Steingruber dominierte die Konkurrenz

Ein fast perfekter Wettkampf für Giulia Steingruber an der Turn-EM: Als Siegerin qualifizierte sie sich für zwei Gerätefinals und als Zweitbeste für den Mehrkampffinal. Und dann kam es zu einer Überraschung.

Die Maximalnote für Steingrubers Spreizsprung am Boden.

Die Maximalnote für Steingrubers Spreizsprung am Boden.

(Bild: Keystone)

Giulia Steingruber ist der Auftakt zur Turn-EM in Montpellier geglückt: Die Schweizer Vorzeigeturnerin brillierte an ihren Lieblingsgeräten Sprung und Boden mit nahezu perfekten Übungen und gewann an beiden Geräten die Qualifikation. «Ich bin sehr zufrieden», sagte die 21-jährige Ostschweizerin und fügte an: «Vor dem Wettkampf war ich sehr überzeugt, das hat mir Sicherheit gegeben.»

Nationtaltrainer Zoltan Jordanov lobte: «Sie hat das sehr gut gemacht und nun alle Chancen, dreimal Gold zu gewinnen.» Zumal die zweifache Europameisterin trotz eines Sturzes am Balken auch im Mehrkampf ganz vorne mitmischt. Auf die Russin Maria Charenkowa auf Rang 1 fehlen ihr sieben Zehntelpunkte – was mit dem Sturz allein zu erklären ist. Sie habe noch an allen Geräten Verbesserungspotenzial, sagte Steingruber. Vom Resultat in seiner Zuversicht bestärkt, wiederholte Jordanov seine Aussage, wonach für seine Turnerin drei Goldmedaillen im Bereich des Möglichen lägen. Aus der Qualifikation nimmt sie keine Vornoten mit.

Die Überraschung am Stufenbarren

An ihrem Paradegerät Sprung, an dem sie den EM-Titel 2013 errungen und 2014 verteidigt hatte, zeigte Steingruber erstmals seit anderthalb Jahren an einem Grossanlass den Jurtschenko mit Doppelschraube. Er gelang ihr ohne jede Schwierigkeit – worüber sie sich letztlich sogar selbst ein wenig überrascht zeigte. Entsprechend deutlich ist ihr Vorsprung am Powergerät. «Wir wollten in dieser Qualifikation keine Zweifel offen lassen», sagte Jordanov. Ein Ausrufezeichen zu setzen, ist der St. Gallerin gelungen.

Dass sie sich ausserdem völlig überraschend für den Gerätefinal am Stufenbarren qualfiizierte, stand erst spät fest in der modernen Arena von Montpellier. Und kam umso überraschender. Medaillenchancen hat sie an ihrem schwächste Gerät aber keine. Steingruber steht damit am Freitag (Vierkampf), Samstag (zwei Geräte) und Sonntag (ein Gerät) im Einsatz.

Vitaminmangel bei Talent Käslin

Die Schweizer Turnhoffung Ilaria Käslin musste derweil eine herbe Enttäuschung verdauen: Die 17-jährige Tessinerin beendete ihren Wettkampf nach der zweiten von vier Subdivisionen nur im 16. Rang und wird damit den Mehrkampffinal klar verpassen. Insgesamt stürzte Käslin dreimal – zweimal am Boden, einmal am Schwebebalken.

Nationaltrainer Zoltan Jordanov verliess nach dem dritten Sturz entnervt vorübergehend die Halle. Später kehrte er zurück, um der jungen Athletin Trost zu spenden. «Ich bin froh, dass er nicht wütend auf mich war», sagte Käslin. Sie hätte am Boden denselben Fehler begangen wie im Podiumstraining und übte deswegen Selbstkritik: «Ich hätte es besser machen müssen.» Aufgrund eines kürzlich festgestellten Vitaminmangels fühlte sich der Teenager auch im Wettkampf schlapp.

Premiere für Jessica Diacci

Besser machte es ihre Teamkollegin Jessica Diacci. Die 21-jährige Aargauerin erfüllte die in sie gesteckten Erwartungen vollends, zeigte einen fehlerfreien Wettkampf und darf sich mit Zwischenrang 12 vor der abschliessenden Subdivision berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme im Mehrkampffinal vom Freitag machen. Nimmt man die EM vor zwei Jahren in Moskau zum Massstab, dürfte ihr die Qualifikation mit dem Gesamttotal von 52,699 Punkten problemlos gelingen. Es wäre ihr erster Mehrkampffinal an einem internationalen Grossanlass. Trainer Jordanov jubelte: «Ihr bester Wettkampf seit fünf Jahren.»

«Ich bin sehr zufrieden», sagte sie selber. Zwar hätte sie am Barren und Balken ein paar Probleme gehabt, aber: «Schön ist, dass ich nun eine zweite Gelegenheit erhalte. So kann ich mich nochmals verbessern.»

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