OL ist, wenn Mami in den Wald geht und gewinnt

An der WM im finnischen Vuokatti lässt Simone Niggli ihrem Sprinttriumph jenen über die Langdistanz folgen – die Bernerin ist wie so oft eine Klasse für sich.

Furios: Simone Niggli hat noch nicht genug und holt in Finnland ihr 22. WM-Gold.

Furios: Simone Niggli hat noch nicht genug und holt in Finnland ihr 22. WM-Gold.

(Bild: Keystone)

Kinder bringen es in der Regel auf den Punkt, wenn auch nicht in herkömmlicher Weise. Sagt Malin Niggli, «OL ist, wenn Mami in den Wald geht und gewinnt», spricht die im Herbst fünf Jahre alt werdende Bernerin aus, was viele Erwachsene denken: «Mami» Simone Niggli ist der Konkurrenz auch mit 35 Jahren noch immer einen bis zwei Schritte voraus. Unterläuft der Münsingerin kein gravierendes Missgeschick, präsentieren sich die Kräfteverhältnisse so wie nach dem Langdistanzfinal an der WM im finnischen Vuokatti.

Auf 2:59 Minuten beläuft sich die Differenz zwischen der nunmehr 22-fachen Weltmeisterin und der Schwedin Tove Alexandersson, deren Landsfrau Lena Eliasson verliert 3:06 Minuten, und Minna Kauppi, die fehlerhaft gelaufene Hoffnungsträgerin der Einheimischen, liegt 3:42 zurück. Es lässt sich von einer Machtdemonstration der OL-Königin schreiben – überspitzt formuliert, kämpften die Herausforderinnen lediglich um Silber.

Keine Perfektion

Ein OL-Wettkampf sei nie perfekt, erwidert das Mami dreier Kleinkinder auf die entsprechende Frage und verweist auf den Fehler beim 19.Posten, welcher im Minimum 40 Sekunden gekostet habe. Ansonsten jedoch lässt sich von einer nahezu einwandfreien Darbietung bei nahezu idealen Rahmenbedingungen schreiben. Die Königsdisziplin ist Nigglis bevorzugte Sparte, das Gelände im Osten Finnlands ganz nach ihrem Geschmack.

Es gilt, das Tempo weitgehend hoch zu halten und in den richtigen Momenten zu drosseln, vor allem dann, wenn Posten in unübersichtlichen, weil dicht bewachsenen Waldteilen angelaufen werden müssen. 2001 hatte sie sich in Tampere ihr erstes WM-Gold umhängen lassen, natürlich über die Langdistanz; es begann eine schier unglaubliche Erfolgsserie (vgl. Kasten). Niggli gesteht denn auch, dass ihr das 22.WM-Gold mehr bedeutet als andere Plaketten – «so, wie es heute war, so stelle ich mir OL vor».

Die Schweizer Männer hatten sich den gestrigen Tag anders vorgestellt. Matthias Merz und Daniel Hubmann – sie waren als Podestplatzaspiranten angetreten – belegten die Ränge 6 und 7, verpassten Bronze um rund eine Minute. Baptiste Rollier hingegen verlor auf den französischen Sieger Thierry Gueorgiou über 13 Minuten; Grossanlässe behagen dem Westschweizer offensichtlich nicht. Silber sicherte sich überraschend Jani Lakanen, welcher die wie beim montäglichen Sprint zu Tausenden aufmarschierten Zuschauer für den missglückten Auftritt von Teamleaderin Kauppi entschädigte. Er habe sich zwei Jahre lang explizit auf dieses Rennen vorbereitet, resümiert der Finne – der Aufwand hat sich gelohnt.

Keine Sättigung

Bleibt die Frage, was in den Köpfen von Nigglis Konkurrentinnen vorgeht, wenn die Dominatorin am Tag nach dem Sprinttriumph alles in Grund und Boden läuft. Gibt es Anzeichen von Resignation? Oder gehen einige davon aus, dass die Bernerin nun gesättigt ist? Letzteres verneint die Betroffene vehement und hält fest, «wer mich kennt, weiss genau, dass ich alles gebe, wenn ich in einem WM-Rennen starte». Am Freitag ist es wieder so weit, die technisch anspruchsvolle Entscheidung über die Mitteldistanz steht auf dem Programm. Und wer Malin Niggli zum Thema OL befragt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder eingangs erwähnte Antwort erhalten.

Tages-Anzeiger

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