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Matthias Siegenthaler kämpft sich zurück

Vor 20 Monaten bestritt Matthias Siegen­thaler letztmals ein Schwingfest. Der Schwarzsee-Sieger von 2014 ist fürs «Emmentalische» vom Sonntag in Zollbrück gemeldet. Wobei: Selbst ein baldiger Rücktritt ist nicht ausgeschlossen.

Sein letzter Einsatz: Am «Eidgenössischen» in Estavayer packte Matthias Siegenthaler (links) letztmals einen Gegner an den Zwilchhosen.
Sein letzter Einsatz: Am «Eidgenössischen» in Estavayer packte Matthias Siegenthaler (links) letztmals einen Gegner an den Zwilchhosen.
Andreas Blatter

Manchmal ging er an Krücken, manchmal humpelte er nur leicht und trug Jeans oder Shorts. Aber in Zwilchhosen? So sah man Matthias Siegenthaler in der jüngeren Vergangenheit auf den Schwingplätzen doch eher selten.

Vier Feste bestritt er 2015, drei waren es im Jahr darauf, und die vergangene Saison liess er komplett sausen. Es ist keine schöne Bilanz, aufs Schwingen bezogen waren es fast schon verlorene Jahre, mal abgesehen von Rang 8 inklusive Kranzgewinn am «Eidgenössischen» in Estavayer.

Das Knie ist zur Dauerbaustelle geworden beim Emmentaler; auf die Frage, wie oft er sich habe operieren lassen müssen, sagt er nur: «Das wollen Sie gar nicht wissen.» Ein Dutzend Eingriffe sind zusammengekommen, und so stellt sich jetzt, wo die Saison gerade eben lanciert worden ist, die Frage: Wie geht es weiter?

Das Ringen mit sich selber

Siegenthaler hat sich zurückgezogen in den vergangenen Monaten, Interviewanfragen blockte er ab. Regionalschwingfeste bestritt er keine, weshalb da und dort Stimmen zu hören waren, der 32-Jährige werde auch die Saison 2018 als Zuschauer verfolgen.

Sein Name aber steht nun auf der Anmeldeliste des «Emmentalischen» in Zollbrück, wobei: Eine Garantie, dass er am Sonntag tatsächlich schwingen wird, wollte er gestern keine geben. Siegen­thaler mag sich weder versteifen noch unter Druck setzen lassen, längst hat er aufgehört zu planen.

Es ist möglich, dass er am Heimfest in vier Tagen seine Abschiedsvorstellung geben wird, allenfalls aber wird er heuer nochmals richtig angreifen. Und selbst einen baldigen Rücktritt ohne weiteren Ernstkampf schliesst der in Hondrich lebende Routinier nicht aus.

Siegenthaler ringt mit sich selbst. Das Feuer ist nicht erloschen, er möchte noch etwas bewegen. Einerseits. Andererseits geht es dem Knie mittlerweile so gut, dass es ihm im Alltag keine Probleme mehr bereitet, und genau das ist immer das Ziel gewesen des Spitzenschwingers: nicht erst aufzuhören, wenn es keinen Ausweg mehr gibt.

Die nervenden Fragen

Trainiert hat der zweifache Familienvater zuletzt regelmässig, vorwiegend aber ausserhalb der Sägemehlringe. Es ist eine mentale Geschichte, «wäre ich im Kopf hundertprozentig bereit, würde ich die Sache anders an­gehen.» Doch Siegenthaler stellt klar: «Bringe ich es nicht mehr hin, geht für mich keine Welt unter.»

Dann und wann hat Siegenthaler, der früher auch an Hüft- und Rückenbeschwerden litt, gehadert damit, dass immer wieder er zurückgeworfen worden ist. Er hält fest, sich womöglich das eine oder andere Mal zu früh für eine Operation entschieden zu haben.

Der gebürtige Truber aber ist nicht der Typ, der zurückschaut, und Fragen zu seiner Verletzungsgeschichte gehen ihm je länger, je mehr auf die Nerven. Es ­gäbe ja auch genug anderes zu erwähnen: Siegenthalers Beliebtheit in der Szene beispielsweise, seine Eleganz, mit welcher er am Kilchberg-Schwinget 2014 den Schönschwingerpreis ergatterte.

Acht Kranzfeste hat er gewonnen, 2014 triumphierte er am Schwarzsee. Und er hat sowohl Christian Stucki als auch Matthias Sempach und Kilian Wenger – den Götti seines Buben Jimmy – schon auf den Rücken gelegt.

Nicht selten wird Siegenthaler damit konfrontiert, dass mehr möglich gewesen wäre in seiner Karriere. Am Sonntag wird er am Heimfest in Zollbrück sicher ­dabei sein. Vielleicht in Zwilchhosen. Oder aber in Jeans.

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