Vier Schwinger, vier Geschichten

Schwingen Remo Käser, Stefan Studer, Gilles Zaugg und Mirco Pljevaljcic verbindet nicht nur die Mitgliedschaft im SK Kirchberg und die Bekanntschaft mit Matthias Sempach – das Quartett will am «Oberaargauischen» in Hindelbank eine gute Falle machen.

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Philipp Rindlisbacher

78 Oberaargauer schwingen am Samstag (ab 8.30 Uhr) in Hindelbank an ihrem Heimfest, die meisten Augenpaare werden freilich auf Rückkehrer Matthias Sempach gerichtet sein. Diese Zeitung jedoch stellt vier seiner Kirchberger Klubkollegen kurz vor – vom 15-jährigen Schweiz-Serben bis zum 36-jährigen Debütanten.

Stefan Studer – der Vielseitige:Zwilchhosen oder Stecken? Zwilchhosen und Stecken! Stefan Studer ist Schwinger und Hornusser – wobei er im Umgang mit dem Nouss mehr Erfolg vorzuweisen hat. Im August 2014 wurde er mit Höchstetten Schweizer Meister, gewann gar die Einzelschlägerwertung. Keine 24 Stunden später überraschte er in St-Imier manch Experten, sicherte sich am «Bernisch-Kantonalen» den Kranz. Mittlerweile ist er bei zehn Auszeichnungen angelangt.

Studer schaute als Schüler mehrmals im Schwingkeller vorbei. Danach spielte er Basketball, konzentrierte sich aber bald aufs Hornussen. Zwecks Erhöhung der Schlagkraft ging er oft Gewichte stemmen,traf dabei auf die Brüder Matthias und Stefan Sempach, die ihn zum Comeback animierten. Seit fünf Jahren plant er doppelspurig. Er rechnet sich Chancen aus, am Samstag den Kranz zu holen.

Gilles Zaugg – der Linke: 36 ist Gilles Zaugg, keiner der 184 Teilnehmer in Hindelbank ist älter als der Wyniger. Und doch: Am «Oberaargauischen» betritt er Neuland, es handelt sich um sein erstes Kranzfest. Vor acht Jahren kam Zaugg mit dem Schwingsport in Kontakt, wurde aber rasch ausgebremst. Dreimal musste er sich am Rücken operieren lassen, ein Lendenwirbel wurde durch eine Prothese ersetzt. Nun trainiert er in Kirchberg mit viel Enthusiasmus, erhält von Matthias Sempach gratis Anschauungsunterricht. In Hindelbank will er sich für den Ausstich qualifizieren. Es handelt sich um ein ambitiöses Ziel.

Der fünffache Familienvater fällt etwas aus dem Rahmen – nicht zuletzt aufgrund seines politischen Engagements. Zaugg ist Gemeinderatsmitglied von Wynigen, kandierte für die SP als Nationalrat. Die Schwingerszene gilt als SVP-Hochburg. «Klar werde ich ab und zu provoziert. Aber es gibt dadurch auch spannende Diskussionen», sagt Zaugg.

Remo Käser – der Kronprinz: Mit 15 gewann er seinen ersten Kranz, mit 16 bodigte er den ersten «Eidgenossen». Mit 18 legte er Kilian Wenger auf den Rücken, mit 19 gehört er nun zum Kreis der Fest­sieger. In der Karriere von Remo Käser geht es stets in die gleiche Richtung: bergauf. Laut Coach Andreas Lanz trainiert der Alchenstorfer wie ein Besessener. Nach zuletzt drei Erfolgen an ­Hallenfesten sowie dem Coup am «Mittelländischen» zählen ihn einige bereits zum Kreis der Anwärter auf den Schwingerkönigstitel in Estavayer. Sein Umfeld jedenfalls ist königlich: Vater Adrian und Onkel Silvio Rüfenacht holten 1989 respektive 1992 den Titel, Nachbar und Trainingskollege ist Matthias Sempach. Der Vater ist bemüht, auf die Euphoriebremse zu treten. «Ich frage ihn oft um Rat», sagt der Junior, «aber glaube ihm natürlich nicht alles», ergänzt er lachend. Käser, der das Sägemehl stets als Erster betritt, zählt am Samstag zum engsten Favoritenkreis. Doch er weiss: «Der Kükenbonus bei der Einteilung ist weg.»

Mirco Pljevaljcic– der Secondo: Knapp ein Prozent der Schwinger hat Migrationshintergrund. Mirco Pljevaljcic ist einer davon; der Vater des Koppigers ist gebürtiger Serbe, die Mutter Schweizerin. Den einen oder anderen blöden Spruch muss sich der bald 16-Jährige wegen seines Nachnamens immer wieder mal anhören. «Aber wer mir frech rüberkommt, dem sage ich dann schon meine Meinung.» Alle zwei Jahre besucht er die Verwandten im Balkan. Am Samstag debütiert er auf höchster Stufe, dürfte dabei einen schweren Stand haben. «Mein Ziel ist es, zumindest einen Gang zu gewinnen.» Lob erhält er von Schwingerkönig Matthias Sempach: «Mirco trainiert sehr seriös, sein Einsatz ist vorbildlich.»

Spitzenpaarungen 1. Gang: Matthias Sempach - Beat Wampfler. Matthias Glarner - Willy Graber. Simon Anderegg - Florian Gnägi. Bernhard Kämpf - Thomas Sempach. Remo Käser - Samuel Giger. Thomas Zaugg - Domenic Schneider.

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