Zum Hauptinhalt springen

Videospiele: Sport oder nicht Sport?

Ist Videospielen tatsächlich ein Sport? Und sollte der nationale Verband von Swiss Olympic aufgenommen werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Mittwoch das Berner Sportforum.

Im Sessel statt auf dem Spielfeld: An der am Mittwoch gestarteten Gamescom in Köln zeigten die E-Sportler, was in ihnen steckt. Hier beim Fussballvideospiel «Fifa 2019».
Im Sessel statt auf dem Spielfeld: An der am Mittwoch gestarteten Gamescom in Köln zeigten die E-Sportler, was in ihnen steckt. Hier beim Fussballvideospiel «Fifa 2019».
REUTERS

Per Knopfdruck zwischen Stürmer und Mittelfeldspieler wechseln oder mit Tastatur und Maus Königreiche erobern: Während Videospiele früher nur im eigenen Wohnzimmer Platz fanden, werden sie heute im grossen Stil zelebriert. Am Donnerstag etwa öffnete in Köln die alljährliche Games­com ihre Türen. Eine riesige Messe, an der nicht nur die neusten Trends präsentiert werden, sondern auch professionelle Turniere veranstaltet.

Am selben Tag gibt der Spielewahn auch in der Stadt Bern zu reden: Während des Berner Sportforums beschäftigte man sich unter anderem mit der Frage, ob die E-Sports – wie man das professionelle Videospielen nennt – tatsächlich auch Sport sei. Eine Frage, die zumindest ­Cédric Schlosser, Vorstandsmitglied der kürzlich gegründeten Swiss E-Sports Federation, klar mit Ja beantwortet.

In der Diskussion: Moderator Beat Ackermann, Mathieu Quiquerez, ehemaliger Profispieler, Cédric Schlosser, Swiss E-Sports Federation, Walter Mengiscen, Bundesamt für Sport, und Marc Hügli, Swiss Olympics (von links). Foto: Christian Pfander
In der Diskussion: Moderator Beat Ackermann, Mathieu Quiquerez, ehemaliger Profispieler, Cédric Schlosser, Swiss E-Sports Federation, Walter Mengiscen, Bundesamt für Sport, und Marc Hügli, Swiss Olympics (von links). Foto: Christian Pfander

Förderung des Nachwuchses

Das Klischee des übergewichtigen, Pizza konsumierenden Videospielers sei längst veraltet. «Die Entwicklung der Szene ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass man täglich hart trainieren muss, um mit den besten mitzuhalten.» Die körperliche Gesundheit sei fast ebenso wichtig wie schnelle Reflexe und Teamarbeit, internationale Spitzenteams verfügen neben Strategieberatern mittlerweile auch über Fitnesscoaches.

Und zumindest ein gängiges Problem der konventionellen Sportvereine teilt die E-Sport-Szene: das Nachwuchsproblem. Wie auch im Kunstturnen sei es für professionelle Spieler wichtig, früh anzufangen und von den Eltern gefördert zu werden. Eine harte Nuss; wenn die eigenen Kinder viermal pro Woche ins Fussballtraining gehen werden sie gelobt, verbringen sie hingegen zu viel Zeit an der Spielekonsole, machen sich die Eltern schnell Sorgen. «Diese Einstellung würde sich sicher bessern, wenn etwa Swiss Olympic die E-Sports anerkennen würde», sagte Cédric Schlosser.

Genügend Sponsoren

Mit diesem Wunsch hatte Schlosser während der gestrigen Podiumsdiskussion einen schweren Stand. «Bereits das Bundesgesetz setzt beim Sport eine körperliche Ertüchtigung voraus», meinte etwa Walter Mengisen, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Sport. Zudem könne er nicht verstehen, was genau der Beitritt zu Swiss Olympic dem E-Sport bringen würde.

«Der Deckmantel der Nachwuchsförderung ist sicher kein ausreichender Grund für einen Beitritt – besonders wenn man bedenkt, wie viele Jugendliche heutzutage ‹gamen›», meinte auch Marc Hügli, Ressortleiter Verbandsführung von Swiss Olympics. Man hüte sich aber vor der Definitionsfrage: «Es gibt viel wichtigere Punkte zu klären, wenn wir uns fragen, ob ein Verband Mitglied wird oder nicht.»

Die beiden Männer vertraten zudem die Auffassung, dass es der E-Sport-Szene auch ohne Swiss Olympic bereits gut gehe. An Sponsoren zumindest mangelt es den professionellen Videospielern nicht: Ähnlich wie bei Fussballtrikots zieren die Shirts der Spieler jeweils unzählige Markenlogos, wenn sie an offiziellen Turnieren auftreten.

Die Leistung und der Wert

Sport oder nicht Sport – «das interessiert uns gar nicht», meinte schliesslich Mathieu Quiquerez, der Einzige in der Runde mit praktischer E-Sport-Erfahrung. Früher bekannt unter dem Spielernamen Maniac nahm der heute 28-Jährige bereits an vielen internationalen Turnieren teil. Für die Spieler sei es nicht entscheidend, ob man sie als Sportler anerkennt oder nicht. «Viel wichtiger wäre es, dass die Gesellschaft unsere Leistungen und den Wert der E-Sports wahrnimmt.»

Er selber habe etwa zwei verschiedene Sprachen durch das Spielen gelernt, die Welt bereist und «tolle Menschen kennen gelernt, denen ich sonst nie begegnet wäre». Zugegeben: Wegen der fehlenden Strukturen sei es deutlich schwerer, in der E-Sport-Szene Fuss zu fassen als im anerkannten Breitensport – «aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch