Floorball Köniz: Bitteres Ende einer schönen Geschichte

Floorball Köniz hat in den letzten Monaten fast alles richtig gemacht. Auch im Superfinal lief ein Drittel lang alles für die Vorstädter. Dann kamen der Bruch, der Schock, die Wende.

  • loading indicator

Ein guter Film kann auch mal schlecht zu Ende gehen. Als hätte Quentin Tarantino grossartig Regie geführt, in der Schlussphase aber eine Szene schlecht konzipiert. Im Fall von Floorball Köniz dauerte diese Szene 20 Minuten.

Es war das Mitteldrittel im sams­täglichen Superfinal, das im Drehbuch der herausragenden Könizer Saison für den arg getrübten Schluss verantwortlich zeichnete. In jenem Drittel musste sich Köniz den Vorwurf gefallen lassen, das Spiel aus der Hand gegeben zu haben.

Die Reserve von zwei Toren aus dem Startdrittel war bald aufgebraucht; spätestens nach Sacha Trüssels Ausgleichstreffer zum 4:4 offenbarte sich auf den Rängen, dass die Mehrheit in der ausverkauften Klotener Eishalle GC unterstützte.

Kim Nilsson zeigte im letzten und wichtigsten Spiel für die Zürcher sein bestes Drittel, unter der Regie des schwedischen Superstars spielte sich GC in einen Rausch und ein erschreckend passives Köniz dadurch an die Wand. Die Berner verloren den Abschnitt mit 0:5. Aus zwei Längen Vorsprung war vor dem Schlussdrittel eine Hypothek von drei Einheiten geworden.

In den ersten 20 Minuten erlebte bald ein Déjà-vu, wer den Cupfinal zwischen den gleichen Kontrahenten in Erinnerung hatte: Die Spielverläufe ähnelten sich stark. Damals hatte Köniz im Startdrittel die Differenz geschaffen, 4:1 geführt. Das gleiche Resultat stand nach 15 Minuten am Samstag auf dem grossen Videowürfel. «Dieses Mal waren wir uns womöglich zu sicher», hielt Topskorer Manuel Maurer fest. Immerhin: Im Schlussabschnitt bewies das Team von Trainer René Berliat Moral.

Mit komplett neu zusammengestellten Linien und dem prächtig ­aufgelegten, erst 18-jährigen Junior Jan Zaugg kam Köniz ­wieder heran. Maurer erzielte mit seinem 50. Saisontor den Anschlusstreffer, der Könizer Fanblock schraubte die Lautstärke nochmals tüchtig nach oben.

Die restlichen gut 7 Mi­nuten überstand GC nicht zuletzt wegen der mangelnden Effizienz in den Reihen der Berner. Wenige Sekunden vor Schluss realisierte Nico Berlinger den zehnten GC-Treffer; Köniz-Goalie Samuel Thut hatte längst einem sechsten Feldspieler Platz gemacht.

Da verstummte auch die «rote Wand», wie sich die mitgereisten Berner Fans selbst betitelten. Mit Pauken und Transparenten ausgestattet, wussten die gut hundert Anhänger zu überzeugen. Während der gesamten 60 Mi­nuten des Spiels feuerten die Anhänger der Könizer ihr Team mit Sprechgesängen an. Unerbittlich zogen sie ihr Programm durch und erinnerten damit an die Fankurve eines Fussballvereins.

Torhüter Thuts konsternierte Miene wurde durch die Fernsehkameras zum Sinnbild der Enttäuschung im Lager der Könizer. Der Goalie verspürte nach dem letzten Spiel in seiner Karriere «eine grosse Leere», realisierte aber wenige Minuten danach offensichtlich noch nicht, dass seine Laufbahn ein bitteres Ende gefunden hatte. In der Mixed Zone gaben die Könizer im Anschluss tapfer Auskunft.

Trainer Berliat sprach vom Gameplan, den sein Team sonst immer sehr genau einhalte, von dem es im Mitteldrittel aber abgekommen sei. Naivität nannte es Captain Kaspar Schmocker. Erklärungen fand aber verständlicherweise niemand. Es sei noch nicht der Moment für tiefer gehende Analysen, hiess es unisono.

In der Halle war die Stimmung derweil gelöst, GC-Spieler und -Fans lagen sich in den Armen, und die Augen der jüngsten Kim-Nilsson-Fans leuchteten genauso wie jene des Schweden selbst. Die Dramaturgie des GC-Films hatte den Höhepunkt für den Schluss vorgesehen.

Für Köniz bleibt die Hoffnung auf ein leicht verändertes Drehbuch in der nächsten ­Saison. Austauschen müsste man nur eine Szene. Das Mitteldrittel im Superfinal.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt