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Mit Köpfchen gegen die Wand

Sascha Lehmann gehört zu den besten Sportkletterern der Schweiz. Die Olympischen Spiele in Tokio sind ein grosses Ziel des ­Burgdorfers.

Beweglich: Sascha Lehmann mag die Herausforderungen, die eine Wand an ihn stellt.
Beweglich: Sascha Lehmann mag die Herausforderungen, die eine Wand an ihn stellt.
David Schweizer/zvg

Das Magnesium klebt überall. Am T-Shirt, an den Hosen, den Schuhen. Soeben hat Sascha Lehmann am Swiss Climbing Cup in Ostermundigen seine zweite Qualifikationsroute absolviert. Als Einziger schafft er es an der Wand bis ganz nach oben, und wenige Stunden später wird sich der Burgdorfer nach dem Finaldurchgang als Sieger feiern lassen können.

Der Auftritt im O’Bloc ist für ihn ein Training unter Wettkampfbedingungen. Der Fokus des 19-Jährigen ist längst nicht mehr nur aufs nationale Geschehen gerichtet.

Sascha Lehmann gehört seit Jahren zu den weltbesten Nachwuchskletterern.

Auf Nachwuchsstufe gehört Lehmann seit Jahren zu den Weltbesten. Bereits 2015 errang der Emmentaler den Weltmeistertitel im Lead. Heuer darf Lehmann letztmals bei Juniorenwettkämpfen an den Start gehen. Entsprechend möchte er bei der WM Ende August in Innsbruck sowie der EM in Perm (RUS) einen Monat später vorne mit dabei sein.

Am vergangenen Wochenende bot sich ihm eine der seltenen Möglichkeiten, an einer heimischen Wand emporzuklettern. Beim Europacupwettkampf in Uster liess er sämtliche Konkurrenten hinter sich und feierte den zweiten Sieg in Folge, nachdem er bereits vor zwei Wochen in Dornbirn triumphiert hatte.

Studium kann warten

Seit dem Maturaabschluss vor einem Jahr ist Lehmann als Profi unterwegs. Er sei nicht sicher gewesen, ob das funktionieren würde, erzählt er. Früher habe er die Schule als Ablenkung vom Sport gehabt, nun müsse er sich selber auf andere Gedanken bringen. «Mittlerweile klappt das recht gut», sagt Lehmann und erwähnt das neue Buch, das er sich vor kurzem gekauft hat. Es soll ihn in die Kunst des Programmierens einführen.

«Wenn ich diese Möglichkeit jetzt nicht nutze, werde ich sie nie mehr bekommen.»

Sascha Lehmann

Irgendwann möchte Lehmann ein Studium beginnen. Mathematik oder Physik interessieren ihn beispielsweise. Vorerst will er aber voll aufs Klettern setzen. «Wenn ich diese Möglichkeit jetzt nicht nutze, werde ich sie nie mehr bekommen», sagt Lehmann und ergänzt, dass er seither grosse Fortschritte gemacht habe. Deshalb möchte er mindestens ein Jahr so weitermachen und schauen, wie weit er damit kommt.

Anpassen und träumen

Der Ehrgeiz ist in Lehmanns Worten spürbar. Er basiert aber nicht auf dem, was das Klettern im vergangenen August aus der äussersten Peripherie der Sportwelt etwas näher ans Zentrum des Interesses gerückt hat – die Aufnahme ins olympische Programm für die Spiele 2020 in Tokio.

«Olympia ist ein grosses Ziel», sagt Lehmann. Gross nicht nur aufgrund der Kulisse, welche die Athleten in Japan erwarten würde, sondern vor allem auch gross im Sinne von ambitiös. Je 20 Frauen und Männer werden in einem Kombinationswettkampf aus allen drei Disziplinen (Lead, Bouldern, Speed) um Medaillen kämpfen.

Pro Nation sind maximal je zwei Athletinnen und Athleten startberechtigt. Für die Schweiz wäre es schon als grosser Erfolg zu werten, wenn sich überhaupt jemand in Tokio mit den Weltbesten messen könnte. Das weiss auch Lehmann.

«Man darf sich von einer Wand nicht einschüchtern lassen, sondern muss sich anpassen und ­Lösungen finden.»

Sascha Lehmann

Dennoch hat er sein Training in den letzten Monaten diversifiziert und fokussiert sich nicht nur auf seine Paradedisziplin Lead, sondern entwickelt sich auch im Bouldern und Speed-Klettern weiter.

Aufgrund der ­anspruchsvolleren Routen, bei denen schwierigere Griffe und grössere Distanzen überwunden werden müssen, sei es heutzu­tage auch für Lead-Spezialisten wichtig, bouldern zu können, sagt Lehmann. «Vieles läuft im Kopf ab. Man darf sich von einer Wand nicht einschüchtern lassen, sondern muss sich anpassen und ­Lösungen finden. Das macht Klettern so spannend.»

Dass er durchaus vielseitig ist, hat der Emmentaler letztes Jahr im chinesischen Guangzhou bewiesen, als er sich zum Kombinationsweltmeister der Junioren küren lassen durfte. Ende dieser Woche steht die Elite-EM in Campitello di Fassa (ITA) an.

Zeit für Sommerferien hat Lehmann keine. Das stört ihn jedoch nicht. Als er mit seinen magnesiumbefleckten Kleidern dasitzt, sagt er schmunzelnd: «Ich würde sowieso nur ­irgendwo einen Felsen hoch­klettern.»

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