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Schock in Japan: Sumo steht am Abgrund

Der russische Sumo-Ringer Wakanoho packt aus. Seine Enthüllungen über systematische Schiebung und Drogenmissbrauch erschüttern den japanischen Nationalsport.

Roho Yukio mit den üblichen Drohgebärden vor einem Kampf: Traditionellerweise stampfen die schwergewichtigen Ringer auf den Boden und verstreuen Salz.
Roho Yukio mit den üblichen Drohgebärden vor einem Kampf: Traditionellerweise stampfen die schwergewichtigen Ringer auf den Boden und verstreuen Salz.
Keystone
Zusammen mit seinem Bruder Batras (Hakurozan) wurde Roho wegen Marihuana-Besitzes festgenommen und vom Verband lebenslänglich gesperrt. Die Russen behaupteten gegenüber der Presse, die Droge nie angerührt zu haben und plädierten auf Unschuldig.
Zusammen mit seinem Bruder Batras (Hakurozan) wurde Roho wegen Marihuana-Besitzes festgenommen und vom Verband lebenslänglich gesperrt. Die Russen behaupteten gegenüber der Presse, die Droge nie angerührt zu haben und plädierten auf Unschuldig.
Keystone
Der mongolische Grossmeister wird aus dem Ring bugsiert: Asashoryu (rechts) und sein Gegner Aminishiki im September 2008. Nicht erlaubt ist Würgen, Haareziehen, Umbiegen der Finger, Griffe in der Schrittgegend, Treten, Eindrücken der Augen sowie Faustschläge und Schläge auf beide Ohren gleichzeitig.
Der mongolische Grossmeister wird aus dem Ring bugsiert: Asashoryu (rechts) und sein Gegner Aminishiki im September 2008. Nicht erlaubt ist Würgen, Haareziehen, Umbiegen der Finger, Griffe in der Schrittgegend, Treten, Eindrücken der Augen sowie Faustschläge und Schläge auf beide Ohren gleichzeitig.
Keystone
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Der japanische Nationalsport Sumo steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte. Vor einem Jahr wurde ein 17-jähriger Nachwuchskämpfer von älteren Kollegen im Training zu Tode geprügelt. Unbeabsichtigt, aber durchaus nicht unerwartet: Seit Jahren war bekannt, dass die Doyens des Sports jüngere Kämpfer mit Bambus-Schlägern «abhärten».

Nun droht ein ehemaliger russischer Sumo-Ringer, der wegen eines Drogen-Vergehens lebenslänglich gesperrt wurde, vor Gericht zu reden. Er will erzählen, was ausserhalb der hermetisch abgeschirmten Sumo-Szene bisher nur vermutet wird. In einem aufsehenerregenden Statement gegenüber den Medien erklärte Soslan Goglajew, der unter dem Namen Wakanoho kämpfte, konkrete Fälle von Absprachen zu enthüllen und die Namen von fehlbaren Verantwortlichen zu nennen.

Ungünstiger Zeitpunkt

Der Eclat kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt für den Sport, der eng mit der japanischen Kultur verknüpft ist und in Nippon quasi eine religiöse Bedeutung hat. Seit Wochen wird Sumo von immer neuen Gerüchten und Enthüllungen rund um die Sperre zweier Ringer erschüttert: Die Brüder Soslan und Batras Boradsow alias Roho Yukio und Hakurozan Yuta wurden lebenslänglich gesperrt, nachdem ihnen Marihuana-Konsum hatte nachgewiesen werden können.

Dies geschah nur wenige Tage, nachdem schon Wakanoho festgenommen und vom Sumo-Verband ausgeschlossen wurde, weil er zugab, zwei Beutel der leichten Droge gekauft zu haben. Der Skandal um das Trio führte zum Rücktritt von Kitanoumi, einem der besten Ringer aller Zeiten, vom Amt als Präsident des Sumo-Verbands.

Drohung schlägt ein wie Bombe

Wakanohos Drohung, den Mantel des Schweigens zu lüften, hat in der Sumo-Szene wie eine Bombe eingeschlagen. Er sei bereit, eine «dreckige Welt» von Drogenkonsum und Absprachen zu enthüllen, sagte der Russe: «Ich wurde gezwungen, Geld anzunehmen und in unfairen Matches zu kämpfen. Vom ersten Moment an, in dem ich in der Makuuchi-Division (höchste Klasse im Sumo) kämpfte.»

Schockierend ist für die konservative Sumo-Szene nicht nur, dass Einzelheiten über die seit Jahren im Raum stehenden Gerüchte über systematische Schiebung und Drogenmissbrauch bekannt werden sollen. Weit schwerer fällt ins Gewicht, dass die Anschuldigungen von einem Ausländer erhoben werden. Jahrelang hatte sich der Sumo-Verband geweigert, ausländische Kämpfer in den Rang eines Yokozuna zu heben und auf eine Stufe mit japanischen Grossmeistern zu stellen.

Ausländer bringt Nationalsport ins Wanken

Die öffentliche Anschuldigung Goglajews widerspricht dem gepflegten Image der Sumo-Ringer als Menschen mit herausragenden Charaktereigenschaften. Gemäss jahrhundertealter Tradition hat ein Ringer ein Muster an Duldsamkeit zu sein und sich keinesfalls zu beschweren.

Gegenüber der britischen «The Times» hat ein erfahrener Sumo-Reporter gesagt, dass der Sport am Abgrund stehe: Werde der Mantel des Schweigens gelüftet, sei alles möglich. Noch nie habe ein Insider öffentlich darüber geredet, was hinter den verschlossenen Türen des Sports passiert.

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