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Sturz setzt Armstrong mehr zu als Landis-Vorwürfe

Der siebenfache Tour-de-France-Sieger stellt seinen ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis als unglaubwürdig hin und weiss den Radsport-Verband UCI hinter sich.

Stephan Roth
Nach seinem Sturz bei der Kalifornien-Rundfahrt wird Lance Armstrong auf die Beine geholfen.
Nach seinem Sturz bei der Kalifornien-Rundfahrt wird Lance Armstrong auf die Beine geholfen.
Armstrong sitzt mit Schmerzen am Strassenrand.
Armstrong sitzt mit Schmerzen am Strassenrand.
Lance Armstrong trug eine blutende Wunde davon und musste das Rennen aufgeben.
Lance Armstrong trug eine blutende Wunde davon und musste das Rennen aufgeben.
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Am Tag der schweren Vorwürfe von Floyd Landis, der sich selbst und seinen amerikanischen Landsmann des Dopings beschuldigt hatte, stürzte Lance Armstrong bei der Kalifornien-Rundfahrt und musste das Rennen aufgeben. Der siebenfache Tour-de-France-Sieger zog sich dabei einen Bluterguss am Ellenbogen und eine Schnittwunde im Gesicht zu, die im Spital genäht werden musste.

Die Frage ist, ob die Anschuldigungen von Landis dem 38-jährigen Texaner einen grösseren Schaden zufügen werden. Denn eines muss man dem erfolgreichsten Radfahrer aller Zeiten lassen: Im Abwehren von Doping-Vorwürfen hat er im Verlauf der Jahre eine beeindruckende Gelassenheit und Souveränität entwickelt.

«Glaubwürdigkeit schon lange verloren»

Vor dem gestrigen Rennen stellte er sich den Medien. «Wir haben nichts zu verstecken. Wenn jemand Fragen hat, sind wir gerne bereit, diese zu beantworten», sagte er und begann sofort, die Glaubwürdigkeit von Floyd Landis anzugreifen. «Ich möchte alle daran erinnern, dass dies ein Mann ist, der mehrfach unter Eid aussagte, in sehr unterschiedlichen Versionen. Das ist ein Mann, der ein Buch schrieb, um damit Profit zu machen, und dabei eine völlig andere Version auftischte. Das ist jemand, der, wie jemand sagte, gegen eine Million Dollar von unschuldigen Leuten für seine Verteidigung nahm. Und jetzt, da alles vorbei ist, ändert er die Geschichte. Deshalb sind wir genau wie ihr ein bisschen verwirrt.» Und dann zeigte er mit dem Finger auf Landis, ganz so, wie man es von den Anwälten in den amerikanischen Gerichtsserien kennt, und sagte: «Floyd hat seine Glaubwürdigkeit schon vor langer Zeit verloren.» Landis hatte zugegeben, über die längste Zeit seiner Karriere verbotene Mittel genommen zu haben. So auch im Phonak-Team des Schweizers Andy Rihs bei seinem Tour-de-France-Sieg 2006, der ihm aufgrund eines positiven Testosterontests aberkannt wurde. Im Laufe seiner Karriere habe er unter anderem auf EPO, Testosteron, Wachstumshormone und Bluttransfusionen zurückgegriffen. «Ich will ein reines Gewissen», hatte der 34-Jährige gesagt, der während Jahren vor Gericht gegen die Doping-Vorwürfe angekämpft hatte.

Für UCI ist Landis' Glaubwürdigkeit «gleich null»

Mit detaillierten Schilderungen über die geheime Lagerung von Blutkonserven in seinem Ex-Team US Postal hatte Landis gemäss «Wall Street Journal» auch seine früheren Mannschaftskollegen Armstrong, George Hincapie und Teamchef Johan Bruyneel stark belastet. Auch Levi Leipheimer und Dave Zabriskie bezichtigte er des EPO-Dopings. Rihs und Hincapie wiesen die Anschuldigungen wie Armstrong zurück.

93 Prozent der Leser von hatte die Frage «Glauben Sie auch, dass die Tour-de-France-Legende Armstrong gedopt war?» mit Ja beantwortet. Wer nun aber glaubt oder hofft, dass die Aussagen von Landis Armstrong, der sich seit Jahren mit Doping-Vorwürfen konfrontiert sieht und selbst auch keine besonders grosse Glaubwürdigkeit geniesst, vom Sockel stürzen werden, dürfte enttäuscht werden.

«Was will er denn damit erreichen? Seine Glaubwürdigkeit ist gleich null. Er will Rache üben, das ist doch offensichtlich. Er hat so oft gelogen, sogar ein Buch geschrieben, wie er sauber die Tour gewonnen hat», sagte Patrick McQuaid, der Präsident des internationalen Rad-Verbandes UCI, der Nachrichtenagentur dpa über Landis. «Das ist sehr traurig für den Radsport. Der Sport hatte sich wieder erholt und jetzt das?» Die Anschuldigungen gegen Armstrong seien «nichts Neues». «Es ist nicht das erste Mal, dass Armstrong angeklagt wurde, aber bis jetzt gibt es noch keine Beweise», so McQuaid. Sämtliche Unterlagen lägen bei der UCI-Rechtsabteilung, ein Gespräch mit Landis sei nicht geplant.

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