Nur Silber – Steingruber verpasst den Hattrick

Die Schweizer Turnerin gewann im Sprungfinal der EM in Montpellier die Silbermedaille. Die Russin Maria Paseka war zu stark für sie. Am Boden errang Pablo Brägger Bronze.

Gold verloren, Silber gewonnen

Gold verloren, Silber gewonnen

(Bild: Keystone)

David Wiederkehr@DavidWiederkehr

Gold hatte ihr Trainer angekündigt, und Gold wollte sie gewinnen. Doch dann erlebte Giulia Steingruber, die Europameisterin von 2013 und 2014 an diesem Gerät, eine leise Enttäuschung: Sie musste sich an der EM in Montpellier von der starken Russin Maria Paseka geschlagen und sich mit der Silbermedaille zufrieden geben. Die Olympia-Dritte von 2012 hatte ihr Sprungrepertoire im Vergleich zur Qualifikation am Mittwoch massiv aufgestockt. Steingruber verpasste den Sieg an ihrem Paradegerät am Ende lediglich um 0,101 Punkte.

«Ich habe mein Bestes gegeben und darum Silber gewonnen und nicht Gold verloren», sagte die 21-jährige St. Gallerin im Anschluss an die Siegerehrung. Klar sei sie leicht enttäuscht, bekannte sie, aber insgesamt überwiege die Freude über Edelmetall. Auch Trainer Zoltan Jordanov sagte: «Ich kann nicht enttäuscht sein, Giulia hat brillant geturnt.»

Am Barren Sechste

Als das Notentotal von 15,149 bekanntgegeben wurde und ihre Niederlage feststand, tat die Mehrkampfeuropameisterin von gestern Freitag lange keine Regung. Jordanov flüsterte ihr etwas ins Ohr, Physiotherapeutin Dorothee Vrught gratulierte ihr mit drei Küsschen zur Leistung. Fürwahr: Mit Haltungsnoten von jeweils über 9,1 Punkten bei ihren Sprüngen Tschussowitina und Jurtschenko hatte sich Steingruber nichts vorzuwerfen in diesem Final. Ihr fehlten auf Paseka aber 0,6 Punkte Schwierigkeitswerte. Das ist fast nicht wettzumachen.

In ihrem zweiten Finaleinsatz am Stufenbarren kam Steingruber auf den achtbaren 6. Rang. Allein die Finalteilnahme an ihrem schwächsten Gerät war eine Sensation gewesen. Am Sonntag steht sie abschliessend im Bodenfinal und greift als Qualifikationssiegerin nach der nächsten Medaille.

Brägger im Tausendstelglück

Der erste Tag der Gerätefinals brachte für den Schweizerischen Turnverband aber auch eine positive Überraschung: Pablo Brägger gewann am Boden die Bronzemedaille. Der 22-jährige Ostschweizer war zwar nicht ganz so stark wie in der Qualifikation, die er am Donnerstag als Zweiter abgeschlossen hatte – mit einem Vorsprung von acht Tausendstel auf den Israeli Alexander Schatilow blieb ihm trotzdem der dritte Platz. Ironie der Geschichte: Vor einem Jahr hatte Bräggers Teamkollege Oliver Hegi die EM-Medaille am Reck um acht Tausendstel verpasst.

Für Verwirrung sorgte der Entscheid des Kampfgerichts, den Spanier Rayderley Zapata Santana noch einmal antreten zu lassen, nachdem die Zeitnahme nicht funktioniert hatte. Und als der Spanier den Wettkampf beschloss, wurde bei seiner Note der Abzug eines Übertritts vergessen. Zapata Santana wurde so zunächst auf dem dritten und Brägger auf dem vierten Platz geführt. Das wurde ein paar Minuten später korrigiert.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt