«Wir sind immer im Kampf»

Nur Fussball und Olympia sind grösser als die Rugby-WM. In den nächsten sechs Wochen wird in Japan der Weltmeister ermittelt. Ein A bis Z zum Kampf der Hünen.

Suchbild mit Gummi-Ei: Iren und Neuseeländer im Scrum. (Bild: Imago/Tommy Dickson)

Suchbild mit Gummi-Ei: Iren und Neuseeländer im Scrum. (Bild: Imago/Tommy Dickson)

A wie All Blacks
Das beste Team der Geschichte. Der Gegenwart. Der Zukunft. Egal, wie es gerade zusammengesetzt ist. Neuseelands Nationalteam definiert den Rugby-Sport als dessen berühmteste Marke. In Japan kennt es nur ein Ziel: den vierten WM-Titel.

B wie Bedeutung
Es ist die erste WM in Asien. Die erste in einem Land, das keine traditionelle Rugby-Nation ist – erst 1932 bestritt das japanische Nationalteam sein erstes Länderspiel. Höhepunkt war in der Vorrunde der WM 2015 in England der 34:32-Sieg gegen Südafrika.

C wie Captain
Rekla­mationen und Rudel­bildungen gibt es im Rugby nicht. Hier ist der Schiedsrichter unantastbar, sein Urteil ist es auch. Nur der Captain darf mit ihm reden. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Strafe.

D wie Dragons
Die ­Drachen kommen aus Wales, die Wallabies (Kängurus) aus Australien, die Springboks (Springböcke) aus Süd­afrika, und da gibt es noch die Brave Blossoms. Das sind die mutigen Blüten aus Japan.

E wie Exot
In wenigen Sportarten ist das Gefälle so gross wie beim Rugby. Die Schweiz mag als Nummer 30 im vordersten Drittel der Weltrangliste rangiert sein und die WM-Qualifikation mit einer positiven Bilanz abgeschlossen haben, trotzdem darf sie gegen die besten Teams nicht einmal antreten. Sie ist zu unterlegen.

F wie Frauen
Vier Jahre nach den Männern bestritten auch die Frauen ihre erste WM – mit den USA als Sieger. Seither das gleiche Bild: Neuseeland dominiert, gewinnt fünf der sieben Titel. Die ­neuseeländischen Frauen (Bild vom letzten WM-Titel 2017 in Irland) werden Black Fern genannt, nach dem Silberfarn, das auch die All Blacks im Logo tragen.

G wie Gewicht
Die 31 Spieler von Neuseeland bringen zusammen drei Tonnen auf die Waage, 3310 kg genau. Jene von Tonga kommen auf 3370 kg. Keiner ist schwerer als Ben Tameifuna, bei dem 151 kg auf 1,88 m verteilt sind.

H wie Haka
Und noch eine neuseeländische Ikone: der Maori-Tanz, mit dem vor jedem Spiel Stärke demonstriert wird. Nicht nur die All Blacks führen einen Haka auf, auch andere Maori-Nationen wie Samoa, Tonga und Fidschi.

I wie Indien
Über 4 Milliarden verfolgten weltweit die letzte WM. Wenn es diesmal noch mehr sind, liegt das auch an Indien. Auch wenn ihr Team nur die Nummer 86 der Welt ist, interessieren sich bereits 23 Millionen Inder für Rugby.

J wie Jonah Lomu
1,96 m gross, 119 kg schwer, 10,8 Sekunden schnell auf 100 m. Der Neuseeländer Jonah Lomu war wegen seiner Sturmläufe ein Ereignis und der erste globale Star seines Sports. 2015 erlag er, 40-jährig, den Folgen seiner Nierenkrankheit.

K wie 8K
Stellen Sie sich vor, besser fernsehen zu können, als Sie sehen können. So ist das mit einer Bildschirmauflösung von 8K. In Europa sind 4K-Fernseher noch Luxus, in Japan wird die WM nun erstmals in 8K produziert.

L wie Linker Pfeiler
Die Spieler heissen Hooker, Fly-Half, Outside Centre, ­Number 8 oder auch Loosehead Prop, was so viel heisst wie Linker Pfeiler. Der Prop ist wichtig im Gedränge (siehe Scrum).

M wie Messi
2015 waren noch Richie McCaw und Dan Carter der Messi und Ronaldo ihres Sports. Beauden Barrett, ebenfalls ein All Black, wurde danach zweimal zum Weltspieler des Jahres gewählt. Im Moment ist er aber im Tief und sein Platz auf der Position des Spielmachers gefährdet.

N wie Nigel Owens
Er ist der Star unter den Schiedsrichtern, Homosexueller in der «Machowelt des Rugby», wie er selber sagt. Die spitze Zunge des 48-jährigen Walisers trägt zu seinem Kultstatus bei.

O wie Olympia
Nachdem französische Fans den Rasen nach der Niederlage im Final 1924 gestürmt hatten, war es das mit Rugby bei Olympia. Bis 2016 die Kurzvariante Siebnerrugby aufgenommen wurde. ­Fidschi holte die erste Olympiamedaille für das Land.

P wie Preisgeld
38 Millionen Dollar Prämie erhielt Frankreich als letzter Fussball-Weltmeister. Der Rugby-­Verband entschädigt die Teams mit einem Startgeld und einem Anteil aus den Einnahmen. Aber er zahlt keine Preisgelder.

Q wie Quote
Neuseeland ist derzeit hinter Irland nur die Nummer 2 und trotzdem beliebter bei den Buchmachern. 1,91 Franken erhält im Schnitt ausbezahlt, wer 1 Franken auf die All Blacks setzt. Die Iren (5,0), England (6,37) und Australien (7,95) folgen.

R wie Rugby
130 km nördlich von London liegt die vornehme Stadt, die so heisst wie der Sport mit dem Ball, der ein Ei aus Gummi ist. Der Legende nach erfand ihn ­William Webb Ellis (im Bild seine Statue in Rugby) 1823.

S wie Scrum
8 gegen 8 stehen sich im Scrum (Gedränge) Schulter an Schulter gegenüber. Niemand liebt das mehr als die Georgier mit ihren Nacken, als wären sie Schwinger. Sie sagen: «Unsere Natur bedeutet, nie unterzugehen. Wir sind immer im Kampf.»

T wie Try
Was im Football der Touchdown, ist im Rugby der Try. Er bringt fünf Punkte, mit einem anschliessenden Kick kann auf sieben Punkte erhöht werden. Wer mindestens vier Trys erzielt, bekommt in der Tabelle einen Bonuspunkt gutgeschrieben. Je drei Punkte gibt es für einen verwandelten Strafstoss sowie einen erfolgreichen Dropkick.

U wie Urform
Als William Webb Ellis das Rugby erfand, standen noch Teams mit je 100 Spielern auf dem Platz. Heute sind es je 15.

V wie Verletzung
Im Rugby bleibt ein Spieler höchstens liegen, wenn er wirklich verletzt ist. Das Spiel läuft selbst bei medizinischer Versorgung weiter.

W wie Wissenschaft
Das und nichts weniger ist die Qualifikation für die WM. Zum Beispiel für Kanada, ­immerhin Weltnummer 22: Es unterlag in einer Barrage den USA, dann Uruguay – und setzte sich an einem Viererturnier gegen Deutschland, Kenia und Hongkong doch noch durch.

X wie Unentschieden
Während ein Sieg vier Punkte zählt, gibt es für ein Remis zwei. Es ist jedoch ein seltenes Phänomen: Erst drei WM-Vorrundenspiele endeten mit Unentschieden. Kuriosum: 2007 und 2011 teilten sich Japan und Kanada die Punkte.

Y wie Yokohama
Prunkstück der WM-Bewerbung war das neue Olympia­stadion von Tokio. Das Projekt ist aus Kostengründen jedoch noch nicht bezugsbereit. 2015 stellte der Rugbyverband klar: Entweder ihr habt ein würdiges Finalstadion, oder ihr seid die WM los. Das Eröffnungsspiel wird nun in einem kleineren Stadion in Tokio ausgetragen, der Final in Yokohama.

Z wie Zuschauer
Hinter der Fussball-WM und den Sommerspielen ist die Rugby-WM der drittgrösste Sportanlass der Welt. Auch in Japan dürfte die Marke von 2,5 Millionen Zuschauern übertroffen werden: 96 Prozent der Tickets sind verkauft.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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