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Raketenarm gegen Bollwerk

Die San Francisco 49ers verschmähten Patrick Mahomes im Draft – zum Glück von Kansas City. In der Superbowl will der Quarterback Revanche dafür.

Quarterback von Kansas City: Patrick Mahomes (links) und der gefürchtete Verteidiger der 49ers (rechts). Fotos: Michael Zagaris (Getty Images)/J. Roberson (Keystone)
Quarterback von Kansas City: Patrick Mahomes (links) und der gefürchtete Verteidiger der 49ers (rechts). Fotos: Michael Zagaris (Getty Images)/J. Roberson (Keystone)

Der spektakulärste Passwerfer überhaupt

Wer Patrick Mahomes beim Spiel zusieht, der reibt sich die Augen. Denn wenn er den Ball besser wirft als alle anderen, dann tut er dies entgegen allen Lehrbüchern. Erst 24-jährig, hat er mit seiner spektakulären Spielweise die Liga auf den Kopf gestellt. MVP und Super-Bowl-Teilnahme vor dem 25. Geburtstag – das hat vor dem Star-Quarterback der Kansas City Chiefs noch keiner geschafft. Und viel dazu beigetragen hat eine andere Sportart, die typisch amerikanisch ist: Baseball.

Mahomes’ Vater war Pitcher in der Major League Baseball. Sein Sohn spielte nebst Football auch Baseball. Als Pitcher hätte Patrick Mahomes bei Detroit Profi werden können. Er lehnte ab, um sich auf Football zu konzentrieren, was blieb, war sein Raketenarm. Durch seine Fähigkeiten als Baseball-Werfer entwickelte er auch als Football-Spielmacher eine Wurftechnik, die einzigartig ist. Sie macht es ihm möglich, aus vollem Lauf und aus scheinbar aussichtslosen Positionen erfolgreich zu sein. Indem er das Leder-Ei ungewöhnlich weit hinten hält, vermag er nicht nur saubere Würfe über die Schulter hinweg, sondern auch seitlich auszuführen.

Absehbar war das nicht. Im College wurde Mahomes zwar die vielleicht schärfste Wurfhand seit Green-Bay-Packers-Legende Brett Favre attestiert, gleichzeitig aber deren Präzision bezweifelt. Die Chiefs gaben ihm 2017 trotzdem eine Chance: Nach einem Lehrjahr als Ersatz hinter Alex Smith wurde Mahomes 2018 Stamm-Quarterback – und brach gleich alle Rekorde. Erst 23, war er bereits der MVP, der beste Spieler der Saison.

Mahomes ist nicht zu stoppen

Ohne Knieverletzung in dieser Saison wären die Chancen gross gewesen, dass er diesen Titel erfolgreich verteidigt hätte. Wobei er auch Glück im Unglück hatte. Nur dank einer Fehlbildung der Bänder stand Mahomes bereits zwei Wochen nach der gravierenden Verletzung wieder auf dem Feld. Sie hielten die beschädigte Kniescheibe. Von da an verloren die Chiefs nur noch ein Spiel.

Auch diese Bilanz unterstreicht die Wichtigkeit des Ausnahme-Spielmachers für den Erfolg der Chiefs. Anders als die 49ers sind sie stark von ihrem Quarterback abhängig. Kann Mahomes seine Wirkung nicht entfalten, dürften die Siegeschancen der Chiefs beträchtlich sinken. Oder anders gesagt: Sollte sich Kansas City durchsetzen, dann, weil Patrick Mahomes für grosses Spektakel gesorgt hat.

Die beste Verteidigung der ganzen Liga

Wenn man die Akteure der San Francisco 49ers diese Tage nach ihrem Rezept fragte, wie man die Kansas City Chiefs schlagen wolle, antworteten alle ähnlich: Man wolle den Football spielen, den man die ganze Saison über gespielt habe: den Gegner mit dem 49ers-Football in die Knie zwingen. Was genau das heisst, das mochte keiner sagen. Womöglich deshalb nicht, weil es viele verschiedene Ingredienzien sind, die den Niners-Football in dieser Saison ausmachen.

Das Team lebt nicht wie andere Mannschaften von überragenden Einzelathleten, sondern von seinem Kollektiv. Die Aus­geglichenheit auf jeder Position ist eine der Stärken. Dazu kommt, dass Cheftrainer Kyle Shanahan und sein Staff die wohl vielseitigste, unberechenbarste Offensive pflegen. Shanahan lässt pro Spiel bis zu vier verschiedene Läufer ran und weiss die Stärke eines jeden genau richtig ein­zusetzen. Deshalb leben die 49ers von ihrem Laufspiel, während die Chiefs eher mit ihrem Passspiel erfolgreich sind.

Garoppolo lernte vom Besten

So weiss denn auch noch keiner so genau, was Quarterback Jimmy Garoppolo draufhat. 2014 wurde er von den dominanten New England Patriots verpflichtet und konnte als Ersatz des Star-Quarterbacks Tom Brady enorm viel von diesem lernen. Während der Saison 2017/18 wurde er nach San Francisco transferiert, wo er die davor schwächelnde Traditionsfranchise sofort zu Siegen führte.

Letztes Jahr jedoch folgte der Rückschlag: Garoppolo fiel zu Saisonbeginn mit einem Kreuzbandriss aus, die Saison der Kalifornier war gelaufen. Die ak­tuelle Spielzeit ist also die erste, in der Garoppolo in allen Spielen für die 49ers auflief. Und wie: Fünfzehn Saisonsiegen stehen nur drei Niederlagen gegenüber, die wichtigste Statistik spricht also für Garoppolo.

Das Prunkstück der Mannschaft bildet jedoch die Abwehr. Im American Football bildet die Defensive Line den wichtigsten Part der gesamten Verteidigung. Sie hat den Auftrag, den gegnerischen Quarterback zu jagen. Und das macht ligaweit niemand besser als die 49ers. Und nie wird es so wichtig sein wie am Sonntag, dass sie dies abermals beweisen: Nimmt die Defensive Line Patrick Mahomes, den Passwerfer von Kansas City, aus dem Spiel, dürfte dem Triumph der Kalifornier nichts im Weg stehen.

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