Qualität made in Bern

Wiler-Ersigen, Floorball Köniz und die Tigers Langnau dominieren die NLA. Nationalcoach David Jansson analysiert die Spitzenklubs.

«Neben den drei Berner Spitzenklubs gibt es auch noch drei, vier andere Teams, die auf einem hohen Niveau spielen und in den Playoffs gefährlich werden können», sagt Nationtrainer David Jansson.

«Neben den drei Berner Spitzenklubs gibt es auch noch drei, vier andere Teams, die auf einem hohen Niveau spielen und in den Playoffs gefährlich werden können», sagt Nationtrainer David Jansson. Bild: Balz Murer

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Nationaltrainer David Jansson ist ein kommunikativer Typ. Leger und jovial im Auftritt, aber ungemein fokussiert, wenn es um seine Herzensangelegenheit Unihockey geht, spricht der in Kloten wohnhafte Schwede mit Passion über taktische Konzepte oder die Entwicklung der besten Schweizer Vereine. Woche für Woche macht sich der 37-Jährige in den Hallen ein Bild vom Formstand jener Akteure, die sich auf seinem Radar befinden, kennt taktische Stärken und Schwächen der NLA-Klubs aus dem Effeff.

Fünf Runden vor Schluss der regulären Saison und dem Start der Playoffs thronen mit Wiler-Ersigen (1.), Floorball Köniz (2.) und den Tigers Langnau (3.) drei Berner Mannschaften an der Spitze der höchsten helvetischen Liga. Was hebt diese Vereine derzeit von der Konkurrenz ab? Wo liegen deren Stärken und Schwächen? Und welche Equipen haben die besten Chancen, in den Playoffs zu reüssieren? Nationaltrainer Jansson analysiert die Berner Vorzeigeklubs.

Wiler-Ersigen: Gute Transfers

Serienmeister Wiler-Ersigen (11 Titel seit 2004) leitete auf diese Saison hin einen sanften Umbruch ein. Einige etablierte Kräfte traten zurück, andere Leistungsträger suchten ihr Glück in der schwedischen Eliteliga, um sich persönlich und sportlich weiterzuentwickeln. «Wie dominant und konstant Wiler-Ersigen in dieser Saison trotz der Veränderungen im Kader auftritt, verdient ein grosses Kompliment», sagt Jansson.

Wiler-Ersigen-Coach Thomas Berger sei taktisch ein grosser Experte, der die neuen Rollen im Team perfekt verteilt habe, was angesichts der vielen Wechsel eine schwierige Aufgabe gewesen sei. «Viele junge Spieler sind schnell in Schlüsselrollen reingewachsen, wobei man bei den Transfers auch ein sehr gutes Händchen hatte.»

Die Titelvergabe werde auch dieses Jahr wieder über Wiler-Ersigen führen, mutmasst Jansson. Die Unteremmentaler sind aus dem Berner Toptrio zudem das einzige Team, das noch im Cup (Halbfinal gegen Chur) vertreten ist.

Floorball Köniz: Titelkandidat

Die Berner Vorstädter hätten ihren Anhang in den letzten Jahren mit konstant guten Leistungen und «sehr attraktivem Unihockey» verwöhnt, sagt Nationalcoach Jansson. «Auch in dieser Saison vermochten mich die Könizer zu überzeugen, die neu verpflichteten Spieler haben sich schon hervorragend in das Teamgefüge integriert.» Und zu beobachten, wie beispielsweise das ­20-jährige Könizer Toptalent Jan Zaugg (im Moment die Nummer 3 in der nationalen Skorerliste) von Spiel zu Spiel Fortschritte erlange, mache grossen Spass.

Köniz-Urgestein René Berliat, einer der Pioniere im helvetischen Unihockey, ist laut Jansson zudem ein cleverer Coach, der viele Tools in seiner Werkzeugkiste habe und voll fürs Unihockey lebe. «Was Berliat für diesen Sport in Köniz und in der Schweiz ge­nerell geleistet hat, ist grossartig. Es sollte eigentlich noch 10 Ber­liats mehr geben, um das Spiel noch populärer zu machen.»

Obschon Jansson findet, Köniz habe das Potenzial in dieser Saison noch nicht komplett ausgeschöpft, ist für ihn klar: «Floorball ist auch in dieser Saison ein ernsthafter Titelkandidat.»

Tigers Langnau: Neue Ideen

Mit dem Tschechen Michal Rybka verpflichteten die Tigers Langnau auf diese Saison hin einen neuen Coach. «Rybka ist ein interessanter Trainer mit vielen spannenden Ideen», erklärt Jansson, der sich überrascht zeigt, wie schnell die Handschrift des Neo-Coachs bei den Emmentalern sichtbar geworden ist. «Sie sind taktisch flexibler als früher, sind fähig, während einer Partie drei verschiedene Systeme zu spielen.» Dies würde aber auch noch Risiken bergen, «vor allem, wenn schnell von der Offensive in die Defensive umgeschaltet werden muss.»

Freude bereitet Jansson auch bei den Tigers Langnau der Werdegang von jungen Akteuren. Diese Woche erhielt der 23-jährige Offensivakteur Thomas Gfeller sein erstes Aufgebot für das Nationalteam. «Er kann viele Positionen spielen und ist vielseitig. Vor allem aber hat uns seine Attitüde überzeugt», sagt Jansson. Mit ihrem Kampfgeist, dem Zusammenhalt in der Equipe und den beiden schwedischen Ausnahmekönnern Anton und Johan Samuelsson als Leader «sind die Tigers für jeden Gegner eine absolute Knacknuss. Dies wird auch in den Playoffs so sein», glaubt Jansson.

Die Konkurrenz schläft nicht

Fazit: Die Troika um Meister und Favorit Wiler-Ersigen, den Herausforderer Floorball Köniz und die aufstrebenden Tigers Langnau besitzt gute Chancen, den Meisterpokal auch dieses Jahr ins Bernbiet zu holen. Dennoch gibt Nationaltrainer Jansson zu bedenken, «dass es neben den Berner Spitzenklubs noch drei, vier andere Teams gibt, die auf einem hohen Niveau spielen und in den Playoffs gefährlich werden können.»

Vereine wie GC (4. in der Rangliste), Alligator Malans (5.) oder Rychenberg Winterthur (6.) werden alles tun, um die Phalanx zu durchbrechen. Gleichzeitig liegt es an den Berner Spitzenteams, ihre Vormachtstellung zu untermauern. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.01.2018, 11:35 Uhr

David Jansson

Seit dem 16. April 2015 leitet David Jansson als Coach die Geschicke der Unihockey-Nationalmannschaft. Sein Vertrag läuft noch bis im Februar 2019. Vorher machte sich Jansson in der Schweiz einen Namen als Trainer von Floorball Köniz (2009–2011). Zudem trainierte der 37-Jährige bereits die kanadische Nationalequipe oder das schwedische Spitzenteam Pixbo Wallenstam.

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