf die Welle auf. Kürzlich hat sich Heidrich ein Video eines Spiels von damals angeschaut und dabei festgestellt, «dass wir heute viele Dinge besser machen». Gleichwohl tut sich das Duo diese Saison zuweilen schwer. Abgesehen vom starken 2. Platz am 4-Sterne-Turnier im brasilianischen Itapema fehlt der Ausreisser nach oben.

Schwieriger Spielplan

In ihrem ersten gemeinsamen Jahr hätten sie einfach drauflosgespielt und gekämpft, ohne gross zu überlegen, sagt Heid­rich. «Nun stehen wir vor einer anderen Ausgangslage. Wir wollen die Dinge perfekt machen, sind manchmal zu fokussiert. Deshalb müssen wir diese Lockerheit vom letzten Jahr zurückbekommen.»

Gewiss, was Technik und Taktik anbelangt, hat sich das Duo weiterentwickelt. «Ich fühle mich nun viel wohler in der Defensive als noch vor einem Jahr. Damals musste ich jeweils noch schauen, wie viel Distanz ich zu den Linien habe», hält Vergé-Dépré fest und ergänzt lachend: «Heute renne ich nicht mehr nach vorne, um zu blocken.» Und gleichwohl ist eine leise Unzufriedenheit rauszuhören, wenn die beiden über den bisherigen Saisonverlauf sprechen.

Wobei ihnen der Spielplan nicht eben entgegenkam. Nach ihrem starken Auftritt in Itapema hatten Heidrich/Vergé-Dépré fast einen Monat spielfrei, was dem Rhythmus nicht zuträglich war. «Ich hätte mir gewünscht, nach diesem coolen Turnier einfach weiterzuspielen», sagt Heidrich. So aber konnten sie sich gar nicht erst in einen Lauf spielen.

Das Wir steht im Zentrum

Weil die Ausgeglichenheit bei den Frauen so gross ist wie nie zuvor, entscheiden letztlich Nuancen. Ein Beispiel: Das australische Duo Clancy / Artacho Del Solar gewann am Wochenende das ­4-Sterne-Turnier in Espinho (POR). Sechs Tage zuvor war es auf selber Stufe in Warschau in den Gruppenspielen ausgeschieden. Deshalb ist die mentale Komponente ungemein wichtig. Heidrich/Vergé-Dépré investieren in diesen Bereich viel Zeit, einerseits mit dem Mentalcoach des Verbandes, andererseits mit einer privat engagierten Betreuerin. «Weil unser Umfeld sehr männerlastig ist und es manchmal guttut, mit einer Frau zu reden», sagt Heidrich. Wobei es sich um einen Austausch handle «und wir uns nicht erst melden, wenn etwas vorgefallen ist».

Letztlich ist es also der Kopf, der beeinflusst, ob sie auf eine Welle aufspringen können respektive in einen Lauf geraten. «Du musst die Situation, in der du dich im Moment befindest, annehmen», erklärt Vergé-Dépré. «Ob ich mich am Morgen nicht besonders fühle, ob der Gegner einen guten Tag hat, es spielt alles keine Rolle. Wir müssen nur auf uns schauen, Punkt für Punkt nehmen.»

Mit diesem Vorhaben nehmen sie nun die wichtigsten Wochen des Jahres in Angriff. Unmittelbar nach Gstaad findet in Holland die Europameisterschaft statt. Heidrich/Vergé-Dépré sind die Nummer 3 auf der Setzliste, die Erwartungen deshalb entsprechend hoch. «Wir haben einen Medaillenwunsch», sagt die Bernerin lächelnd. «Aber wenn man sieht, wie viele Europäerinnen zuletzt einen Podestplatz auf der World Tour schafften, ist die Ausgangslage schon sehr offen.» Immerhin ist in Holland Wellenreiten naheliegender als im Berner Oberland.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 11.07.2018, 08:31 Uhr

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