Star-Unihockeyspieler in Köniz

Kim Nilsson, 26 Jahre alt, ist der vielleicht beste Unihockeyspieler der Welt. Am Samstag tritt der schwedische Stürmer mit Tabellenführer GC in der neuen Heimstätte von Floorball Köniz an.

hero image
Reto Kirchhofer@rek_81

Schwamendingen – ein Quartier, ein Ruf. Wer den Namen hört, denkt an Vorstadt-Ghetto, Fluglärm, Autobahnzubringer, Migration, Plattenbau, und vielleicht an Viktor Giacobbos Klamaukfigur Harry Hasler. Einige Klischees mögen überholt sein, doch die Stippvisite im Schwamendinger Auzelg-Bezirk stützt die Vorurteile. Hier lebt der vielleicht beste, sicher aber bestverdienende Unihockeyspieler der Welt: Kim Nilsson. In unmittelbarer Nähe seiner Wohnung befinden sich Baracken, Zuggeleise, die Autobahn, ein Heizkraftwerk. Der Tristesse nicht genug, regnet es in Strömen.

«Willkommen, Kaffee gefällig?», sagt Nilsson bei der Begrüssung. Er bittet ins schwedisch eingerichtete Wohnzimmer. Seit dem 18.September wohnt die Familie hier, «es hat erst für einen Besuch in der Ikea gereicht», sagt Nilsson. Er ist 26 Jahre alt, gross gewachsen (193cm), hat langes, blondes Haar, lacht oft und bildet mit seiner aufgeschlossenen Art einen wunderbaren Kontrapunkt zur tristen Umgebung. Rasch wird klar, weshalb Köniz-Stürmer Emanuel Antener über Nilsson sagt, er verkörpere «den typisch schwedischen Strahlemann».

Der Gasler Antener und der von der Insel Öland stammende Nilsson spielten zwei Jahre lang gemeinsam bei AIK Stockholm. Vor seiner Unterschrift bei GC erkundigte sich Nilsson denn auch beim früheren Teamkollegen über die Schweizer Liga. Der Wechsel des Stürmers – er unterschrieb in Zürich einen Zweijahresvertrag – sorgte für Aufsehen: In Schweden, wo die Sportart äusserst populär ist, titelte die Boulevardzeitung «Aftonbladet»: «Bomben: Kim Nilsson går till Schweiz.» Nilsson geht in die Schweiz: Diese Nachricht kam im Norden einer Transferbombe gleich und führte hierzulande immerhin zu einem Beitrag in «Sport aktuell».

5 Spiele, 14 Tore, «ganz gut»

«In der Schweiz habe ich die Möglichkeit, als Profi zu leben und bei einem ambitionierten Klub zu spielen, der Titel gewinnen will», sagt Nilsson. Aus dem Nachbarzimmer dringt Kindergeschrei in die Stube. Töchterchen Penny ist acht Wochen alt. Ihre Geburt ist der Grund, weshalb die Nilssons später als geplant in die Schweiz reisten – und der Vater fast die komplette Vorbereitung mit seinem neuen Klub verpasste. «Deshalb hatte ich Bedenken. Aber nun ist der Start ganz gut geglückt.» Ganz gut heisst in Zahlen: 5 Ligaspiele, 5 Siege, Platz 1 in der Skorerliste mit 14 Toren und 6 Assists.

Der Schwede ist Teil der Vorwärtsstrategie der GC-Unihockeysektion: Er soll nicht nur Tore erzielen, sondern die Sportart populärer machen. Zurzeit kommt Nilsson etwa bei Autogrammstunden zum Einsatz. «Sobald ich die deutsche Sprache beherrsche, werde ich in die Schulen gehen und das Unihockey vorstellen.»

Lohn eines Thuner Fussballers

Auch wenn sportartenübergreifende Vergleiche wenig sinnvoll sind, lässt sich Nilssons Status im Unihockey durchaus mit jenem von Lionel Messi im Fussball verbinden. Viele Experten bezeichnen den 26-Jährigen als weltbesten Unihockeyspieler. Der Schwede meint diplomatisch, er sei «schon ein recht wichtiger Schlüssel für meinen Klub und die Nationalmannschaft». Zweifelsfrei gilt Nilsson dank seines Engagements bei GC als bestverdienender Unihockeyakteur aller Zeiten. Sein prominenter Vorgänger – bei GC wie in Stockholm und im Nationalteam – Niklas Jihde hielt in der Schweiz den Spitzenwert von rund 70000 Franken pro Saison. Bei Nilsson übersteigt das Lohnvolumen erstmals die Grenze zum sechsstelligen Frankenbereich.

Eine private Trägerschaft übernimmt die Finanzierung. GC-Präsident Dario Pasquariello sagt, Nilsson verdiene so viel wie ein Fussballer bei Thun oder Vaduz. Und was sagt der Spieler: «Das ist natürlich schön für mich, aber auch gut für unsere Sportart. Wir investieren sehr viel Zeit. So lesen und sehen die Jüngeren, dass es möglich ist, mit Unihockey Geld zu verdienen.»

«Freue mich sehr auf Köniz»

Mit Schweden will der Stürmer im Dezember in Göteborg den WM-Titel verteidigen. «Wir verfügen über das stärkste Nationalteam in der Geschichte des Unihockeys», sagt Nilsson mit Überzeugung. Auf Klubebene wolle er die Grasshoppers zum ersten Meistertitel führen. Zurzeit ist GC neben Köniz als einzige Equipe ungeschlagen. Bei der Eröffnung der Sporthalle Weissenstein am Samstag kommt es zum Spitzenkampf.

«Ich freue mich sehr auf den Vergleich mit Antener und Köniz. Nach dieser Partie werden wir sehen, wo wir stehen.» Für die Partie gilt Gratiseintritt, die Könizer hoffen auf eine vierstellige Zuschauerzahl. Damit würden die Rahmenbedingungen dem Besuch des Starspielers gerecht. Was in Schwamendingen nur bedingt der Fall ist.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt