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Ring frei für das Spektakel

Heute ist es so weit: Um 23 Uhr boxen Witali Klitschko und Kevin Johnson in Bern um den Weltmeistertitel im Schwergewicht.

Letzte Annhäherung vor dem viel beachteten Duell: Witali Klitschko und Kevin Johnson.
Letzte Annhäherung vor dem viel beachteten Duell: Witali Klitschko und Kevin Johnson.
Andreas Blatter

Rund 400 geladene Gäste wohnten der Einwiegezeremonie vor dem heutigen WM-Kampf in Bern bei. Sie bedauerten ihr Kommen nicht – Herausforderer Kevin Johnson bewies einmal mehr seinen Unterhaltungswert. Der noch unbesiegte Amerikaner stieg zuerst auf die Waage und kokettierte mit dem Publikum. Johnson zog ein erstes Shirt aus; fünf Dollar koste dies, witzelte er. Er entledigte sich weiterer Kleidung – der Preis stieg. «Eine Million», schrie Johnson, als er die Trainerhoseauszog und seinen muskulösen Körper präsentierte.

Klitschkos Coolness

Weniger pompös verlief der Auftritt des Titelträgers: Wortlos schritt Witali Klitschko vors Publikum, 112 Kilo wiegt der WBC-Schwergewichtsweltmeister (2 mehr als Johnson). Im Gegensatz zu seinem heutigen Gegner, der in den letzten Wochen immer wieder mit vorlauten Parolen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte, zeigte sich Klitschko stets bedacht. Der Ukrainer, welcher 37 seiner 40 Profikämpfe vorzeitig gewann und dabei die Gegner mit seiner starken Führhand malträtierte, liess sich von Johnsons Provokationen («Klitschko ist ein Witz») nicht aus der Ruhe bringen. Er lasse lieber die Fäuste sprechen, sagte er. Einzig die Sonnenbrille des Herausforderers war ihm ein Dorn im Auge – Klitschko riss ihm unmittelbar nach dem Einwiegen die Brille aus dem Gesicht. Beim Versuch, sich zu revanchieren und seinem Gegenüber die Trainerhose runterzuziehen, scheiterte Johnson kläglich.

Zu den Klängen von «Hell Bells» von AC/DC (Klitschko) und Michael Jacksons «Man in the Mirror» (Johnson) werden die beiden Titulare um 23 Uhr in die PostFinance-Arena einlaufen. Die Veranstaltung wird nicht zuletzt deshalb mit ausserordentlichen Lärmimmissionen zu später Stunde verbunden sein. Der Boxabend beginnt um 18.30 Uhr mit den Vorkämpfen, im fünften Duell kommt der Burgdorfer Nuri Seferi als einziger Schweizer zum Einsatz. Der Weltmeister im Cruisergewicht nach Version der Global Boxing Union trifft auf den Rechtsausleger Joseph Marwa (Tansania). Es sei für seine Karriere ausserordentlich wertvoll, im Programm von Witali Klitschko kämpfen zu dürfen, sagt Seferi. «Ich spüre den Druck. Ich will die Schweiz würdig repräsentieren.»

Johnson und die Handschuhe

Im Hauptkampf gehen die Experten von einem Sieg Klitschkos aus. «Ich denke, dass Johnson nach drei oder vier Runden zu Boden geht. Vielleicht wird der Kampf aus werbetechnischen Gründen noch künstlich verlängert», sagt Bruno Arati, Trainer des Berner Profiboxers Yves Studer. Johnson mache körperlich eine überraschend gute Figur. «Es käme aber einer Sensation gleich, könnte er über die volle Distanz mithalten.»

Kevin Johnson steht gerne im Mittelpunkt. Bei der offiziellen Wahl der Handschuhe liess er sich gestern Zeit, die von seinem Promoter bestellte Grösse XL passte dem charismatischen Amerikaner nicht – für den Showdown wird ein neues Paar geliefert. Bei der Anprobe liess er sich über 15 Minuten Zeit. Man darf gespannt sein, ob der heutige Kampf so lange dauern wird.

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