Stupender Techniker ohne Allüren

Jan Zaugg gelingt der definitive Durchbruch auf höchster Unihockey-Ebene. Das Ausnahmetalent bleibt seinem Naturell treu, fällt mehr mit Taten als mit Worten auf.

Schneller als die Gegen­spieler: Jan Zaugg hat den Ball auch in der Luft unter Kontrolle.

Schneller als die Gegen­spieler: Jan Zaugg hat den Ball auch in der Luft unter Kontrolle.

(Bild: Manuel Zingg)

Inzwischen weiss jeder Gegenspieler, wer er ist. Schon manch einen hat Jan Zaugg das Fürchten gelehrt, er, der erst zwanzig Jahre alte Könizer Stürmer. Blitzschnell manövriert er sich durch die Abwehrreihen; sein Umgang mit dem Ball zeichnet Zaugg ebenso aus wie seine Schusstechnik. Und wenn er sich auf dem Hallenboden bewegt, sieht alles leicht aus.

Zaugg absolviert seine dritte NLA-Saison. Vor gut zwei Jahren wurde er ins Fanionteam von Floorball Köniz berufen, das Ausnahmetalent unterschrieb einen Vertrag über mehrere Jahre. Was der damalige Gymnasiast an technischem Rüstzeug mitbrachte, war bereits aussergewöhnlich. «Er ist extrem angefressen von diesem Sport und kann kaum ­genug trainieren», sagt René Ber­liat, Zauggs heutiger Trainer, früher Nachwuchschef der Vorstädter. Die grenzenlose Spielfreude bildet die Basis.

Für den Durchbruch in der NLA sind freilich auch andere Qualitäten gefragt. Zaugg ist eher klein gewachsen, von schmächtiger Statur; Zweikämpfen geht er vorzugsweise aus dem Weg. «Bestenfalls bin ich jeweils schon einen Schritt weiter», erklärt Zaugg. Dennoch ist er kompletter geworden. «Im athletischen Bereich habe ich mich deutlich verbessert», sagt der Flügelspieler.

So setzt sich die Erfolgsgeschichte fort – dank 34 Skorerpunkten trägt Zaugg das Topskorer-Shirt. Im November folgte das erste Aufgebot für die Nationalmannschaft; der Könizer gehörte zur Equipe, die an der Euro Floorball Tour den historischen Premierensieg über Schweden schaffte.

Kurzer Kontakt zu YB

«Ich warte noch darauf, dass er mal den Kopf anschlägt. Bis jetzt geht bei Jan alles steil aufwärts», hält Vater Heinz, der zugleich als Sportchef der Könizer amtet, schmunzelnd fest. Sein Sohn ist polysportiv begabt, besass früher auch fussballerisch grosses Potenzial. Auf der Stufe U-12 ­erhielt er ein Angebot von YB, musste dieses aber ausschlagen, weil damit das Kapitel Unihockey zu Ende gegangen wäre. Priorität hatte stets das Spiel mit Stock und Plastikball. Zu Hause in Schliern nutzten Jan und sein älterer Bruder jede freie Minute – was in der Wohnsiedlung zuweilen Ärger mit lärmempfindlichen Nachbarn zur Folge hatte.

Ratgeber, nicht Lautsprecher

Heute ist das schwerlich vorstellbar; Zaugg wirkt schüchtern, er hinterlässt primär mit seinen Aktionen auf dem Feld Eindruck. Im Spiel will er Verantwortung übernehmen, ein Leader sein. In der Garderobe seien dafür andere ­zuständig. «Er ist kein Lautsprecher», bestätigt Berliat. «Aber er wird vermehrt von Mitspielern um Rat gefragt.» Am Sonntag, beim 11:5-Sieg gegen Waldkirch-St. Gallen, liess er Zaugg mit ­Stefan Hutzli und Fabian Michel auflaufen – in diesem Trio hat der 20-Jährige am meisten Er­fahrung.

Im Alltag, abseits der Sporthalle, lebt Jan Zaugg ganz getreu seinem Gemüt: ruhig, überlegt. Im Sommer schloss er seine Gymnasialzeit ab und entschied sich, dem Unihockey noch höhere Priorität einzuräumen, die Ausbildung zurückzustellen. Derzeit arbeitet Zaugg beim selben Sponsor wie die Schweden Jesper Johansson und Hampus Dargren im 30-Prozent-Pensum.

Der Gedanke an ein Engagement Zauggs im Unihockeymutterland Schweden ist angesichts seiner Qualitäten nicht weit. «Eine Karriere ist nicht schlecht, wenn man nicht dort gespielt hat», findet der Könizer. Gewiss ist aber: Schon jetzt ist sein Name auch in Skandinavien keine Unbekannte.

lsi

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