«Nur zäme»

Minerva ist in der Schweiz das Mass aller Dinge in der aufstrebenden Sportart. Die Berner sicherten sich vor grosser Kulisse in der Weissensteinhalle den dritten Meistertitel der Klubgeschichte.

Captain und dreifacher Schweizer Meister: Yves Mezger (mitte) ist einer der Eckpfeiler bei Futsal Minerva.

Captain und dreifacher Schweizer Meister: Yves Mezger (mitte) ist einer der Eckpfeiler bei Futsal Minerva.

(Bild: Max Füri)

Adrian Lüpold

We did it. Drei Wörter – drei Titel! Wenige Minuten nach dem 5:2-Finalsieg gegen den FC Silva bedienten die Medienverantwortlichen von Futsal Minerva ihren Facebook-Kanal. Die Botschaft, den dritten Meistertitel nach 2012 und 2013 in die Hauptstadt geholt zu haben, musste der (grossen) Fangemeinde flugs kommuniziert werden. Mehr als 3100 Personen verfolgen die Berner Equipe auf Facebook. Eine Zahl, von der Vereine von anderen etablierten Hallensportarten nur träumen können.

Futsal ist eine aufstrebende Sportart, die erst seit einem knappen Jahrzehnt in der Schweiz ligamässig betrieben wird. Entsprechend jung und internetaffin ist die Community. Doch das spekta­kuläre Spiel mit dem kleinen, schweren Ball wird von Jahr zu Jahr populärer, zieht auch immer mehr Fussballinteressierte in ihren Bann. Futsal boomt.

Miro Prskalo amtet als Präsident des nunmehr dreifachen Schweizer Meisters Futsal Minerva Bern. Der Rechtsanwalt, im ­Wallis aufgewachsen, ist Motor, Seele, Vermarkter und erster Fan seines Vereins. Prskalos Arbeit mutet unermüdlich und hartnäckig an, er pusht seinen Sport, wo er nur kann, scheut keinen Aufwand. Mit grossem Erfolg. Futsal findet immer mehr Anhänger – auch dank seines Einsatzes.

Im Internet wurde das Endspiel auf fast allen wichtigen helvetischen Newsseiten per Livestream mit kompetenten Kommentatoren übertragen, gestern Abend sendete SRF 2 im «Sport aktuell» einen Beitrag zum Final. Minerva kann auf Sponsoren zählen, auf die Vertreter anderer Sportarten neidisch werden könnten. Der grosse FC Basel und YB liessen schon ihre Junioren von Minerva-Coachs in die Geheimnisse von Futsal einweihen. Vieles fädelte Prskalo ein, seine Freizeit widmet er in grossen Teilen seinem Verein. «Die Erlösung nach dem Titelgewinn ist riesig, die Befriedigung massiv», sagte er nach dem Triumph.

Dabei gingen Minervas Verantwortliche vor ziemlich genau einem Jahr durchaus ein Wagnis ein. Aus Portugal, einem Land, in dem Futsal einen riesigen Stellenwert hat, verpflichteten sie ein Trainerduo von Sporting Lissabon. Neue Einflüsse, andere Reize, viel Know-how. Der Schritt hat sich gelohnt. Den ex­trem intensiven Final gewannen die Berner gegen den FC Silva aus Morges – der übrigens mit vielen portugiesischen Spielern ge­spickt ist – auch dank der besseren Taktik. «Das erste Jahr in der Schweiz und gleich der erste Titel, es ist ein Traum», sagte Coach Pedro Santos mit Tränen in den Augen.

Unglaubliche 108 Trainingseinheiten absolvierten die Akteure Minervas in der letzten Saison, trainierten Spielzüge und Standardsituationen bis zur Perfektion. Der 1:0-Führungstreffer im Final nach einer genialen Freistossvariante war sinnbildlich. Am Reissbrett entworfen, im Training exerziert, im wichtigsten Match der Saison von den Spielern umgesetzt.

Yves Mezger und Fabio Santona wälzten sich nach Spielschluss vor Freude auf dem Boden. Vor 2000 Zuschauern, die in der Weissensteinhalle fast 2 Stunden für ohrenbetäubenden Lärm sorgten, hatten auch die routinierten Nationalspieler in der Schweiz noch nie gespielt. Captain Mezger und Santona sind Prototypen von Futsal-Spielern. Technisch brillant, mit einer stoischen Ruhe am Ball, gedanklich extrem schnell, passsicher, wendig, mit einem tollen Antizipationsvermögen. Die Freunde dürfen sich nun dreifache Meister nennen. «Unbeschreiblich», das war das Wort, mit dem Mezger in seinen zahlreichen Interviews nach dem Final seine Gefühlslage immer wieder beschrieb.

«Nur zäme» lautete Minervas Motto für das Endspiel. Teamgeist und Zusammenhalt werden extrem grossgeschrieben beim Berner Verein. Und es waren letztlich die Schlüssel für den Sieg im Final gegen die individuell enorm starken Westschweizer. Futsal ist ein Teamsport. Und wenngleich Minervas Tiago Machado mit drei Treffern zum Matchwinner avancierte, hat das Team mit dem besten Kollektiv den Titel geholt.

Berner Zeitung

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